Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Stein, Disziplin und Formen 357 izieht. Die Jungen können aus ihm lernen, soweit in ihm Regeln enthalten sind, welche zur Anfrechterhaltung der allgemeinen Ordnung und aus allgemeinen Anstanidsgrüniden (z. B. andh in jeder nichtstudentischen Gesell- ■schaft) erforderlich sind. Z. B. wird nicht auf einmal die Hälfte der Korona aufstehen und das Lokal verlassen dürfen; es wind nach wie vor m. rügen sein, w,enn die Liederbücher offen auf den Tischen herumliegen, weil dies unordentlich aussieht und -die Bücher dabei (zerrissen werden; es wird durchaus darauf zu achten sein, .daß jeder Bundesbruder in seiner körperlichen Haltung sich so benimmt, wie man es im Zusammensein unter erwachsenen Menschen für notwendig hält, oisiw. Pünktlicher Beginn dieser wie aller Veranstaltungenist eine unerläßlichte Vorbedingung. Dabei ist aufs dringlichste zu raten, sowohl die Kneipen, wie andere gesellige Veranstaltungen nicht zu lange auszudehnen; einte Kneipe, die. weil sie zunächst sehr gut verläuft, zu lange ausgedehnt wird, versandet gewöhnlidh im Stumpfsinn. Man muß (den Mut haben, gute Veranstaltungen abzubrechen, bevor sich das Niveau senkt. Diese Art der Kneipen wird man anch zum Auftreten nach außen neben "den Versammlungen und Festkonventen, als Antrittsunld Schlußkneipe und als Kedlkmeipe, als Bowlenkneipe (möglichst außerhalb der Stadt) nicht entbenren können. Die Debatte darüber, ob der Genuß eines Glases Wein unjüdisch oder unmodern sei, ist erleidigt, sobald der Trinkzwang und das -Straftrinken fortfällt — und der „Stoff" gut ist. Die Fülle der Veranstaltungen und andere Erwägungen verbieten es, Kneipen in zu kurzen Abständen, womöglich in ieder Woche, abzuhalten. Für Veranstaltungen aller Art gilt der erste Grundsatz, daß sie vom 'Anfanig bis;zu Ende gut vorbereitet sein müssen. Wenn man mehrere 'Möglichkeiten der Wdterentwiokelung einer Veranstaltung vor sich hat, muß man jede Möglichkeit bis zum Ende vorbereiten. Es ist grundfalsch, den Fortgang der Veranstaltung selbst zu überlassen. Für alle Veranstaltungen müssen, falls sie nicht von den Chargierten vorbereitet werden, bestimmte Biundesbrüder verantwortlich .zeichnen unld mit der besonderen Durchführung betraut sein. •Neben diesem sozusagen offiziell geselligen Leben ist die Teilnahme!der Biunidesbrüder an dem gegenseitigen familiären Verkehr und an dem näuslichen Leben «der Alten Herren -aus Gründen der Erziehung und der Pflege gemütlicher Werte eine dringende Notwendigkeit. Verkehrt ist es, bei allen Veranstaltungen mit der Sonde zu untersuchen, was daran jüdisch und nichtjüdisch sei. Wenn man es aber tut, muß man mit gleichem Maße messen. Wer die Kneipe als unjüdisch ver- 'dament, darf nicht eine Sonnenwendfeier als Ausdruck des Chanukaf estes ehren. (Entsprechendes wäre über das Tragen des Zipfels und der Biau- Weiß-Nadel zu sagen.) Im höchsten Grade ist les bedauerlich, daß bei lins die jüdischen Feste nicht im Verbindungsleiben ihren Ausdruck finden. Ich nenne nur die Purim- und Ghaniükahfeier, das Simchath-Thorah-Fest, den gemeinsamen Söder, das gemeinsame Essen in der Sukkoh, die Gedenktage des Schebuothfestes, des Tischo-Beaw usw. usw., um festzustellen, daß hier ein unübersehbarer Schatz an jüdischen Anregungen and ihenschMchen Gemütswerten ruht, dessen Hebung für unser Gemeinschaftsleben bisher an der Bequemlichkeit, dem Mangel an Initiative gescheitert ist. Unser Zusammensein gestaltet sich von selbst jüdisch. Das lc-rampfhafte Suchen nach jüdischen Ausdrucksformen bringt uns nicht weiter. Die Kenntnis der jüdischen Dinge und die Beschäftigung mit ihnen wild von selbst auch den geselligen Veranstaltungen die jüdische Note immer mehr aufdrücken. Dabei muß ein Ausgleich zwischen dem Streben nach Kenntnissen, dem Bedürfnis nach geselligem Leben und der Notwendigkeit sportlicher Betätigung gefunden werden. Es ist oft zu Zwistigkeiten -zwischen den Bundesbrüdern, die hebräisch lernen, und denen gekommen, die z. B. gern Tennis spielen. Eigentlich ist nicht einzusehen, warum die Bundesbrüder nicht zuerst hebräisch gelernt und dann gemein-