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Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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308 Für und wider die Ringbildung I Die Ringfrildungsfrage ist nichts Anderes als die Frage: Ist im K. J.V. dieser Saturationspunkt erreicht und überschritten oder nicht? Ist die fVoneinander-Fortentwicklung bereits so groß daß die Organisationsform eng geworden ist für die verschieden gerichteten Strömungen, oder nicht? Deutschmann gibt die überspannte Differenzierung zu, aber er tröstet „sich., darüber hinweg mit dem Hinweis auf die einigende Kraft des Zionismus» Ist das möglich? Ich greife zurück: Was ist die Einheit des Zionismus? Falls man überhaupt von „dem" Zionismus sprechen kann, wenn von individueller Verschiedenheit der Auffassung gehandelt wird, dann ist es höchstens der § 1 des Baseler Programms. Hier berühren sich vielleicht die Zionisten und Zionismen aller Schattierungen und Nüancen. Was aber über dies Ziel hinausgeht, z. B. schon die Methode, darüber ist unterschiedliche Meinung. Sogar in der zionistischen Organisation selbst ist schon Ringbildung eingetreten: Misrachi, Hapoel hazair, Poale Zion. Man komme dem Poale Zion jmd verwehre ihm seine partikularistischen Gelüste mit dem Hinweis auf rdie einigende Kraft des Zionismus. Er würde einem mit Recht ins Gesicht lachen. Nein! Der Zionismus kann uns nicht das Nirwana sein, das uns über die rauhe Wirklichkeit hinwegtäuscht, da nun einmal die Differenzierung den Saturationspunkt überschritten hat. Mit demselben Argumente könnte Peittschmann die Fusion des K-J. V. mit der zionistischen Ortsgrupoe propagieren. Die Form ist zu eng geworden.' und man hat nun zwei Wege äffen). Entweder man gewinnt die „Einheit", wie einst im B. J. C, durch Eliminierung der .Störenfriede. — ein Projekt, an dessen Realisierung das Präsidium scheinbar bereits stillschweigend herangetreten ist wodurch es auch die überspannte Differenzierung zugibt — oder man erweitert die Form, indem man den „Richtungen" Bewegungsfreiheit, innere Automonie gibt Ringbildung. An einer Stelle versucht Deutschmann an einem gefährlichen Beispiel zu demonstrieren, an dem Sozialismus. An ihm zeigt sich so schön die Richtigkeit meiner Darlegung. Als in der sozialdemokratischen Partei der Gegensatz zwischen Marxismus und Revisionismus akut wurde predigte man die Einheit des Ziels, bei uns „Zionismus", dort „größtmöglichste Wohlfahrt aller", und trotz aller Gegensätze blieb die Einheit der Organisation gewahrt. Als aber 0er Krieg die Differenzierung den Saturationspunkt überschreiten ließ und sich die Tatsachen nicht wegdisputieren ließen da versuchte man wie bei uns heute das Präsidium, die Einheit durch den großen „Rausschmiß" zu retten, man » setzte alles was zu weit links stand, hinaus" und — hatte In praxi doch nur eine Ringbildung vorgenommen in S. P. D. und U. S. Pm aber mit dem Erfolge, daß diese Taktik unversöhnlich und haßerweckend wirkte und wirken mußte, während durch geeignete organisatorische Maßnahmen die Trennung auf das unbedingt Notwendige hätte beschränkt werden können. Das möge denen als Exempel dienen die heute die gleiche Radikalkur bei uns empfehlen denn wenn heute 3—400 Leute, vielleicht auch nur 250, hinausgesetzt werden, sind sie morgen in einem anderen Kartell organisiert, aber dann ist das Tischtuch vollkommen entzweigeschnitten. Aber auch Ablehnung des Ringbildungsvorschlages würde ohne Zweifel zu demselben Ergebnis, Neukartellierung. führen, insofern ist Ringbildung auch für denjenigen, der jedwede Spaltung verwirft, immer noch das kleinere Uebel. t Und.schließlich meint Deutschmann noch: ja, wenn erst einmal Ringfeildung prinzipiell konzessioniert'ist, dann kann man ja kein Ende absehen,

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