Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Die Erstchargiertentagung für die Antrittskneipen. Sind derartige Veranstaltungen nur auf den Krei* der Bimdesbrüder und einiger uns schon nahestehender Keilfüxe beschränkt, so wird man auf den Tendenzvortrag verzichten. Der oft gemachte Versuch, derartige Veranstaltungen in kleinem Umfange alle* acht bis vierzehn Tage abzuhalten, muß scheitern, weil die Veranstaldie Veranstaltungen alsdann keinen (Reiz mehr bieten. Mehr als. zwei derartige Veranstaltungen wird man in jedem Jahr kaum abhalten können. 3) Einen großen Raum in dem Geselligkeitsleben muß das Zusammensein in der freien Natur haben. Ich nenne zunächst Wanderungen, die art jedem Sonntag sowie regelmäßig in den Ferien stattfinden müßten. Ueber die Durchführung dieser Wanderungen in technischer Beziehung wird es heute nicht mehr nötig sein, Besonderes zu sagen. Es wäre ein bedeutender Anreiz, wenn auf solchen Wanderungen in jedem Semester sich zwei oder drei Nachbarverbindungen an einem dritten Ort treffen (und an diesem Ort gleichzeitig neben internen Veranstaltungen z. B. eine Art Festkonvent für die Außenstehenden machten. 'Wir hätten damit ein Mittel,, um an Orten, an denen keine Universität ist, wirksam an die O Öffentlichkeit zu treten.). Auch der Besuch der Verbindungen untereinander, evtl. bei Gelegenheit größerer Wanderungen, müßte gepflegt werden. In diesem Sinne sind auch die in letzter Zeit im Aufschwung begriffenen Tagungen der Bezirksverbände ein erfreulicher Anlaß zu interner Aussprache, zur Verstärkung der Werbearbeit und zur Abhaltung geselliger Veranstaltungen. Einen wesentlichen Teil des Geselligbeitslebens wird der Turn- und Sportbetrieb auf sich nehmen können. Es ist aber dabei zu dcachten, daß sowohl das Turnen, wie z. B. das leichtathletische Training, bei allem Wert und aller Notwendigkeit ihrer Pflege keine rein geselligen Veranstaltungen sind. Außer dem Rudern kommen hier vor allen Dingen das Schwimmen* besonders in Naturbadeanstalten, und der Wintersport in Frage, sowie die sogenannten volkstümlichen Turnspiele, der Waldlauf u. a. Im einzelnen wird das Turnressort Richtlinien geben und die Tätigkeit überwachen. Selbst wenn alle diese Veranstaltungen aufs Beste gepflegt werden, wird man nicht um die Feststellung herumkönnen, daß eine Veranstaltung, wie sie früher die Kneipe war, unter den Veranstaltungen im geschlossenen Räume fehlt und durch die neuerdings mit bestem Erfolg eingeführten und weiter ,zu pflegenden Teeabende (an Einzeltischen) nicht ganz ersetzt wird. Ich bin der Ansicht, daß eine der Kneipe ähnliche Veranstaltung durchaus notwendig ist, die ich in Ermangelung eines anderen Wortes ebenfalls als Kneipe bezeichnen will, obwohl sie mit dem Kneipenwesen nichts mehr gemeinsam hat. Ich glaube allerdings, daß die berechtigte Abneigung gegen die Kneipen nicht nur daher rührt, weil die Form überlebt ist, sondern auch daher, weil das Getränk, das man heute vorgesetzt bekommt, nicht mehr genießbar oder, wenn es genießbar ist, nicht mehr zu bezahlen ist. Für die Abhaltung der Kneipen war früher der Komment maßgebend» Komment ist die Zusammenfassung der Regeln, welche die Ordnung bei der Veranstaltung erhalten und die jungen Teilnehmer zu einer gewissen Haltung erziehen und gleichzeitig den allgemein herrschenden Stumpfsina verdecken sollen. Mit Hilfe dieser Regeln ist es auch dem Dümmsten möglich, durch Spinnen und Spinnenlassen mehrstündige Veranstaltungen Zug zu halten. Wenn wir auf den Komment verzichten, so tun wir dies im Vertrauen darauf, daß unsere Leute mit der Zeit genügend Talente in sich entdecken werden, um sich auf geistvolle und heitere Art zu unterhalten. Auch hierbei ist es nicht das Ideal, wie wir es oft haben, daß ein talentierter Bundesbruder gewissermaßen als Kabarettkünstler die gesamte Korona unterhält, sondern es ist durchaus wünschenswert, daß die Korona sich an ihrer eigenen Unterhaltung beteiligt. Der Komment ist für; uns erledigt, soweit er sich auf den Trinkzwang und das Straftrinken be-