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Der jüdische Student · 1914-06-25 · Heft 3 (25.6.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 3 (25.6.1914)
Date
1914-06-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Jüdische Student 41 auch noch eine Gewähr gebe, und zwar durch die Jüdischkeit seiner Persönlichkeit Soweit ich sehe, erscheint jenen der Zionismus des Mannes als identisch mit dieser Garantie. Es ist m. E. ganz unmöglich, überhaupt und noch viel weniger in einem Einzelfall vorauszusagen, ob eine Gewähr oder auch nur eine Aussicht bestehe,, daß &ie Kinder einer Mischehe wirklich jüdisch werden, nicht nur jüdisch nach dem Standesamt. Es liegt im Wesen der jüdischen Religion, in ihrem Mangel an einfachen, leicht faßbaren,leicht unterscheidbaren Glaubensdogmen und in dem Ueberwiegen ihres traditionellen Charakters, daß der westeuropäische Proselyt, wenn er nicht vielleicht in einen abgeschlossenen, hochorthodoxen Kreis hineinkommt, in ein wirklich inneres Verhältnis zum Judentum als zu einem neuen religiösen Erleben nicht kommt. War das christlich-religiöse Fühlen des Proseiyten sehr stark, so werden seine Wurzeln stets stark bleiben. War aber das christliche Gefühl oder überhaupt das religiöse Gefühl nicht sehr stark, dann wird das neue Judentum die Persönlichkeit erst recht nicht sehr beeinflussen, und eine solche „Jüdin** wird nur wenig Gewähr oder Eignung bieten können, ihre Kinder mit positiv, mit spezifisch jüdischem Geiste zu erfüllen. Daß es in seltenen Fällen möglich sei, beweist höchstens, wie schwer es ist. Es muß aber gerade für unseren Kreis betont werden, daß die Formen und die Kraft des jüdischreligiösen Lebens — und das allein ist es, was in der Gegenwart und hier der Proselyt eintauschen könnte — recht wenig ausgeprägt sind; daß Gebräuche, Sitten und Traditionen in unseren Kreisen meist recht wenig plastische Wirksamkeit auf den Proseiyten ausüben werden. Die Frau, die eine Mischehe mit einem Juden eingeht, tut es in den allermeisten Fällen, vielleicht in allen Fällen nicht aus religiöser Ueberzeugung, sondern aus erotischem Antriebe, wegen des erotischen Zweckes, weil sie den Mann liebt und heiraten will. Sie wird sich also für die Ideen und die Bestrebungen ihres Mannes aus Liebe interessieren; sie wird sich Mühe geben, ihn nirgends zu stören, in allen Meinungsdifferenzen nachzugeben. Aber im Judentum wird sie eine Fremde bleiben, auch wenn sie sich herzlich müht; auch noch, wenn sie Religionsunterricht bei einem liberalen Rabbiner genommen hat. Diese Voraussetzungen an sich können keine Gewähr für dne „Verjudung" der Kinder geben. Als wenn das überhaupt

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