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Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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302 Stein, Ist die Keilarbeit überflüssig und unsittlich? und so entstehen dort die Komment nachäffenden, oberflächlichen, geistlos erscheinenden Couleurstudenten, und hier die geistig regem, von einer idealen Bewegung fortgerissenen Menschen (mit Ausnahmen — leider — auf beiden Seiten). Fast alle Keilfüxe mit wenigen Ausnahmen, können bei entsprechend-langer Beeinflussung Zionisten und K. J. V.-er werden. Der Mißerfolg hat immer darin seinen Grund, daß wir zu spät oder überhaupt niejrt an den Betreffenden herankommen. Die als „Kameraden" organisierten Schüler höherer Klassen sind für uns verloren, nicht etwa, weil die Macht unserer Ideen an ihnen zerschellt, sondern weil die Möglichkeit der ersten Aussprache genommen 'ist. (Darum ist es ein Verbrechen .an untren Tendenzen, derartigen Erscheinungen tatenlos zuzuschauen.) Das erste Problem der Keilarbeit besteht also darin, überhaupt Fühlung mit dem Keilfuxen zu nehmen. Hier kann die Organisation Wege weisen und technische Mittel geben. Unsere jungen Bundesbrüder verwechseln Mittel und " Technik mit dem Inhalt der Keilarbeit. Wenn man ihnen sagt — um ein primitives Beispiel herauszugreifen —, Keilfüxe dürften bei einer Veranstaltung nicht nebeneinander sitzen, »sondern nur zwischen Bundesbrüdern, so denken sie, man wolle, die Keilfüxe „einseifen". Dabei handelt es sich zunächst nur um die Beachtung einer nicht ganz unerheblichem gesellschaftlichen Höflichkeitsform und alsdann darum, daß man bei aller Ehrlichkeit des Keilens es nicht gerade nötig hat, sich das Keilen möglichst schwer zu machen, denn die Erfthrung lehrt, daß nebeneinandersitzende Keilfüxe einander ungünstig beeinflussen, sich sozusagen spröde, unempfänglich machen. So ist, aus praktischer Erfahrung heraus zweierlei vonnöten: eine gewisse Technik, um an den Keilfuxen heranzukommen und ihn nicht abspringen zu lassen, und gesellschaftliche Formen aus selbstverständlichen - inneren und äußeren Gründen. Auch die technischen Mittel dürfen nicht unehrlich sein; bei dem Wunsche, es dem Keilfuxen — wie jedem Bundesbruder — so gemütlich wie möglich in der Verbindung zu machen, darf die Alkoholstimmung nicht die Vorbereitung für die Aktivmeldung Sein. (Die Behauptung, so sei früher gekeilt worden, ist im Wesentlichen unwahr.) Aber man kann doch die technischen Mittel als solche nicht als Unehrlichkeiten empfinden! Der Irrtum unserer jungen Bundesbrüder die z. B. über die Anweisungen des Keilressorts empört sind, beruht darauf, daß sie glauben das Präsidium wolle die Keilarbeit auf solche Weise erledigen. Das ist barer Unsinn. Das eigentliche Keilen ist Sache des Einzelnen, der den andern vom Zionismus überzeugen (nicht: überreden) soll oder ihn wenigstens für den Zionismus empfänglich macht. Hier erweist es sich, ob die Verbindungen gute Fuxenstunden geben, ob sie die Bundesbrüder zum Denken anregen ob diese ihren Zionismus wirklich durchdacht haben, ob sie Kenntnisse der Theorie und der Tatsachen sammeln. Es konnte ja schließlich nur nach dem Kriege vorkommen, daß ein K- J. V.-er einem Keilfuxen erklärte er wisse auf seine Gegemgründe nicht Bescheid, er müsse sich erst Auskunft bei der Verbindung holen! Da dieses eigentliche Keilen überzeugen soll, kann es seine Wirkung nur tun, wenn es in vollster Ehrlichkeit geschieht. Der Bundesbruder K. hätte z. B. — wenn man sich auf seinen Standpunkt vom »Geschlecht des Ueberganges" stellen will — zu dem Keilfuxen G., dem er die Grundlagen des Zionismus bereits klar gemacht hat, sagen können: „Sie sehen also, mein lieber Herr G., daß alle ihre Gegengründe persönlicher und sachlicher Natur gegenüber dem national begründeten Zionismus zusammenfallen. Ich hatte versucht, Ihnen zu zeigen, daß das Gefühl der Heimatlosigkeit und der Entwurzelung bei uns Judenweit verbreitet ist — ich hatte auf Heine exemplifiziert, auf Sie selbst, auf Ihre Erlebnisse und Beobachtungen in der jüdischen Gesellschaft und während des Krieges — und hatte zu erklären versucht, warum dieses Gefühl entstehen konnte und mußte. Ich hatte Ihnen ferner auseinanderzusetzen versucht, daß nach unserer Ansicht nur der Zionismus dem jüdischen Volk wieder feste Wurzeln geben kann. Sie dürfen mich aber nicht etwa mißverstehen, ich verspreche Ihnen nicht das Paradies ruhiger Sicherheit und erhabener Klarheit für den Fall, daß Sie Zionist werden. Viele meiner Bun-

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