Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537745--4773-3542531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Buchholz, Erziehung und Unterricht 347 sehen Formen immer mehr zurückgetreten sind. Je stärker wir uns dem Zionismus ergäben, um so mehr schieden wir uns von der Umwelt -r un<J gar' von der üblichen akademischen. So ist es zu verstehen, daß die Art unserer Geselligkeit sich immer deutlicher gewandelt hat, daß heute Kneipe» bei uns fast nirgend vorkommen und daß sie jedenfalls nicht die Form unseres (geselligen Zusammenlebens darstellen. Allerdings ist es schwierig, eine" neue Form der „Geselligkeit" zai finden. Die Korporationen, die aus der Wanderbewegung, also dem Blau-Weiß, hervorgegangen sind, haben im Wandern eine solche Form gefunden, ihnen ähnlich die Ruder- und Sport-Verbindungen. Eine wirklich befriedigende gesellige Veranstaltung im geschlossenen Räume gibt es nicht, wenn man unter Geselligkeit den Umkreis dessen begreift, was etwa die Kneipe ausgefüllt hat, das heißt ein bloßes Zusammensein ohne jede besondere inhaltliche Bindung. An deren Stelle müssen «gesellige Veranstaltungen anderer Art treten, die im Zusammenhang stehen mit den jung-jüdischen Abenden, die früher beliebt waren, die aber doch heute in ganz anderer Form gegeben werden müssen. (Darüber Genaueres unter II.) Sonst entsteht wahre Geselligkeit, d. i. geistiges Geben und Empfangen, überall da, wo Menschen zusammen sind, die etwas sind und können; das heißt die Frage der Geselligkeit ist keine Sonldenfrage 'der Erziehung. Ueber den Geist einer Verbindung zu schreiben hat wenig Sinn; es mag nur angedeutet werden, daß jede Wirkung, die auch von dem engeren Gebiet der Erziehung und dem eigentlichen Unterricht ausgeübt wird, um so stärker und entscheidender - ist, je zionistischer der Geist der Verbindung ist, je mehr die Menschen, die «der Verbindung ihren Stempel aufdrücken, gewillt sind, dem Zionismus gemäß ihr persönliches Leben zu führen. Ueber Zionismus und menschliche Haltung der Zionisten nur ein Wort; uns allen ist Zionismus höchstes Gut; so gilt also für uns Stefan Georges: Sch!weigt mir vom Höchsten Gut: eh ihr entstächnt Macht ihr es niedrig, wie ihr denkt und seid . . . Gott ist ein Schemen wenn ihr selbst zermürbt! (Schweigt mir vom weib: eh ihr all dies nicht seht Was unterm fruchtbar schmerzenvollen prall Des stärkeren in lust erstöhnen muß. 'Schweigt mir vom volk: da euer keiner ahnt Den fug von schölle und gesteinter tenne Den rechten mit- und auf- und unterstieg — Das knüpfen der zersplissnen goldnen fälden. II. Erziehung im engeren Sinne Haben wir als entscheidend den Geist der Verbinsdung bezeichnet, so können wir wesentlich die Einstellung nennen, die sie zu allem jenen hat, was man mit einem nicht recht treffenden Wort jüdische Kultur nennen darf. Darunter zu begreifen ist ihre Einstellung zur hebräischen Sprache, zum jüdischen Schrifttum und zur jüdischen Geschichte. a) H e b r ä i s c h. Da einerseits die Mehrizahl der Menschen, die zu uns kommt, nicht zionistisch ist, es andererseits nur Sinn hat, Hebräisch mit der Intensität zu lernen, die eben nur der Zionist oder der Religiöse aufbringt, so soll bei uns vorerst darauf verzichtet werden, obligatoriscK von jedem einzelnen 'sofort nach seinem Eintritt die Teilnahme an einem hebräischen Unterricht «zu fordern. Nebenbei sei bemerkt, daß wir nach Möglichkeit davon absehen wollen, hdbräische Kurse selbst zu geben. Ueberall da, wo eine heibräische Sprachschule besteht, sollen die Bundesbrüider, die Zionisten sind, an ihr teilnehmen. Wo eine hebräische Sprachschüle nicht besteht, hat das hebräische Ressort des Präsidiums dafür zu sorgen, daß in sachkundiger Weise der Unterricht erteilt iwird; sachkundig heißt unter anderem, daß verschiedene Kurse, ie nach der Vorbildung der Teilnehmer gegeben werden, und daß eine wöchentliche Stundenzahl von vier Stunden Unterricht und mindestens vier Stunden haus-