Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Buchholz, Erziehung und Unterricht 349 a) Theorie des Zionismus und Geschichte. Dieser Abschnitt .umfaßt das, was man die „TendenzfuxenfS: t n n d e" zu nennen pflegte. Es wird hier der Zionismus und seine Ge- -schichte entwickelt, bisweilen wird hier auch ein Ueberblick über die gesamte jüdische Geschichte zu geben versucht. Da Zionismus eine lebendige Sache ist, so gibt es natürlich kein einzelnes feststehendes System, nach -dem man immerfort einfach unterrichten könnte. Man kann aber doch wohl zweierlei Arten des Unterrichts unterscheiden. Entweder wird der Unterricht in mehr systematischer Form gegeben oder in mehr historischer. Das heißt, es wird entweder systematisch vom allgemeinen Begriff des 'Nationalismus und seiner Antithese, dem Kosmopolitismus, ausgehend die zionistische Theorie entwickelt und bei diesem systematischen UeberbÜck .dann auf die verschiedenen Vertreter der einzelnen Ansichten hingewiesen. .Oder aber man geht von diesen einzelnen Vertretern der Ansichten aus, beginnt etwa mit Moses Heß und Moses Mendelssohn, spricht dann von Samson Raphael Hirsch, Pinsker, Achad Haam usw. und entwickelt mit Hilfe ihrer die zionistische Theorie und ihre Geschichte. Es wird im allgemeinen vorteilhaft sein, Menschen, die ganz unbeeinflußt zu uns kommen, also die zionistisch noch ganz Un vor gebildeten, In der zweiten Form zu unterrichten. M&n nennt ihnen die einzelnen ßücher oder auch nur Aufsätze, die zu lesen sind, und bespricht sie mit ihnen. Für die Vorgeschrittenen, die schon die einfache Literatur kennen, wird es wohl besser sein, in der ersten Art den Unterricht zu gestalten. Ein wertvoller Helfer für denjenigen, der den Unterricht erteilt, ist das soeben •erschienene Buch der Bundesbrüder Gerhard Holdheim und Walter Preuß „Die theoretischen Grundlagen des Zionismus". Ein umfassender Geschichtsunterricht ist nur dann zu geben, wenn ein Bundesbruder vorhanden ist, der wirklich aus eigener Kenntnis .der Quellen ein lebendiges Bild jüdischer Geschichte gestalten kann. Falls diese Voraussetzung erfüllt ist, wird ein solcher Geschichtsunterricht .zugleich die beste Einführung in die zionistische Theorie sein. Jst aber, wie in den meisten Fällen, ein solcher Bundesbruder nicht vorhanden, so muß derjenige, der die Erziehung der jungen ßundesbrüder zu überwachen hat, dafür zu sorgen, daß die weniger guten Bücher über die Jüdische Geschichte gelesen werden. Alle 14 Tage hält dieser Bundesbruder eine Wiederholungsstunde ab. Solche guten Bücher sind Weinbeimer, Geschichte des Volkes Israel, Band 1 und 2, Herford, Das pharisäische Judentum, Mommsen, Römische Geschichte Band 5 (Kapitel Juidäa und die Juden), Grätz, Band 11 für die Geschichte des 19. Jahrhunderts und die Darstellung der mittelalterlichen Geschichte des kleinen iGraetz, Dubnow. Die Epochen der jüdischen Geschichte. b) P a 1 a s t i n a k u n d e Hier muß man sich (davor hüten, Dilettanten zu erziehen. Jemand, •der achtzehn oder neunzehn Jahre alt ist und von Völkswirtschaft nichts versteht, kann kaum ein eigenes Urteil und noch weniger eigene Gedanken über den Aufbau Palästina haben. Man soll sich darauf beschränken, die Literatur zu lesen und ein Erfahrener soll diese Literatur kritisch besprechen. Diese Literatur ist Nawratzki: Das neue jüdische Palästina, rRuppin: Aufbau, Oettinger: 'Methoden, und die 3 Hefte von Erez Israel. Je nachdem wird man wöchentlich eine Stunde Palästinakunde bei den Vorgeschrittenen oder auch schon bei den noch nicht Vorgeschrittenen .abhalten lassen. 'Für die älteren Bundesbrüder wird ein Kursus über eine spezielle Frage (angemessen sein. c) Soziale Lage der Juden Hierüber wird zumeist schon in der Theorie des Zionismus gesprochen werden, es wird aber doch auch eine eigene Stunde alle zwei Wochen über dieses Gebiet ratsam sein. Im wesentlichen gilt auch hier dass.elibe wie für die Palästinakunde; es handelt sich um Aneignung der