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Der jüdische Student · 1919-12-01 · Heft 8 (Dezember 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 8 (Dezember 1919)
Date
1919-12-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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Stein, Disziplin und Formen 355 Das Verhalten des Einzelnen muß sich in bestimmten Formen vofi- ^ieheri. Man mag selbst von dem falschen Standpunkt ausgehen, daß es sich hierbei nur um Aeußerlichkeiten handelt, so wird man bei einiger Erfahrung mit aller Bestimmtheit feststellen können, daß die Nichtbeachtung dieser Aeußerlichkeiten unser Zusammenleben in einer unerträglichen Weise belastet und letzten Endes unmöglich macht. Unsere jungen Leute müssen ein Gefühl dafür haben, daß Schillerkragen und Nagel- Stiefel in einer feierlichen Versammlung mindestens ebenso stören, wie der Wichs viele der Jüngeren gestört hat. Man muß ein Qefühl dafür haben, «daß bei festlichen Gelegenheiten die Kleidung der Teilnehmer ebenso wie die Ausstattung «des Raumes die Stimmung beeinflußt. Soweit «s sich in diesen Dingen und bei dein unerzogenen Benehmen Aelteren gegenüber um eine bewußte Ablehnung unserer Gesellschaftsformen und eine Verknüpfung dieser Fragen z. B. mit falsch verstandenem Sozialismus u. dergl. handelt, ist jedenfalls diejenige Art der Aeußerlichkeit übler, bei welcher man auf möglichst schlechtes Benehmen bedacht ist. Gepflegte Kleidung und gerade Körperhaltung, bewußte Körperpflege sind nicht unter allen Umständen die Zeichen einer muffigen Gesinnung. In der Erziehung des Einzelnen ist alles zu beseitigen, was auf die Dressur der Korps hinauslaufen würde. Wir haben alles erreicht, was w*r erreichen wollen, wenn wir unseren jungen Aktiven das beibringen, was ein gutes Elternhaus seinen Kindern ohnehin beibringen müßte. Es wird jeder zugeben, daß auch bei diesem Programm bei den meisten noch Einiges zu tun übrig bleibt. Das Auftreten der Gesamtheit muß sich ebenfalls in bestimmten Formen vollziehen; ohne festgelegte Geselligkeitsformen ist eine Gesellschaft nicht möglich. Es ist festzustellen, daß zwar viele die alten Formen für überwunden halten, aber daß noch niemand den Weg zu neuen Formen gewiesen hat. Das Problem ist mit den Wanderungen und manchen für Halberwachsene und Jugendliche passenden Veranstaltungen nicht gelöst, denn die Schwierigkeit besteht ja gerade bei dem Zusammensein Erwachsener in geschlossenen Räumen. IV. Ich will im Folgenden skizzieren, welche Veranstaltungen in einem Semester stattfinden könnten, und dabei auch Veranstaltungen ei wähnen, die nicht der /Geselligkeit, sondern z. B. auch der Propaganda dienen, andererseits aber alle Veranstaltungen auslassen, die sich auf einen Unterrichtszweck richten. 1) Es können im Semester etwa zwei, bei Wählkämpfen noch mehr, große Studentenversammlungen abgehalten werden, am besten nach vorheriger Erlaubnis in einem Universitätssaal. Das Thema ist aus aktuellen Anlässen zu nehmen. Die Versammlung ist an geeigneten Orten durch große Plakate in auffallender, aber nicht geschmackloser Weise bekannt zu machen. An zweckentsprechend ausgewählte Verbindungen ergehen Einladungen. Ein geschickter Bundesbruder hält im Zusammenhang tmit den aktuellen Vorgängen ein Referat, zwei weitere geeignete Leute und der Hauptredner werden für das Eingreifen in die Debatte bestimmt. Selbständiges Vorgehen jüngerer Bundesbrüder ist zu verhindern. (Es ist z. B. vorgekommen, daß unsere Leute die eigenen Redner durch gutgemeinte Zwischenrufe aufs Empfindlichste gestört haben.) Es empfiehlt sich, Karten zur Unterschrift für Interessenten aufzulegen und die Unterschreibenden später zu kleinen Versammlungen, die nur für Geladene offen sind, einzuladen. Diese kleinen Versammlungen müssen nach einem Referat zu einer Diskussion führen, die im ganzen intimer gehalten sein wird, als es in den großen Versammlungen möglich ist. 2) Veranstaltung von Festkonventen, etwa in der Form: eine musikalische Darbietung, ein literarischer Vortrag, ein Tendenzvortrag in festlicher Form, zum Abschluß geeignete Vorlesungen oder musikalische Darbietungen. Solche Festkonvente erscheinen besonders geeignet, zur Einladung von Außenstehenden, z. B. Gemeindevorständen usw. als Ersatz

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