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Der jüdische Student · 1919-12-01 · Heft 8 (Dezember 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 8 (Dezember 1919)
Date
1919-12-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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362 Lachmann, Zur Ringfrage Wir wollen dem Präsidium auf diesem Wege nicht folgen. Wir wollen nur mit aller Ruhe und Bestimmtheit das Entscheidende sagen. Für uns ist die Ringbildung nicht eine Sache des Stunks und der Partei, für uns ist sie eine eben solche sittliche und politische Notwendigkeit, wie es nur je eine Ueberzeugung gewesen ist. Darum ist uns der Standpunkt des Präsidiums unverständlich. Gegen Ueb er Zeugungen kämpft man nicht mit Verwaltungsmaßregeln und nicht mit Anzweiflung der Ehre. Ganz besonders darf eine jüdische, akademische Gemeinschaft nicht irgendwie gegen eine Ueberzeugung kämpfen wollen, die die Gegenwirkung einer von derselben Organisation zugelassenen entgegengesetzten Anschauung ist, deren Konsequenzen wir von Anfang an vorausgesetzt haben. Für uns ist die Ringbildung aus folgender Ursache eine historische Notwendigkeit, bei der es ganz gleichgültig ist, ob sie sich sofort oder allmählich durchsetzt. Das jüdische Volk hat die Kraft, staatsbiidend zu wirken, verloren. Es wird diese Kraft in nächster Zeit ganz schnell entwickeln müssen. Seine Söhne sind in der Mehrheit eigensüchtig und nicht fähig, eine politische, also nicht persönliche Arbeit, ohne zu ermüden und abzufallen, in jahrelanger Tätigkeit restlos durchzuführen. Sie sind sogar nur notdürftig politisch zu interessieren. Die Akademiker müssen den Zement bilden, der die harten Steine zusammengefügt. In der gleichen Zeit ist die Arbeit der beruflichen Umschichtung zu lösen und denjenigen Raum zu geben, die unter bewußter Abkehr von politischer Tätigkeit V erinner lichung in den Vordergrund stellen. Ueber die Berechtigung beider. Richtungen ist nicht zu diskutieren. Wie sie sich nebeneinander entwickeln, so daß sie sich nicht stören, das ist die Frage. Es ist eine Frage der Einsicht, der Erfahrung, der Ueberzeugung. Wer sie lösen will, indem er den anderen mundtot macht, erbringt den Befähigungsnachweis für seine mangelnde Eignung zur Leitung der Geschäfte. Wer sie lösen will, indem er den brodelnden Most mit der Aufschrift versieht: „Einigkeit des Kartells", kann ohne Mitwirkung des Schiedsmannes nicht ausreichend charakterisiert werden. Die Gründe, mit denen man bisher sich das Recht zu geben versuchte, um die Frage herumzukommen, kennen wir; sie haben uns überzeugt, daß sachliche Gründe gegen unseren Standpunkt nicht bestehen. Wenn wir die feindseligen Juden einengen wollen, müssen wir ganz eng verbunden sein. Dazu gehört in erster Linie Einigkeit über unsere täglichen und historischen Aufgaben. Darum setzt Bundesbrüderlichkeit Ringbildung voraus. Wir bringen zum Kartelltag unsere tiefe Ueberzeugung und Arbeitsfreude mit. Nichts kann uns schrecken. Breslau Lachmann In meinem Artikel über die Keilaroeit im vorigen Heft des „J. St." hat an einer wesentlichen Stelle ein Druckfehler den Sinn entstellt. Es heißt auf Seite 304 unter 3: „Demgegenüber betone ich, daß ich nur den Blau^Weiß und die Turnerschaft als Keilinstitute des K.J.V. betrachtet habe . . . ." Es soll, wie aus dem Sinn der folgenden Ausführungen hervorgeht, natürlich statt „nur" „nie" heißen. Arthur Stein

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