Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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40 Der Judische Student treffende Bundesbruder durch seine jüdische Parteistellung eine Gewähr dafür gibt, daß die Nachkommenschaft jüdisch erzogen wird, dann seien die Gefahren der Mischehe, die zu der Anschauung ihrer Verwerflichkeit geführt haben, vor allem die Gefahr der Entnationalisierung der Kinder, ausgeschaltet und eine strenge Anwendung des Prinzips nicht mehr notwendig. Es sei aber außerdem erforderlich, daß der Bundesbruder sonst seinen Platz im B. j, C ausfülle. Es könnten jedem individuelle Umstände passieren, die einen solchen Schritt verständlich, entschuldbar, ja sogar geboten machten; dann sei eben ein Ausschluß eine unmenschliche Härte, die nicht gerechtfertigt sei, wenn ein praktischer Schaden nicht drohe. Einige scheinen noch weiter zu gehen: Natürlich sei die Mischehe bedauerlich, und, wenn sie gehäuft auftrete, müßte man energische Schritte gegen sie tun. Aber als Einzelfall sei sie nur ein unvermeidliches Symptom des Golus, das man eben hinnehmen müsse. Zum Schluß wird dann gewöhnlich auf eine Anzahl von Präzedenzfällen, sogar bei hervorragenden Zionisten, hingewiesen. Es handelt sich bei dieser Frage um zweierlei: Nicht nur darum, ob die praktischen Gründe für diese nachgiebige Stellungnahme Einzelfällen gegenüber stichhaltig sind, sondern m. E. wichtiger noch darum, ob es gültig sein soll, daß V. J. St-er b e - wüßt sich auf den Standpunkt stellen, ein als richtig und notwendig allgemein anerkanntes Prinzip brauche nicht restlos durchgerührt zu werden, sondern äußere Rücksichten, individuelle Voraussetzungen erlaubten im Einzelfalle eine Umgehung eines solchen Postulates. Prüfen wir zunächst dieGründe, die jeneBundesbrüderanführen. Als erste Voraussetzung wird allgemein gefordert, daß die Frau Jüdin werde. Was beweist das? Das ist doch ein Minimum, das zu irgend welcher Beruhigung gar nicht ausreicht. Allgemein ist dadurch nur gesichert, daß die Kinder in die jüdischen Standesamtsmatrikel eingeschrieben werden; zunächst also eine Rettung nur für die Statistik. Daß dadurch allein die Gefahr eines späteren Verlustes durch spätere Taufe nich* ausgeschlossen ist, beweist aber dieselbe Statistik, in keinem Falle gibt der üebertritt der Fraiye^kmÄrne Gewähr für eine wirkliche ,,Einnationalisierunga^j^r Kinder, besonders in Westeuropa. Das scheinen auch die anderen zu fühlen; denn sie verlangen ja als zweite Voraussetzung noch, daß der Mann