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Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Stein, Ist die Keilärbeit überflussig und unsittlich? 303 iäesbrüder behaupten allerdings, der Zionist sei frei von Unsicherheit, und viele meiner Bundesbrüder glauben in der Tat, durch ihren Zionismus, die im nationalen Bewußtsein ruhende Sicherheit erlangt zu haben. Ich persönlich bin zu anderen Ergebnissen gekommen. Ich glaube, daß wir uns erst dann wieder eins mit dem Volke fühlen werden, wenn wir selbst in Palästina sein werden oder wenn in Palästina ein so starkes Volksleben erstanden sein wird, daß es auch die Juden in der Diaspora erfaßt* Wir, unsere Generation, befinden uns im Stadium des Uebergangs — übrigens fühlt sich wohl jede Generation in irgendeiner Beziehung als Geschlecht dös Uebergangs — und werden daher diesen Glückszustand nicht mehr erleben. Aber wir arbeiten für unser Volk, das heißt: für kommende Geschlechter. Auch der Patient muß, um zu gesunden, sich einer schmerzhaften Operation unterziehen, auch die Pflanze, die im kranken Boden ruht, muß, um aus der Verschlingung befreit und in gesunden Boden umgepflanzt zu werden, auf dem Transport eine unnatürliche Lage einnehmen, sich noch krank fühlen — wer würde deshalb den Prozeß vermeiden oder gar verhindern? Sie sehen, daß meine Anschauung nicht etwa gegen den Zionismus spricht und micht nicht etwa hindern kann, den Zionismus für den einzigen gesunden, anständigen und möglichen Ausweg aus unserer verfahrenen und fast verzweifelten Situation zu halten/4 Hier ist, wie mir scheint, gesagt, was K. gemeint hat, und wenn er sich nicht so ausdrücken konnte, dann ist er ein unklarer Kopf oder ein schlechter Interpret seiner Gedanken. Ich möchte den Keilfuxen sehen, der durch die oben angedeuteten Gedankengänge von dem Zionismus zurückgesehreckt wäre. Aber der Keilfux, dem K. — von seinem Standpunkt aus — vorgespiegelt hätte, er erlange mit dem Tage, an dem er Zionist werde, die Bodenständigkeit eines preußischen Landjunkers, dieser Keilfux mußte, Bundesbruder geworden, am Gedanken und an der Wahrheit des K. J. V. zweifeln und ihm den Rücken kehren, sobald er bei der ersten Gelegenheit im internen Kreise die wirkliche Ansicht K.s gehört hätte. Die Selbstachtung und die Achtuns vor der Gemeinschaft verbieten jedes unlautere Mittel, aber auch die Klugheit, denn nur wertlose Leute lassen sich übertölpein; wertvolle Leute werden im harten Geisteskampfe gewonnen, sie sind durch Unwahrheiten nur abzuschrecken. Zudem werden sie abgestoßen, wenn sie merken, daß man ihnen nachläuft, und nur dann besiegt, wenn man ihnen .zeigt, daß sie die Verbindung brauchen und nicht diese die Keilfüxe, und wenn sie fühlen, daß man ihnfcn mit Vertrauen entgegenkommt. Die Tatsachen, mit denen man beim Keilen seine Ausführungen belegt, müssen wahr sein, dazu genügt allerdings nicht nur die Kenntnis zionistischer Dinge; auch die Lektüre der Zeitungen, das Interesse z. B. für Gemeindewahlkämpfe n, a., liefert täglich Stoff und Bespiele. Ich habe beim Keilen nie unterlassen, dem Keilfuxen in objektiver und referierender Form etwa die Tendenz des K- C. auseinanderzusetzen, ja, ich habe häufig — und immer mit bestem Erfolg für uns — die Keilfüxe zu K. C.-Veranstaltungen gehen lassen, damit sie den »K. C. aus eigener Anschauung kennen lernen. Jeder intelligente Keilfux war entsetzt von diesen öden, oberflächlichen Diskussionen, angeekelt von den germanisch aufgeputzten Gambrinusfesten der C.-er und aufs Beste vorbereitet für den Weg ins K. J. V. Inzwischen ist die Erkenntnis durchgedrungen, daß Galuth- und Palästinaarbeit einander bedingen, daß unsere Keilarbeit, als Teil unserer Galuthu n d Palästinaarbeit eine Notwendigkeit ist'und daß sie — wie iede andere gute Sache — nur dann unsittlich, d. h. unwahr und unehrlich ist. wenn man sie entsprechend betreibt. Es ist Sache der Verbindungen, diese Gesichtspunkte bei ihren Mitgliedern durchzusetzen und die Erziehung der künftigen. Generationen in diesem Sinne zu leiten. Die Phrase vieler Jungen, sie seien zur Keilarbeit nicht geeignet, entstammt fast immer physischer oder gedanklicher Faulheit. Die Arbeiten, die im Keilen zu leisten sind, sind so umfangreich und verschieden, daß fast jeder verwendet werden kann. Wenn heute mancher mit einigem Stolz darauf hinweist, er könne stricht keilen, weil er nicht mehr , argumentiere", d. h. weil er schon natür-

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