Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 7 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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306 Für und wider die Ririgbildüng langen, daß er in unserem Sinne e i n g u t e r Z i o n i s t ist Und was heißt das, in unserem, im Sinne des Kartells, ein guter Zionist sein? Das heißt: selber nach Palästina gehefr, oder wenn zwingende materielle Gründe das verbieten, seinen Kindern eine solche. Erziehung «und vor allem einen solchen Beruf geben., daß sie für Palästina geeignet sind. Auf einen Safe gebracht: derjenige K. J. V.-er, dessen erwachsener Sohn wieder im Golus! lebt, hat das Recht verwirkt, im Kartell zu bleiben. — Man wird mir mit der Notwendigkeit des Golus antworten. Für das jüdische Volle in seiner Gesamtheit steht diese Frage zur Debatte, für uns K. J- V.-er muß ich die Notwendigkeit der Dauer des Golus mit aller Energie ablehnen. Wr K.J. V.-er entstammen in unserer überwältigenden-Mehrheit stark en>tiude~- •ten, aber meist wohlhabenden Familien:. Die jüdische Tradilion ist oft seit Generationen abgerissen. Jüdisch an uns ist nur der aus der Tiefeunseres Blutes sich emporringende starke Wille der Rückkehr zum Judentum und zum jüdischen Volk. Rückkehr; zum Judentum mag einzelnen Willensstarken auch im Golus gelingen durch strenge Innenaltung des Gesetzes, durch-ein sabbathgeweihtes Leben. Rückkehr zum jüdischen Volk kann uns nur gelingen, wenn wir den Anschluß an ein jüdisches Zentrum* gewinnen! Also Anschluß ans'Ostjudentum oder Palästina. Da wird sich, die Mehrzahl meiner Bundesbrüder für Palästina entscheiden, wenn auefr der andere Weg ein zionistisch anzuerkennender ist. Aber immer wieder muß es in das Gehirn unserer Leute eingehämmert werden, daß das Golus für uns — emtjudete westliche Diaspora-Juden — der jüdische Tod ist. Nur nicht das Maul aufgerissen und tausend fadenscheinige, geldbeutelangstklappernde Gegengründe gestammelt! Ich kenne unsere Altherrenschaft, ich kenne die Ehen der K. J. V.-er, ich kenne die Kinder von K. J. V.- ern. Bei den Lauen keine Spur eines Unterschiedes von irgend einer üblichen Assimilantenehe, nur ekliger durch ein paar bei Gelegenheit vorgebrachte wohlmeinende zionistische Phrasen. Und bei der geringen Zahl der Eiferer, der wirklich um Zion sich täglich Quälenden, ein krampfiges Jüdischseinwolfen. Da singt man den Kindern von früh bis spät Jargonlieder vor. da wirft man mit hebräischen Brocken um sich, aber hinter dem hebräischen Kindergarten richtet sich drohenid das deutsche Gymnasium aui und die .ideenstarke Welt des sozialistischen Kampfes entreißt uns oft die besten unserer jüdisch wurzeLschwachen jungen Generation.. Kein Entrinnen! — Ihr, meine lieben Alten Herren, blast hinein in die Asche Eures alltagverbrannten Herzens, ob noch ein Funke glüht. Eurer Jugend Feuerbrand tiefinnerster Seligkeit Judeseinwollens — blast ihn zur Flamme. Bruder, brennt in Dir die Flamme, dann sei Du mein Bunde-sbruder, eingefügt in unseren Ring, den Ring der Entschlossenen: Lieber in Zion in* Armut sterben, denn als zionistischer Khillevorstand in Frankfurt.1' — Man mißverstehe mich nicht. Solange wir im Golus sind, müssen wir selbstverständlich Golusarbeit leisten, aber mit alier Klarheit sei es rroch ein* mal gesagt: wir Judfcn der westlichen Diaspora sind dem Untergang geweiht, wenn wir nicht selbst oder spätestens für unsere Kinder den Weg nach Palästina finden. Darum Kampf dem Lauen innerhalb des Kartells und die Türe zu vor denen, die nur das Heer unserer Lauen verstärken! Sobernheim Albert Wunderlich; Für und wider die Ringbildung Die Ringfrage ist, wie wir glauben, im Wesentlichen erledigt. Die- Haltung des Kartells (z. B. auch die auf gemeinsame sachliche Arbeit gerichtete Stimmung der Erstchargiertentagung) hat bewiesen, daß die lebendigen Kräfte des Kartells bereits wieder stärk genug sind, um diese Angelegenheit als unwesentlich und unzeitgemäß erscheinen zu lassen. Wir können heute erwarten — was man zunächst noch nicht annehmen konnte: