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Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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Für und wider die Ringbildung Stillstand, "Rückschritt, Untergang zur^Polge haben würde. Wenn wir in unserer Heimat wären, . . . . Aber noch sind wir nicht dort. Noch blicken wir auf einen wüsten Steinhaufen, aus dem der stolze Bau des neuen Juda erst entstehen soll Noch weilen wir fern von der Heimat unter fremden Völkern, ein Spielball in ihren Händen. Noch leben wir in einem permanenten Kriegszustand und brauchen daher als notwendigstes Erfordernis den Burgfrieden. Wir müssen alle Kräfte freimachen zum gemeinsamen Kampfe nach außen und können uns nicht den Luxus einer inneren Zersplitterung gestatten. Jede Spaltung, gewollt oder ungewollt, ist daher Verrat anr unserer heiligsten Sache: Die Einheit ist das dringendste Gebot der Stunde, ihr haben wir uns alle unterzuordnen. Und gerade w», die wir vier Jahre hindurch Tag für Tag und Stunde für Stunde Opfer auf Opfer brachten für eine fremde Sache, sollten wir nicht imstande sein einen winzigen Bruchteil dieser Opfer für unsere eigene Sache zu bringen? Ist doch gerade die Größe der Opfer der beste Maßstab für den Grad der Uebenzeugung. Aufbauen sollen und wollen wir, helfen aufbauen an einem großen Werk; aber ebensowenig wie bei der Errichtung eines Gebäudes ieder Arbeiter nach eigenem Belieben bauen kann, sondern sich vielmehr einem gemeinsamen Bauplan fügen muß, ebenso wenig 'kann auch bei der Erreichung eines Zieles jeder seine eignen Wege gehen, sondern muß. sich der gemeinsamen Idee völlig unterordnen. Man wird mir vielleicht entgegenhalten, daß ich einen Kampf gegen Windmühlen führe, man wird mir sagen, daß es kein einziges Mitglied des Kartells gebe, das eine Spaltung wünscht. Letzteres ist zweifellos richtig. Ich bin fest davon überzeugt, daß kein einziges Mitglied des Kartells eine Spaltung wünscht, aber ich bin ebenso fest davon überzeugt, daß die Anhänger der sogenannten „Ringbildung4' eine Spaltung herbeiführen. Tirpitz und Ludendorff haben auch nicht die Zertrümmerung Deutschlands gewünscht, auch sie haben sicherlich nur das Beste für ihr Vaterland gewünscht und ersehnt. Aber ein glückverheißendes Ziel mit untauglichem Mitteln erstreben heißt nichts anderes als ein unglückverheißendes Ziel mit tauglichen Mitteln erreichen. Ich nehme ohne weiteres an daß die Anhänger der Ringbildung von den besten Absichten und dem besten Willen, beseelt sind. Zwar ist dies aus ihrem Programm nicht ersichtlich» da sie es bis heute noch nicht für nötig gehalten haben, überhaupt ein Programm aufzustellen, überhaupt eine Erklärung der Ringbüdung — so wie sie sie auffassen — zu geben. Aber es würde mir widerstreben, von einem; Bundesbruder anzunehmen, daß er in demagogischer Weise lediglich mit Schlagworten operieren, wollte, über deren Bedeutung und Tragweite er sich selbst noch nicht 'klar ist. Den. guten Glauben gestehe ich also ohne weiteres zu. Ist daraus aber eine Berechtigung der Ringbildung abzuleiten? Beschränkt man sich darauf, einen' moralischen Erfolg davonzutragen, so ist die Lauterkeit der Absichten allerdings von ausschlaggebender Bedeutung. Aber wir haben uns ein höheres Ziel gesteckt: wir wollen positive Leistungen erzielen. Und da ist nicht mehr die Moral der Absichten, sondern da sind die praktischen Erfolge ausschlaggebend. Damit soll nicht gesagt sein, daß es gleichgültig ist, ob die Absichten moralisch einwandfrei sind oder nicht, es soll lediglich dadurch her vor gehoben^ werden, daß das einzige zuverlässige Maß für positive Leistungen nicht das Wollen, sondern das Wirken ist. Wenn daher die Anhänger der Ringbildung immer wieder betonen, wir wollen keine Trennung, wir wollen keine Spaltung, wir wollen nur 'eine Ringbildung, so ist dieser Wille für die Beurteilung der Theorie der Ringbildung völlig .belanglos; wir haben lediglich zu fragen: was ist die Wirkung der Ringbildung? Ist diese Wirkung mit dem legitimsten Interesse unseres Kartells, mit unserer Einheit, vereinbar, so ist die Ringbildung ohne weiteres zuzulassen; ist sie es.nicht, so ist die Ringbildung ohne weiteres aufs schärfste zu bekämpfen. Und sie ist nicht mit unserer Einheit vereinbar. Es ist klar, daß, wenn nach erfolgter. Ring- Mdung die herrschenden Gegensätze eine präzise Formulierung, eine offizielle Vertretung gefunden, die einzelnem Ringe ihre eigenen Wege ein-

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