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Der jüdische Student · 1919-12-01 · Heft 8 (Dezember 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 8 (Dezember 1919)
Date
1919-12-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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Perl, Kommentunterricht 353 Unterhaltung abgehaltenen Prüfung ein klareres und präziseres Urteil abgeben kann. Natürlich kann es dabei nicht darauf ankommen, welche Ansckauung nun zu Tage gefördert, sondern wie sie begründet wird. Vorläufig erscheint es mir erstrebenswert, den K. J.V.-Unterricht nur für erste Semester, anzusetzen, damit das zweite Semester Zeit findet für die Beschäftigung mit allgemeineren Aufgaben. Ob es aber möglich sein wird, so umfangreiche Themen in so kurzer Zeit nutzbringend und mit erfreulichem Erfolg zu besprechen, ohne dem drohenden Fehler der Oberflächlichkeit zu verfallen, das soll uns erst der Versuch lehren. Bruno Perl Disziplin und Formen*) Die HauptschiWierigkeiten in unserem Korporationsleben bestehen darin, daß wir seit dem Kriege kein geregeltes Geselligkeitsleben mehr haben. Wenn diese Tatsache auch zu einem erheblichen Teile auf Kriegserscheinungen zurückzuführen ist, so rührt diese Erscheinung doch zum Teil auch daher, daß die alten Formen als überlebt abgeschafft worden sind, ohne daß man dafür neue gefunden hätte. Dieses Problem besteht nicht nur bei uns, sondern auch in allen Couleurkorporationen, und dort sogar in einem viel stärkeren Maße, weil ja deren ganzes Leben ausschließlich iauf den als überlebt empfundenen Formen beruht. Die Frage ist für uns wichtig, ja eine Existenzfrage, weil die Erreichung bestimmter Ziele oder die Beibringung eines Wissensstoffes allein keinen Reiz zum engen Zusammenbleiben und Zusammenleben so vieler Menschen in sich--1 bergen. Das Leben ist nicht nur auf Tendenz und auf Wissen eingestellt, sondern auf das, was man früher unter Gemütlichkeit im urspranglichen Sinne, später unter Geselligkeit und jetzt unter Gemeinschaftsleben versteht. Die Schwierigkeiten sind größer als früher, weil es bis zum Krieg eben für jede Veranstaltung und für jeden Fall ein bestimmtes Schema gab, nach welchem sich auch der Unbegabte richten konnte, während heute die Durchführung tatsächlich von Persönlichkeiten abhängt, die zur Leitung und zu selbständigem Handeln befähigt sind. Ans diesem Grunde kann auch heute nichts mehr gegeben werden, was dem alten Komment gleichkäme. Immerhin ist es möglich, allgemein gehaltene und durchschnittlich zutreffende Richtlinien aufzustellen. I. Unbedingtes Erfordernis für jedes Gemeinschaftsleben ist die Einhaltung der Disziplin. Sie ist ein wirksames Mittel der Erziehung zur persönlichen Zurückhaltung und zur Einordnung unter höhere Zwecke und in größere Gemeinschaften, sie ist aber auch zur Aufrechterhaltung des Verkehrs unter einer größeren Anzahl von Menschen die absolut notwendige Grundlage (eine Tendenzkorporation muß immer auf eine große Anzahl von Mitgliedern rechnen). Ebenso ist sie die wesentliche Voraussetzung für jedes Auftreten nach außen. Sie ist frei von jedem Militarismus und von aller Mechanisierung durchzuführen, aber doch mit Energie. Heute wie früher wird es nötig sein, daß alle Aktiven zu jeder Veranstaltung vollzählig und pünktlich erscheinen, daß sie streng zur Durchführung ihrer Verpflichtungen angehalten werden, daß sie bei dringenden Hindernissen vorher Dispens erbitten und daß sie den Anordnungen der Verbindungsbeamten Folge leisten. Auch freie Geister haben, sobald sie selbst in die Praxis gestellt waren, eingesehen, daß bei einer so großen Zahl von Menschen zur Aufrechterhaltung der Disziplin auf Pönierungen nicht verzichtet werden kann, wenn auch jedem als Ideal vorschweben mag, daß *) Das Referat ist hier mit Rücksicht auf die Ausdehnung des Stoffen in 'einzelnen Teilen nur in einer erweiterten Disposition wieder gegeben«

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