Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537737-3537744--4730-3542487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

304 Stein, Ist die Keilarbeit uberflüssig und unsittlich? lieh fühle und über natürliche Dinge nicht mehr nachzudenken brauche?, so liegt hierin eine gewaltige Verrottung der inneren Struktur dieser Jungen, die in Wahrheit doch argumentieren — nur nicht in zionistischen, sondern in anderen Dingen, und die auch im Zionismus gerade wegen des Mangels an Argumenten so unsicher sind, daß sie bei der Berührung mit der Umwelt leicht straucheln, wie der hier dargelegte Fall unter ariderem beweist. Aber auch die Entwicklung unserer Verbindungen hat klar gezeigt, daß alle Verbindungen stagnieren, sobald sie nur Zionisten aufnehmen, eben weil dann bei ihnen das Argumentieren aufhört. Insofefn hat sich die Behauptung, man könne „fertigen" Zionisten nicht zumuten, mit in der Entwicklung Stehenden zusammen zu sein, als falsch und schädlich erwiesen. (Die Durchführung des Ringgedankens in der Keilarbeit muß auch an diesem inneren Grunde scheitern«) Dasselbe wie für unsere spezielle Keilarbeit gilt natürlich für die Propaganda außerhalb des Kartells. Wenn der Blau-Weiß infolge FührerL mangels zurzeit nicht erweiterungsfähig ist, so liegt hier ein, auch mit Hilfe des K. J. V., zu beseitigender, höchst bedauerlicher Zustand vor. der immerhin ausreicht, um im Augenblick eine besondere Propagandatätigkeit zu unterlassen. Wenn aber dort eine prinzipielle Gegnerschaft gegen diese Arbeit besteht, so ist es eine wesentliche Pflicht des K. J. V. und der K. J. V.-er, diese auf Unkenntnis der Tatsachen und Abschließung von der Außenwelt berührenden Stimmungen beseitigen zu helfen. Ohne direkten Zusammenhang mit diesen Ausführungen möchte ich noch einige Punkte hervorheben, bei denen Mißverständnisse seitens vieler Bundesbrüder zu verzeichnen sind: 1. Das Keilressort hat von Beginn seiner Tätigkeit betont, daß die- Qualität der Keilfüxe entscheidend ist, und nicht die Quantität- Zehn gute Füxe sind besser als zehn gute plus fünf schlechte. Das Keilressort kanra sich nicht mit jedem Keilfuxen abgeben, es streicht jeden als ungeeignet bezeichneten Keilfuxen aus den Listen, immerhin ist man berechtigt, mit einer durchschnittlichen gleichmäßigen Qualität der Kelfüxe zu rechnen, so daß; das zahlenmäßige Ergebnis doch ein Maßstab für die Arbeit und den Erfolg ist. 2. Man wundert sich, daß im Keilbericht eine Verbindung rnit drei Füxen als schlecht, eine andere mit fünf als gut bezeichnet wird; das. sei doch kein erheblicher Unterschied. Ich hatte, weil es mir selbstverständlich erschien, unterlassen zu betonen, daß die Ergebnisse nicht nur nach dem absoluten Zahlenerfolge zu beurteilen sind, sondern im Zusammenhang mit der Zahl der am Orte befindlichen Keilfüxe und Aktiven, mit den sonstigen lokalen Verhältnissen und mit der mehr *öder weniger' prompten Art der Erledigung aller die Keilarbeit betreffenden Angelegenheiten durefe die Verbindung. Die Arbeit einer Verbindung kann vorläufig noch durch Personenwechsel innerhalb einer Woche einen völligen Umschwung zum Guten oder Schlechten aufweisen, auch ist bei der Beurteilung von Berlin* aus gelegentlich ein Irrtum möglich. Alles dies ändert nichts an der Geltung der Urteile des Keilberichts. 3. Man hat es zwar verstanden, daß ich die Herkunft unserer Füxe aus der Turnerschaft, dem Blau-Weiß usw. festgestellt habe, aber man hafc^ es als besondere Spitze empfunden, daß ich die den Blau-Weiß betreffenden Zahlen hervorgehoben habe. Demgegenüber betone ich, daß ich nur der» Blau-Weiß und die Turnerschaft als Keilinstitute des^K- J. V. betrachtet habe lind mir für ihre Leistungsfähigkeit als Glieder der Jugendarbeit in keiner Weise die Fnage ausschlaggebend erscheint, wieviel Füxe sie uns liefern- Wenn sie (z. B. weil infolge irgendeiner Konstellation keine in den akademischen Beruf tretenden Abiturienten bei ihnen vorhanden wären) dem K. J. Vauch nicht einen Mann liefern würden, dürfte sich in dem Verantwortungsgefühl des K. J. V. auch für diese Teile der Jugendbewegung: nichts ändern. Ich habe die erwähnten Daten nur deshalb hervorgehoben, weil sie die während des Krieges und nachher stark sich einnistenden Phantastereien über die Veränderung der Keilarbeit schlagend wider-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.