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Der jüdische Student · 1919-11-01 · Heft 7 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 7 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Stein, Ist die Keilarbeit überflüssig und unsittlich? 30! muß das deutsche Judentum dem jüdischen Volke zuführen und es den Judenmassen anschließen, den Blick auf Palästina gerichtet. Ich habe noch- - keinen stichhaltigen Grund dafür gehört, daß die Palästinaarbeit die Arbeit im deutschen Judentum ausschließt (daß sie diese anders gestaltet,, ist selbstverständlich). Wenn ein Aktiver außerhalb dieser Tätigkeitsgebiete sich in solchem Maße beschäftigt, daß er in einer Zeit, in der seine Arbeit infolge Menschenmangels unbedingt für uns nötig ist, bei uns völlig versagt, so mag er ein guter Zionist sein, aber nicht ein guter K. J. V.-er* Beide Begriffe decken einander nämlich nur insoweit als ein guter K. J. V.-er. ein guter Zionist sein muß. aber nicht umgekehrt. Die Berufsvorbereitung unserer jüngsten Generationen auf Palästina ist eine der erfreulichsten Er-« scheinungen, die wir heute feststellen können, aber es ist geiährlich, wenn man darüber die Arbeit im deutschen Judentum einfach vergißt, wenn man z. B. jegliche Keilarbeit bei nicht zionistisch gesinnten Abiturienten unterläßt. Die eigene Berufsvorbereitung auf Palästina darf vor allen Dingen nicht derart aufgefaßt werden, daß der junge Student glaubt, seine Arbeit für das jüdische Volk sei erschöpft wenn e r möglichst intensiv für seinen Beruf arbeite. Dies würde zu einer egoistischen Denkweise auswachsea die mit dem Programm unseres Kartells in keiner Weise in Einklang zu bringen wäre. Diese Anschauungen (und die Faulheit der anderen) bringen es auch mit sich, daß bei uns immer einige wenige, die ihre Verpflichtung stark fühlen mit aller Arbeit belastet werden. (Diese Armen können dann* was man ihnen alsbald vorzuwerfen pflegt, sich nie mit sich selbst beschäftigen). Was ferner soll geschehen, wenn die Paiästinaarbeit infolge der politischen Verhältnisse einen Rückschlag erleidet? Eine Organisation ist nicht dazu da, um bei jedem neuen Ziel das Alte zu vergessen und sprunghaft bald hierhin bald dorthin zu wirken, eine Organisation hat alle kommenden Möglichkeiten zu beachten und vorzub e r e itenundhatinersterLiniedle ihreigeneArbeit zu tun,damit sie demGanzen ambesten diene. Die Begeisterung für Palästinaarbeit darf nicht zur Vernachlässigung unserer Arbeit am deutschen Judentum führen. Wenn andererseits heute eine Anschauung Platz greift nach welcher man doch eigentlich nicht gegen die Assimilanten kämpfen dürfe, da sie ja auch Juden seien und wir doch die Einheit des jüdischen Volkes betonten, so führt diese Ansicht konsequent durchgedacht zum Aufgeben des Zionismus aus liebevoller Rücksicht auf die Liberalen. Aber diese Ansicht konnte nur entstehen aus der falschen Wendung: Kampf gegen die Assimilanten. In Wahrheit kämpfen wir um die Seelen der deutschen Juden, die wir dem jüdischen Volke erhalten und wieder zuführen wollen. Nur einer völligen Unkenntnis der Tatsachen.kann die Ansicht entstammen: „Wo blühendes Leben ist da finden sich die wertvollen Elemente, auch ohne die häßliche Propagandaarbeit, von selbst ein." Diesen Elementen muß doch zunächst die Kenntnis vermittelt werden, daß irgendwo „blühendes Leben44 ist. Diese Vermittlung dem Zufall aus der Hand nehmen und nach menschlichem Ermessen jedem, der in Betracht kommt, zugänglich machen, das ist Propagandaarbeit! Es ist doch der Gipfel der Verbohrtheit, behaupten zu wollen, die wirklich wervollen Elemente fänden diesen Weg ohne äußeren Anlaß von selbst die Teilung in K. J.V-^er und K. C.-er sei eine natürliche Scheidung der wertvollen und der wertlosen Elemente. Fast alle Zionisten wenigstens in Deutschland, verdanken ihren Zionismus irgend einem Zufall, einem persönlichen Zusammentreffen, dem Fund einer Broschüre einem antisemitischen Zwischenfall usw. Fast alle K. J. V-er könnten K. C.-er geworden sein (wie viele standen gedanklich oder tatsächlich vor der Taufe!), fast alle Blau-Weißen Kameraden; die überwiegende Anzahl der K. C.-er hätte ins K. J. V. und damit in den Zionismus gehen 'können. Es mag in beiden Kartellen Ausnahmen geben, die nur in das eine Kartell aus Charakteranlage hatten gehen können. Die Umbildung, welche die Menschen völlig verschieden macht, vollzieht sich doch erst im Kartell»

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