Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3537599-3537737-3537744--4738-3542495
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Für und wider die Ringbildung üechawerkreise. Nirgends ist ein Versuch getan, auf das Wesen der Verschiedenheiten einzugehen. Das sei hier im Folgenden versucht. Das Streben der neuesten zionistischen Zeit führt zur Wesentlichtnachung des Zionismus, d. h. des jüdischen Nationalismus. Nach dem'Palästinarausch der letzten Wintermonate, in die sehr zur unrechten Zeit der Kartelltag hineinkam, begann eine Einkehr der sich schon in Palästina Wähnenden in das jüdische Volk. Während bis dahin einzig der Gedanke geherrscht hatte: wie komme ich nach Palästina? sahen wir jetzt, als sich' praktisch eine Unmöglichkeit der sofortigen Uebersiedlung ergab, danach: was tue ich im Galuth? Und hier kam das Streben, seinen Nationalismus. 4er bis dahin darin bestand, alle Ideen, Anschauungen usw.. kurz, das Le« b e n mit einer Hülle von blau-weißer Farbe, Schalomrufen usw. zu umgeben und dann zu denken, es sei jüdisch, nunmehr wesentlich, zu jüdischem Lebfen zu machen. Dafür gibt es keine Rezepte. Das ist ein innerer, seelischer Vorgang der bedenkt, sich aus dem deutschen Kulturpreis heraus und in einen hineinzüentwickeln, der jüdisch sein oder werdeni soll. Ich will mich über dieses schwierige Problem des Seins oder Werdens jüdischer Kultur hier nicht aussprechen, aber klar war und ist es doch den meisten, daß es -eine Umstellung geben muß, Daß dieser Vorgang jetzt beginnt, darin Hegt der Kern der Krise. Daß er überhaupt existiert darin liegt die Krise nicht nur im K. J- V., sondern im ganzen nationaljüdi sehen Leben. Ich sagte, daß der Beginn den Kern der Krise bedeutet, weil wir! die Wesentlichmachung von verschiedenen Grundstellungen des Galuthbder besser Assimilationslebens beginnen. Und nicht im Keilen liegt der Unterschied der Mittel und Methoden, sondern in den (im Rundschreiben genannten) Anschauungen von Blüher und Wyneken und Landauer. Diese Verschiedenheiten des Galuthlebens führen jetzt einen Kampf gegeneinander in dem Augenblick, in dem jüdisches Leben anfängt zu werden. Weiljeder versucht, seine Grundeinstellung als solche; lüdisch zu machen, darum kämpfen sämtliche Galuthprob lerne — um den Platz in der jüdischen Problematik, die noch nicht ist, aber doch werden wird, wenn Zionismus nicht Illusion, sonderm Leben ist. Dieser Kampf muß ausgefochten werden. Darum lehne ich alle Ringbildungfcn ab, weil sie Verzicht auf diesen Kampf bedeuten, der; das Tiefste in dem jüdischen Menschen, nämlich sein assimiliertes Judentum, ergreift, und einem Verzicht gleichkommen auf die Wesentlichmachung des jüdischen Nationalismus im K. J. V. und damit im deutschen Judentum. Und weil diese Bestrebungen im Anfangspunkt des Kampfes stehen und nicht im Endpunkt. Und nun, nachdem wir das Problem saften, wird sicher die Frage kommen: Wie aber sollen diese Verschiedenheiten praktisch miteinander leben? Darauf ein sofort helfendes Mittel anzugeben, ist unmöglichi» Bevor aber in eine Erörterung irgend eines Mittels getreten wird (da9 «licht einmal neu sein kann), muß folgendes festgestellt werden: Nicht 'immer ist es absoluter Ernst und tiefstes Verantwortungsgefühl, was ,di© ,.Ringbildner" zu einer so eifrigen Agitation veranlaßt. Sondern oft bürgerliches Ruhebedürfnis, das allen Fragen tieferer Bedeutung gerne ausweicht, um sich nicht „unnütz aufzuregen". Das aber muß vor allem verlangt werden: absoluter Ernst und letztes Verantwortungsgefühl. Dann kann man zusammenarbeiten, wenn selbst einer zum Tanz (Gott behüte) in Kluft kommt, oder (ich wage es nicht auszudenken) aus „prinzipiellen" Gründen nicht tanzt (was auch im K. C. vorkommen soll). Aber auch von uns, den , Disziplinlosen", muß mehr Eingehet „verlangt wer den. Eingehen auf die Motive anderer Menschen. Es ist bei uns leider nur zu oft so, daß wir über unserem eigenen Horizont nicht hinwegkommen' können: Es kann, um nur ein Beispiel zu nennen, ein Mensch durchaus «sozial auch in unserem Sinne sein, ohne Sozialist zü< sein. Diesen Leuten iehlt das Verständnis dafür, daß alles sittliche Streben sich Formen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.