Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1914-05-20 · Heft 1 (20.5.1914) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 1 (20.5.1914)
Date
1914-05-20
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3537599-3537746-3537747--3182-3542564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Der Judische Student rats, der, zwischen A. C und B. C. eingeschaltet, einen Bestandteil der Konventsverhandlungen bildet Der Einfluß der modernen deutschen Jugend- und Studentenreformbewegung ist unverkennbar und soll nicht in Abrede gestellt werden. Im Rahmen eines kurzen Aufrufs, der die Kartellvereine zur Einführung des Wanderns ermuntern will, kann ich hierauf nicht eingehen. Eine prinzipielle Behandlung bleibe mir oder einem andern vorbehalten, (jedoch sollte schon im kommenden Semester Jn jedem K. V. ein Vortrag über die für uns, als Zionisten, /ehr^ interessante deutsche Jugendbewegung — Wandervogel, Jwngdeutschlandbund, akademische Vereinigung, Freischar, Vortrupp, freideutsche Jugend, daneben auch über die Bestrebungen des Dürerbundes, der freien Schulgemeinden, der Volkserzieher, des Gutternpierordens, der Wehriogen — gehalten werden. Sachverständiger: Josef Marcus, BresJau.) Nur eines muß angedeutet werdendie deutsche Jugendbewegung ist geeint durch den Gedanken, daß jede idealistische Jugenderziehung des Zusammenhanges mit der Natur bedarf. Sie meint, daß der Geist des Menschen, in dem der Sinn für die Natur geweckt und gepflegt wird, zugleich dem Verständnis natürlicher und idealer Bestrebungen erschlossen wird, Wenn man es sich überlegt, so ist es erstaunlich, daß der V. J. St, im Banne altdeutscher Siudentensitten, diesen einfachen und richtigen Gedanken nicht aus sich selbst entwickeln konnte. Alle unsere korporativen Veranstaltungen, deren Wert nicht diskutiert werden soll, sind beinahe im Gegenteil eine Absperrung von der Natur: Vorträge, Kneipen, Fuxenstunden, Fechten, Turnen. Auch der Sport/führt nicht in die Natur hinein* Eine Ausnahme macht das Rudern, und darum haben unsere Ruderer schon oft die besten und überraschendsten Erziehun^sresultate erzielt. Wenn wir das Wandern einführen, b e - reichern wir den V. j. St. um einen wertvollen, selbständigen Gedanken: Pflege des Naturempfind e n s und des'natürlichen Lebens. Das Wandern wird uns aber auch auf unseren alten Wegen weiterhelfen. Ueber seinen körperlichen Wert braucht nicht gesprochen zu werden. Kameradschaftlichkeit und Bundesbrüderlichkeit, vor allem echte Geselligkeit werden im Wandern lebendiger und wirklicher werden als bisher auf Kneipen und Cafes. Diese werden in Zukunft hinter (\em Wandern zurücktreten können. Der nichtoffizielle Teil der Kneipe wird für uns — trotz aller Fortschritte, die wir unleugbar gemacht haben — immer ein Problem bleiben. Das geht schon daraus hervor, daß wir auch jetzt noch eifrig von ^guien" und „schlechten" Kneipen reden, eine Unterscheidung, die derj arische Verbindungsstudent nicht kennt. Jedenfalls muß eine Fiduiität

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.