Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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42 Der Jfidische Student für die rein jüdische Ehe so leicht, so einfach wäre, in unserem Sinne jüdische Erziehung zu leisten! Wir Verheirateten wisserc doch, mit welchen fast unüberwindlichen Schwierigkeiten bei uns in Westeuropa in der Praxis da zu kämpfen ist, weil fast alles fehlt, was dazu gehört und dazu nötig ist; weil ja das alles in den allerersten Anfängen des Werdens steckt Mir ist ein Beispie! erzählt worden, das ich hier wiedergeben will. Hirszenberg, ein Mann, aus einem echten jüdischen Milieu, ein Mensch mit zweifellos schöpferischen jüdischen Instinkten — wer von uns hat soviel Garantie wie diese beiden Vorzüge aufzuweisen? — Hirszenberg nahm sich eine Christin zur Frau, Und er blieb nicht im Golus; nein, er wollte die Gewähr für seine Kinder steigern; er ging nach Palästina, also in das denkbar stärkste jüdische Milieu. Er starb. Und seine Frau ging nach Rußland zurück und heiratete einen Christen. Und seine Kinder?! Wie will man da sagen, es sei durch den Uebertritt der Frau und den Zionismus des Mannes eine Gewähr an sich gegeben?! Die zweite Voraussetzung, die gefordert wird, daß nämlich die Gesamtzensur des betreffenden Bundesbruders im B. J. C von Fall zu Fall festzustellen und danach eben sein Verbleiben oder Ausscheiden abzuwägen und zu entscheiden sei, beruht nicht nur, wie die erste, auf einer irrtümlichen, nachweislich falschen, sondern auf einer geradezu gefährlichen Auffassung. Es steckt darin ein Jesuitismus, den man kaum für möglich halten möchte: wenn es sich wegen der Tüchtigkeit des Bundesbruders lohnt^ oder umgekehrt, wenn das Ausscheiden des Bundesbruders einen Verlust bedeutet, dann darf man einmal fünf gerade sein lassen, darf über seinen Verstoß gegen eine allgemeine Anschauung hinwegsehen und ein Auge zudrücken. Selbstverständlich soll bei irgend welchen Verfehlungen von Bundesbrüdern ein unterschiedliches Maß erlaubt sein, ob es sich um einen hervorragenden, verdienten Prädikats-V. j. St-er oder um einen eben genügenden „Dreier" handelt. Selbstverständlich soll um seiner Verdienste willen jenem manches nachgesehen werden, was bei anderen geahndet werden muß! Ja, ich glaube, daß von dieser Art versöhnlicher Gottähnlichkeit ruhig mehr unter den Bundesbrüdern verbreitet sein könnte als von manch anderer Art von Gottähnlichkeitsbewußtsein. Aber es kann natürlich diese doppelte Moral nur für formale Dinge, Disziplin, Aktivität*