Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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360 Toeplitz, Zur Ringfrage form in der zionistischen Parteibuchhandhmg finden kann. Und da diese Theorien sehr 'geistvoll sind, glaubt der arme Teufel sie und wird Zionist. Damit kommt Unruhe in sein Lebensgleichgewicht. Jüdische Kräfte werden enweckt und gesteigert, aber es sind auch jüdische Bedürfnisse groß geworden. Er möchte wieder Konsequenz. Jüdische Kultur ohne jüdisches Wirtschaftsleben erscheint ihm ' Halbheit. Und die offizielle Stelle, die die Kräfte rief, sie schweigt. Wenn Kommunisten einen Putsch machen, dann sagen die Unabhängigen, sie hätten dazu nicht aufgefordert, sie seien nicht schuld daran. Trotzdem liegt in ihren Theorien, in ihren Worten und Reden dauernd eine versteckte Aufforderung. Nachher aber sind sie es nicht gewesen, und eigentlich gesagt haben sie es auch nie. Wenn so bei uns die Kluft immer tiefer gespalten wird und man den Riß, der durch uns geht, uns erst recht tief empfinden läßt und wenn dann der Ruf vom jüdischen Palästina erschallt, muß dann nicht der Wunsch laut wenden, nunmehr .wirklich Ernst zu machen? Da ist aber noch tiefe Stille im zionistischen Blätterwald. Nur vereinzelt dringt der Ruf der Chahizim zu uns, und Zittern geht durch die Glieder bejahrter Führer ob verfrühter Aufbruchstimmung. Wie aber stellt sich das Kartell zu diesen brennenden Fragen? Auf dem ersten Kartelltage nach dem Kriege wurde die Palästinafrage behandelt; man sollte meinen, der zweite würde die Fortschritte und praktischen Möglichkeiten oder wenigstens Forderungen in den Mittelpunkt des Programms stellen. Davon ist aber nichts zu finden, und statt dessen stehen im Mittelpunkt des Interesses Fragen, die uns nutzlos Kraft und Mut rauben, durch deren Lösung wir aber auf keinen Fall die Führung in der jüdischen Jugendbewegung wiedergewinnen. Mit Phrasen allein ist es nicht getan. Es handelt sich um Dinge der Praxis. Zuerst einmal Palästina. Das Präsidium kann und muß in Einvernehmen mit dem Zentralbureau feststellen, ob und in welchen Berufen möglichst viele Bundesbrüder nach Palästina gehen können und welcher Vorbereitung sie zu ihrer Einstelluntg bedürfen. Das darf das K. J.V. nicht von seinen Schultern auf das Arbeitsamt oder die zionistische Organisation abwälzen. Aber noch mehr läßt sich tun. Auch die jüdischen Zentren des Galuth sind geeignet, uns ein Arbeitsfeld zu sein. Dorthin zu kommen, ist -aber dem Einzelnen nur möglich, wenn eine entsprechende Organisation ihm den Weg weist. Eine große Erleichterung würde es für uns bedeuten, wenn wir -als Gruppen von ßundesbrüdern in akademischen 'Settlements zusammen hinauszögen dahin, wo wir als Juden in unserem Beruf gebraucht werden können, und es muß solche Gegenden noch geben. Wir können doch nicht alle Parteisekretäre werden, und außerdem ist selbst zionistische Parteiarbeit in und außerhalb des Berufes noch nicht immer befriedigende jüdische Leistung. In jüdischen Zentren aber kann eine solche geschaffen werden, und unser Verbindungsleben kann als Vorbereitung für derartig praktische jüdische Arbeit einen neuen Antrieb erhalten, der das Kartell wieder an die Spitze der jüdischen Jugendorganisationen stellt. In Betracht kommen für uns die Nachbarländer Palästinas sowie Litauen und Kurland, die Ukraine und Polen, sobald die Verhältnisse dort einigermaßen geklärt sein werden. Nur muß eine Organisation diese Konzentrierung der Juden chuz laarez tibernehmen und damit gleichsam die Verpflichtungen lösen, die sie übernahm* als sie uns zu unserem -Volk zurückrief. Es sei dabei erwähnt, daß mit einer solchen Organisation, die uns Arbeitsmeglichkeiten schafft, auch gleichzeitig für andere Fragen eine Lösung bereitet wind, so avm Beispiel für das Problem der Fr-ühehe, -Fragen, die so dringend sind, daß das Kartell nicht ruhig zusehen kann, .sondern leiten und helfen muß. Die bisherigen Arbeitsvermittlungen -haben nicht genügt, da sie nicht suchen, sondern alles an sich herantreten lassen.