Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537737-3537744--4737-3542494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Für und wider die Rmgbildun^ geschlagen haben werden, jeder einzelne Ring den richtigem Weg zu gehen glaubt, jeder einzelne Ring es für sieh in Anspruch nimmt, den besten Erfolg der gemeinsamen leitenden Idee zu gewährleisten. Die andern Ringe •werden dies nicht zugeben wollen, ja, nicht zugeben können; sie werden» um nicht an die Wand gedrückt zu werden, sich, zur Wehr setzen müssen». So werden sich die Gegensätze immer mehr verschärfen, so wird ein innerer Kampf entstehen! der den Zusammenbruch des Kartells .zur Folge haben muß. Oder wer möchte behaupten, daß dann die Spaltung des Kartells nicht eintreten würde? Nur ein Ereignis könnte dann diese Spaltung 'verhindern, und das wäre der gemeinsame Mißerfolg- Um diesen Preis aber wäre die Verhinderung der Spaltung teuer erkauft. Die Ringbildunsr führt also notwendigerweise zum Abgrund. Mögen aHe Mitglieder des Kartells besonnen genug sein, in letzter Stunde von diesem verhängnisvollen Schritt Abstand zu nehmen! Mein Appell zur Einheit würde unvollkommen sein, wenn ich nur die Notwendigkeit der Einheit betonen und nicht auch einen Weg weisen würde, auf dem diese Einheit sich verwirklichen ließe. Einen solchen Weg zu finden, ist nicht schwer, er liegt zum Greifen nahe; wir müssen uns zunächst nur genau das Wesen unserer Gemeinschaft vor Augen führen, dann werden wir den Weg der Einheit ohne weiteres finden. Wir sind 'keine Standesgemeinsehaft, ' wir sind eine Gesinnungsgemeinschaft. Unser Kartell ist keine Kade.ttenan-stalt. Es soll seine Mitglieder nicht zu blindem Gehorsam erziehen sondern zum Gehorsam gegen unsere Idee, zum Gehorsam gegen unser Volk. Die alten Formen müssen fallen; dann erst wird uns der endgültige Erfolg verbürgt sein. Zionismus ist keine Mumie, Zionismus ist Leben, Zionismus ist Streben. Wir dürfen nicht festhalten an vermoderten und vergilbten Anschauungen verstaubter und vergessener? Jahrhunderte, wir müssen atmen den Geist der Gegenwart, wir müssen eingedenk sein der Erfordernisse der Zukunft. Wir dürfen unseren Blick nicht rückwärts wenden, vorwärts müssen wir schauen- und vorwärts müssen wir schreiten! auf dem Wege, den unsere Pflicht uns weist. Dann und nur dann wird es uns vergönnt sein, für eine würdige Erneuerung des jüdischen Volkstums einzutreten. Unser Kartell ist kein Tummelplatz für zionistische Akademikersondern eine Arbeitsstätte für akademische Zionisten* Weniger reden und mehr arbeiten, dann ist die Einheit unseres Kartells gesichert. Ernste zionistische Arbeit ist das Band, das uns zusammenhalte» wird und muß. Nur ernste zionistische Arbeit ist imstande, die vorhandenen Gegensätze zu überbrücken und unsere Einheit zu bewahren, die wir unserer Idee, die wir unserem Volke schuldig sind. Frankfurt a. M. Julius Sundheimer ni Eine Krise ist niemals das Produkt äußerer Zufälle. Nur wenn zu ihnen ein innerer Grund kommt, oder vielmehr, wenn sie einem solchen Wesen sgr und entstammen, dann entsteht eine Krise, d. h. der Zustand einer allgemein gefühlten, Verderben verheißenden Unruhe und Krankhaftigkeit. Eine solche, wahrhafte Krise ist im Kartell jetzt zweifellos vorhanden; darum ist es Aufgabe, ihr Wesen zu suchen. Suchen die „Ringbildner" und finden sie wirklich das Wesen der Krise, wenn sie den Grund, die Ursache in den verschiedenen Methoden sehen? Zwischen Wesen und Methode ist ein unüberbrückbarer Unterschied. Die Methode ist die Ausdruc'ksform des Wesens. Sollten sich hier nur zeitweilige Verschiedenheiten jüdischen Lebens ergeben, dann würden wohl einige Stunks und Schimpf er efen entstehen, tiefer würden sie aber nicht führen. Wenn wir das Rundschreiben der V. J. St.-en Berlin und Zephira betrachten, dann sehen wir überall die Empörung gegen die .Mittel und Methoden" und ihre Folgerungen: Intellektualismus, Formlosigkeit. Ablehnung des Keilens (was übrigens zumindest nicht mehr zutrifft) durch die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.