Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537737-3537743--4703-3542459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

278 Vom Präsidium gessenlheit geraten sind. Wir 'glauben, daß in der gegenwärtigen Zeit jüdische Akademiker dringendere Aufgaben haben als die Erneuerung derartiger alter Reibereien. Wir halten es daher für das Beste, wenn zwischen den Angehörigen Ihres und unseres Präsidiums sine Aussprache stattfindet, um das Verhältnis der beiden Verbände zu einander zu klären. Wir sehen Ihrem Bescheide entgegen, ob Sie zu einer Aussprache Ibereit sind." Antwort des Präsidiums der B. J. A. vom 27. April: - „Wir bestätigen ergebenst Ihr gefälliges Schreiben vom 17. 4., das ■wir gestern erhielten- Wir freuen uns, aus ihm entnehmen zu können, daß die alten Zwistigkeiten zwischen B. J. A. und B. J. C. bei Ihnen in Vergessenheit geraten sind. Wir müssen aber doch daran erinnern, daß •der Abbruch der Beziehungen seinerzeit nicht von unserer, sondern von ihrer Seite erfolgte, und daß Ihre bisherige Taktik uns gegenüber dauernd den Stempel jenes uns brüskierenden B.J.C.rBescMusses trug- Wir können deshalb in dem Verhalten unserer Berliner Bundesvereinigung eine Erneuerung alter Reibereien nicht erblicken. Dies zur Richtigstellung. Sachlich aber sind wir freudig bereit, Ihr Bestreben zu unterstützen, das Verhältnis der beiden Verbände zu einander zu klären. Allerdings scheint uns eine Besprechung von Vertretern der Präsidien, zu der Sie uns freundlichst einladen, im -gegenwärtigen Augenblick nicht opportun zu sein, da wir ohne Befragung des Bundestages nicht in der Lage sind, selbständig Erklärungen darüber abzugeben, wie wir uns das zukünftige Veihältnis unserer Kartelle denken. Unsere Verhandlungen, die doch einem Austausch der beiderseitigen Meinungen dienen sollen, müßten daher erfolglos verlaufen. Wir werden indes veranlassen, daß uns auf denuMitte Juni stattfindenden Bundestage Direktiven darübererteilt werden, nach welchen Grundsätzen wir über unser gegenseitiges Verhältnis werden verhandeln können. Wir werden uns sogleich nach dem Bundestage gestatten, auf Ihren geschätzten Brief zurückzukommen,, und bitten Sie, sich bis dahin gedulden zu'wollen. Wir hegen die Hoffnung, daß es bei beiderseitigem guten Willen gelingen wird, auf gesünderer Grundlage einen modus vivendi für unsere .Kartelle zu finden.4' Dann schrieb das Präsidium des B. J-A. am 19. Juni: „Entsprechend unserer Mitteilung vom 27. April!hat sich unser Bundestag mit der Neuregelung der Beziehungen zu den anderen jüdischen Studenten verbänden beschäftigt. In Ihrem Schreiben vom 17. April haben Sie dem Wunsche Ausdruck gegeben, das gespannte Verhältnis zwischen unseren Verbänden aufzugeben. Obwohl wir in Ihren bisherigen Aeußerungen keineswegs eine Genugtuung für die uns von Ihrer Seite gewordene Brüskierung erblicken können, .sind wir doch gern bereit, auch unsererseits den alten Streit als abgetan ..zu erklären. Auf Grund der Tendenz und Ziele unseres Bundes hat der Bundestag hinsichtlich .unserer Beziehungen zu allen anderen jüdischen Studenten- verbänden folgendes festgestellt: Die jüdischen Studentenverbindungen ^dienen der Erziehung ihrer Mitglieder zu Persönlichkeiten bestimmten ^Gepräges. Die Erzie'hungsideale der einzelnen Verbindungen sind in iprinzipieMen Punkten völlig -von einander geschiedem. Unvereinbar Ist insbesondere die auf dem überlieferten Gottesgesetz .beruhende Weltanschauung des B. J.A., mit jeder anderen,, im menschlichen' Urteil und Willen allein wurzelnden. Unvereinbar sind darum auch die Erziehungsideale, die aus diesen verschiedenen Weltanschauungen fließen. Diese Feststellung erfogt unsererseits aus rein sachlichen Beweggründen und mit durchaus friedlicher Gesinnung. Angesichts der vom Bundestag einmütig anerkannten, tief gehaltenen Unterschiede ist dieser zu dem Ergebnis gekommen, daß feste Beziehungen zwischen den Vereinigungen unseres Bundes und denen anderer Kar-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.