Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Die Erstchargiertentagung sam Tennis gespielt haben. Man kann beides tun und an Wert gewinnen, und man muß beides tun, nicht etwa mit Rücksicht auf die Propaganda, weil wir sonst keinen frischen Jungen mehr bekommen könnten, sondern aus inneren Gründen, weil wir Schulen, bestenfalls Seminare produzieren, aber keine Jugendgemeinschaft mehr darstellen wünden. Jedoch verbietet es der Charakter dieser Feste, bezüglich der Teilnahme einen Zwang ausüben zu wollen. Es wird Sache eines seinen Aufgabenkreis weitziehenden Ertziehutiigsressorts sein, hier Anregungen zu geben, wenn auch die Natur dieser Dinge jede Mechanisierung ausschließt. Viele Bundesbrüder verzweifeln an dem Glauben, daß sich im Kartell wieder ein geselliges Leben gestalten wird, in der Meinung, daß das Kartell hierfür zahlenmäßig ziu stark wachse. Früher war man eine kleine Zahl, man wußte, daß man zu der einzig vorhandenen zionistischen Kämpferschar gehörte, weder ältere noch jüngere Generationen iwaren vorhanden, die einem das Gefühl gegeben hätten, man löse andere auf ihrem Posten ab, und man werde wieder abgelöst, ieder kannte den Andern, der Zuwachs war so gering, daß jeder neue Name im Gedächtnis haften blieb, dm J. St. machte man den Gang jedes Bunldesbruders von der Aktivmeldung bis zur Ernennung zum \.H., vom Beginn des Studiums bis zur Niederlassung mit, heute ist all dies unmöglich. Der Unterschied ist der (zwischen einem Dorf und einer Großstadt. Jeder wird es auf dem Dorf gemütlicher finden und will doch *n der Stadt leben. Ueber der Freude an dem Wachstum des Kartells würde man kleine Unbequemlichkeiten hinnehmen müssen. Aber auch diese sind im Schwinden begriffen, die Unsicherheit der Bundesbrüder in der Frage der Formen wind überwunden, es bilden sich der Stimmung 'angemessene Geselligkeitsformen, die Gegensätze gleichen sich aus, die durch das Ausfallen der verbindenden Gegensätze zwischen den Alten und den Jungen entstandene Lücke wird ausgefüllt, indem die neuen, im Kartell und in gemeinsamer Arbeit erzogenen Bundesbrüder die Träger des Verbindungsieb en's werden. Das {jefühl des einheitlichen Geistes im Kartell und die Freude am Kartell ist — die Chargiertentagung beweist es — in einem Maße gestärkt, wie es selbst die Optimisten nicht zu hoffen wagten. Mit dem Anwachsen der Verbindungen und Bezirksverbänide wenden diese einen Teil der Aufgaben übernehmen können und müssen, die früher bei dem geringen Umfange dem Kartell oblagen. Die Pflege des geselligen Lebens ist von selbst auf einen kleinen Kreis zurückgeführt. Das Fluktuieren der Aktiven zwischen den einzelnen Verbindungen wird Abschließungen voneinander zu verhindern haben. Denn dies ist zu betonen: die Abschließung in geselliger Beziehung führt zur Abspaltung in den Zielen, zu jener traurigen Erscheinung, die in Berlin reich illustriert wird, daß die Bundesbrüder einander nicht verstehen. Aus diesen und anderen Gründen sind die Bundesbrüder für uns unbrauchbar, die bei irgend einer Gelegenheit durch Auferlegung eines Konventsgeheimnisses gegenüber anderen K. J. V.-ern eine bestimmte Gruppierung herbeizuführen suchen. (Nebenbei sei darauf hingewiesen, - wie störend das Herumtragen unbegründeter Gerüchte über das Verhalten von Verbindungen oder von einzelnen Bunidesbrüdern lauf unser Zusammenleben .wirkt.) Aus denselben Gründen ist auch ohne Rücksicht zu fordern, daß sämtliche Aktiven, mögen sie auch sonst in Arbeitsgruppen tätig sein, an dem geselligen Leben der Verbindung ungekürzten Anteil nehmen müssen.