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Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Toeplitz, Rosch-haschanah-Wunsch 275 schnitt Anhängenden nicht klar ist. Es ist nicht meine Sache, hier von 4er Wichtigkeit der- „äußersten Rechten" für das Kartell zu sprechen. Ich bin von dieser Wichtigkeit' nicht überzeugt und so mögen das .die „Korporativen", die mit mir hier formell übereinstimmen, tun, aber ich möchte darauf aufmerksam machen, daß schon heute und natürlich nodh viel mehr in dem Augenblick, in dem die Politik der Sammlung um den JDurdhsähnitt" bedeutendere Erfolge haben sollte, dem Kartell nicht nur einzelne, „wertvolle", 'Sondern viele wertvolle Menschen verloren gehen. Es ist ganz sölbstverständlidh, daß in einer Zeit, die für den jungen 'Menschen sostark erfüllt ist mit Ideen, denen sich — auch Erich Cohn verlangt ja die ideale Lebenseinstellung als einzige Vorbedingung — hinzugeben einem wahrhaft jungen Menschen nun einmal notwendig ist, daß in einer solchen Zeit .also unsere Wirkung, unsere Keilerfolge, bei solchen Menschen jämmerlich sein müssen, wenn wir nicht einem Ideal wie etwa dem des Sozialismus, das den (ganzen Menschen fordert und durchdringt, etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen haben, also einen Zionismus, der in gleicher Weise das iganze Sein des jungen Menschen auf andere Grundlage stellt. (Um jegliche Irrtümer zu vermeiden, bemerke ich, daß ich nicht etwa Zionismus irgendwie dem Sozialismus konträr ihinstelle.) Mit einem mehr oder weniger schönen und harmonischen „Verbindungsbetrieb" fallen wir elend ab; die Menschen, die uns innerlich zugehörem, .stoßen wir durch unser, noch mehr als sdhon unser sonstiges Leben mit unsern «großen Worten kontrastierendes, Verbindungsleben nur ab.. Hier und nicht in irgendwelchem Hochmut oder einer Undiszipliniertiheit scheint mir der Grund für eine so sehr bedauernswerte Tatsache zu liegen, daß sechs .zionistisdhe Akademiker — Blau-Weiße — sich vom Kartell fernhalten. Die Situtation, daß wir — die national-jüdische Akademikerschaft — uns krampfhaft an Formen halten (und sei es noch so gemildert), die der Teil der deutschen! Studentenschaft, der uns geistig nahe steht oder es wenigstens sollte, längst überwunden hat, ist doch wirklich gar zu lächerlich, und es erscheint mir als ein Beweis von Altersschwäche und Verknöcherung, wenn das Streben nach neuen Formen, die wir eben auch finden müssen, -als staatsgefährlich verboten wird. Verbrecherisch aber geradezu gegen den Zionismus erscheint es mir, wenn, wie wir es erlebt haben, in systematischer Weise die Arbeit derjenigen, d*e etwas von der frischen Luft, die draußen in der Welt weht, in die etwas muffige Atmosphäre eines beschaulichen Verbindungsbetriebes hereinlassen wollten, sabotiert wird. Und leider erwecken die heftigen Angriffe im letzten J. St. von Seiten der verschiedenen Präsidiumsmitglieder für den, der die Dinge etwas genauer kennt, den gleichen Anschein. Man veröffentlicht glossierend ein Austrittsgesuch, das von Ehrlichkeit «und Ernst diktiert ist. Es sind nicht wenige im Kartell, die vielen wesentlichen Ausführungen dieses Austrittsgesuchs durchaus 'zustimmen. Sie hält im Kartell der Wille zur Arbeit und zum Wirken für inre Anschaungent. Möchte ihnen nicht eines Tages das Wirken unmöglich gemacht werden! Das würde zwar nicht den materiellen. Abbruch, wolhl aber den der geistigen Entwicklung des Kartells, wenn nicht ihr Ende bedeuten! Freiburgi-Br. Werner Senator Rosch-haschanah-Wunsch Liebes Präsidium! Unter den vielen Rosch-haschanah-Briefen fällt mir ein, daß Du doch auch eines Glückwunsches recht sehr bedarfst, und ich will Dich daher in meine Liste aufnehmen. Du hast sicher mit den besten Vorsätzen die Arbeit seiner Zeit übernommen und mußt nun erleben, daß eine so beträchtliche Zahl von Bundesbrüdern Dir in den Rücken fällt und auch die anderen nicht die rechte Freude an Dir haben. Woher das kommt? In einer Jugend-

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