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Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Für und wider die Ringbildung 3m .—, daß auch der kommende Kartelltag bereits gekennzeichnet sein wird durch die Aufgaben, die das neue, von einer starken und sicheren Entwicklung getragene Leben des Kartells stellen wird. Trotzdem wollen wir die Diskussion über die Ringfrage nicht abschneiden. Ein näheres Eingehen auf Argumente, die noch für die Ringbildung vorgebracht werden* erscheint uns indessen heute nicht mehr notwendig. Das Präsidium I. Walter D e u t s c h m a n n versucht Argumente gegen die Ringbildung •aus Begriffen (Kampfgenossenschaft) zu evoivieren, ein Verfahren, das, wie ich glaube den fehlerhaften Versuch darstellt, zwei inkommensurable Größen miteinander zu messen. Aus Begriffen kann man gegen den Weisensinhalt, die Tendenz einer Gemeinschaft argumentieren; bei Fragen der Organisation aber kann man nur reale Tatsachen, Dinge der Taktik, sprechen lassen; sonst wird die Fragestellung schief, Sie heißt: liegt die praktische Notwendigkeit vor, sich in Ringe zu trennen, oder nicht? Deutechmann glaubt die Frage verneinen1 zu müssen, indem er darauf hinweist, daß auch früher in dem ungespaltenen B. J. C. und K. Z. V. Meinungsverschiedenheiten geherrscht haben, ein Faktum, an aem wohl keiner, der für Ringbildung gestimmt hat, zweifeln dürfte. Aber Deutschmann vergißt das eine: im B. J.C. gab es Meinungsunterschiede, aber eine Einheit während heute die Gegensätze unüberbrückt sind. Nein! meint Deut'schmann wir besitzen etwas, was uns einigendes Band sein kann: den Zionismus. Es dürfte sich verlohnen, auf die Argumentation ein wenig einzugehen. Nie gibt es in einer Gemeinschaft, am allerwenigsten in einer jüdischen, viel Köpfe und einen Sinn. Derselbe Gedanke malt sieh in den verschiedenen Hirnen anders aus. Deutschmann macht mit Recht geltend, daß in einer Tendenzkorporation nie der eintönige Geist vollkommener Kongruenz herrschen kann. Aber er begeht den Fehler, nun, nachdem er die Verschiedenheit individueller Anschauung konstatiert hat. vor dem Zionismus halt zu machen und von seiner einigenden Einheit zu reden, als cb das Naturgesetz von der Verschiedenheit menschlichen Denkens pfötzffeh seine Geltung verloren hätte. Vorher möchte ich noch das eine erwähnen: die Einheit der Organisation beruht auf dem einigendem Programm. Dieses kann enge* und weiter gefaßt sein, letzteres z. B. beim B. J. C, wodurch naturgemäß eine größere Ellbogenfreiheit ermöglicht wurde. Nie aber kann es so scharf umrissen und klar formuliert sein, als daß es nicht den ausemandergehendsteiii Auslegungen Spielraum, böte. Entwicklung ist ein gut Stück Differenzierung, und so wird die Auslegung des TendenzJKautschuk-Paragraphen so auseinandergehend nicht nur in bezug auf Methode, sonder» auch auf das Ziel selbst, daß bald der Moment kommt, wo die verschiedene Richtung der Strömungen, statt durch die Korporation Kraft zu gewinnen, nunmehr durch die zu eng gewordene Organisationsform gegenseitige Behinderung und Reibung hervorruft. Es gibt einen Funkt, bis zu dem Verschiedenheit der Tendenzauffassung mit der Einheit der Organisation vereinbar ist. Wird dieser Punkt größtmöglichster Differenzierung überschritten dann macht sich bald das Gefühl tbermäßigeT Spanmoig bemerkbar. Wenn im B. J. C. dieser Saturationspunkt von einzelnen überschritten wurde, wenn die Verschiedenheit eine zu große wurde, dann gab es das reinigende Gewitter, den „Stunk", bei dem die Elemente eliminiert wurden, die sich zu sehr von dem Gros differenziert hatten. Darum gab es im B. J. C. zwar Meinungsverschiedeniheiteni, aber eine Einheit.

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