Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 1 (20.5.1914)
- Date
- 1914-05-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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2 Der Jüdische Student I Anklageschrift gegen Stein, der B.J.C. sei erst unter dem Einfluß der Erfolge des K Z. V, zu einem wirklich zionistischen Programm gekommen/ entstanden. Diese Anschauungen müßten aus K. Z. V.-Kreisen verschwinden, wenn das K.Z. V. mit dem B.j C zum Frieden gelangen wolle. Der B.J.C seinerseits sei aufrichtig vom Wunsche, zur Einigung mit dem K. Z* V. zu gelangen, erfüllt und unterbreite diesem zum Zwecke der radikalen Verhütung von Streitigkeiten zwischen den Kartellen und Korporationen folgende Anträge : Es wird ein ständiger, aus je zwei Mitgliedern der beiden Präsidien und einem Unparteiischen «bestehender Seniorenkonvent eingesetzt, der die Aufgabe hait, alle Streitigkeiten zwischen den beiden Kartellen zu schlichten, alle Fragen gemeinsamen Interesses zu beraten, Ziele gemeinsamer Arbeit zu finden und die gesellschaftliche Annäherung der Mitglieder des B.J. C; und K. Z. V, fördern. Dieser Seniorenrat soll alle 4 Wochen zusammentrete^ in engster Fühlung mit den Präsidien der beiden Kartelle bleiben und in den Universitätsstädten durch Korporationsausschüsse aus Mitgliedern der an dem betr. Ort bestehenden B.J.C- und K.Z.V.-Korjpcration ergänzt werden. Deren spezielle Aufgabe soll es sein, aiie rein-studentischen Streitigkeiten der Korporationen zu einem friedlichen Ausgleich zu bringen. An die beiden Referate schloß sich eine ausgedehnte Debatte, m der sich fast alle Anwesenden beteiligten und die sich hauptsächlich mit den Fällen E.xine r-Gerson und der im Zusammenhang damit entstandenen Affäre Kaiser-David söhn beschäftigte. Stellenweise nahm diese Aussprache einen außerordentlich erregten Verlauf; so z. B, als Herr Dr. Wunde rlich den Unterschied zwischen K. Z, V. und B. J. C. dahin definierte, dieses erziehe zu geschickten, jenes zu!auteren (!) Zionisten;, und Hirsch und Blumenfeld in größter Erregung über diese Invektive den Saal zu verlassen drohten. Vielleicht aber hat gerade dieses heftige Aufeinanderprallen der Gegensätze, dieses rücksichtslose Aussprechen der Anschauungen über einander den große?* Erfolg gezeitigt, den wir zu verzeichnen haben- Nachdem nämlich im Laufe der Diskussion Herr K a i s e r die beleidigenden Ausdrücke eines an Davidsohn gerichteten Briefes auf Grund einer Interpretation Davidsohns über seinen j. St-Artikel zu den Fällen Exiner-Gerson um Di\ Rosenberg im-Namen des K. Z.V. die Klage gegen Stein zurückgeno?nmen und Zloctsti in später Nachtstunde das Ergebnis der Konferenz dahin gedeutet hatte, daß das Ziel der Arbeit von B j. C. und K. V, das jetzt im Interesse des deutschen Zionismus noch nicht angängige, gemeinsame Kartell sein müsse, wurden die vom Präsidium des B.J.C. gestellten Anträge einstimmig angenommen. Herlitz Der in der vorstehend geschilderten Sitzung beschlossene Schiedsrat (Seniorenkonvent) ist inzwischen zusammengetreten. Ihm gehören von unserer Seite Hirsch und Biteski, von den K> Z. V.-em Dr, Krojanker und Hans Bloch an. Seine-Zuständigkeit umfaßt einmal die gütliche Erledigung der Differenzen und Konflikte, aber auch die Schaffung gemeinsamer Arbeitsmög-hchkeiten, die Ermöglichung gemeinsamen Vorgehens bei gemeinsamen . Aufgaben. Bereits in der nächsten Nummer werden wir einige konkrete Beschlüsse mitteilen können. Hirsch