Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Die Erstchargiertentagung Ftixen die Kenntnis von Geschichte und Theorie des Zionismus zu vermitteln, so bleibt dem K. J. V.-Unterricht das Z«el vorbehalten, die jüngsten Bundesbrüder in unsere Gemeinschaft einzugliedern. In der gemeinschaftlichen Besprechung — und nur die Form der Besprechung, nicht des einjse tigen Unterrichtens, scheint mir auf diesem Gebiet allein angezeigt — darf natürlich kein Gesinnungszwang ausgeübt werden, aber eine gemeinsame Grundlage der Auffassungen ist zu wünschen, denn nur auf ihr erwächst die Bundesbrüderlichkeit, die sich im übrigen von persönlichen Beziehungen nährt. Solch ein Unterricht, der die persönlichen Bindungen zu unserer Gemeinschaft, wie sie ist und wie sie geworden ist, fest knüpfen soll und dessen bester Erfolg es sein kann, die allem Großen offene Stimmung und die bundesbrüderliche Atmosphäre zu schaffen, kann nicht schematisiert und nicht systematisiert werden. Hier kommt alles auf die Individualität des Lehrers an, am besten eines älteren Bundesbruders, der das Vertrauen der Aktivitas und engen Zusammenhang mit den Jüngsten hat. Ein Bild davon, wie man sich solchen Unterricht vorstellen kann, soll hier an einem Beispiel gegeben werden, das in kurzen Schlagworten einige Problemkomplexe andeutet, die in diesem Winter in zwei Berliner Verbindungen, des Maccabaea und dem Ruder-V. J. St., besprochen werden sollen. Natürlich sind dabei nie die Tatsachen wichtig, sondern lediglich die innere Bedeutung, die sie für uns als Individuen oder als Gemeinschaft besitzen. Solche Problemkomplexe, deren Anordnung hier nicht systematisch, sondern aus praktischen Gründen getroffen ist, wären also etwa folgende: 1. Fuxenunterricht und die Aufgabe des K. J. V.-Unterrichts. Die Aufgabe des K. J V. in der zionistischen Bewegung. Erziehungs- und Lebensgemeinschaft. 2. Aufbau der Corpo ation, Bedeutung von Fuxentum und Leibverhältnis, Corporationsdisziplin. 3. Geschichte und Organisation des Kat teils. 4. Kartelldisziplin, Einheit des Kartells, Strömungen im Kartell. 5. Propaganda, K. J V und andere Studentenorganisationen. Einige Formen: Satisfaktion, Kneipen, Aeußere Haltung 6. Deutsche Jugendbewegung, Wandervogel. Wyneken, Blüher Jüdische Jugendbewegung, Blau-Weiß, Turnerschaft, Volksheim, Hapoel hazair. 7. Individualismus, Persönlichkeitsideal, Staatsbürgertum, unsere Stellung zur Außenarbeit. 8. Erziehungsmittel: Die Disziplin und ihre Mittel, Bundesbrüderlichkeit, Gemeinschaft, Sport, Wandern. 9. K. J. V. und Familie, Formen des jüdischen Lebens, Hebräisch, die zionistische Familie. 10. D*e jüdische Frau. Sexualproblem. 11. Der K. J. V.-er im deutschen Kultur- und Wirtschaftsleben und in deutscher Politik, K. J.V. und Beruf, Berufsumschichtung.;12. Die Bedeutung des K. J. V. für die Erziehung zur neuen jüdischen Gemeinschaft, K. J. V. und Ostjuden, Uebersiedlung, Galuth und Palästina. Die Kunst wird also daiin bestehen, sich auf das jeweils Notwendige -cund Wichtige zu beschränken. Es kommt nicht auf die Masse des Gebotenen, sondern auf die Geschlossenheit der Anschauung an. Ob der Stoff dieses Unterrichts auch der Burschenprüfung unterliegen soll, erscheint zunächst fraglich. Sicherlich kann das rein Wissensmäßige, Organisation und Geschichte der Verbindung und des Kartells, Organisation der jüdischen Jugendbewegung usw. auch im Examen abgefragt werden; im übrigen handelt es sich darum, ob die Frage, wie weit sich der betreffende~ Bundesbruder mit den erwähnten Problemen erfolgreich beschäftigt hat, -vom Cpnvent bei der Zulassung oder von der Prüfungskommission entschieden werden soll. Es empfiehlt sich, die Prüfungskommission ein Wort Mitsprechen zn lassen, da sie am ehesten nacheiner Tauch in W