Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Senator, K. J. V.-Reaktion? wohl nicht aus dem Blau-Weiß, der so gefährlichen Jugendgemeinschaft, stammt. ad 5: Hierzu ist zu sagen, daß — da ja 'beide — Stein und Kupferibers — Einordnung verlangen, und nur über die Form — freiwillige oder zwangsinäßige — der Streit geht, — doch mindestens nach dem Zusammenbruch des großartigsten, uns doch schon irgendwie Eigenbesitz gewordenen Zwangssystems, des Preußentunis, und nach dem schon jetzt nicht minder offenbaren des zentraMstischem Sozialismus die Grundlagen unserer „Disziplin" und damit die Forderung der „Beseitigung" des Individualismus noch einmal geprüft werden müssen, die Sätze kaum mit solcher apodiktischen Sicherheit ausgesprochen werden können. So sehr ich Stein in seiner Polemik gegen die ganz törichte — und wirklich nur aus seiner offenbaren Unkenntnis des Militärdienstes herrührende — Auffassung Kupferbergs von der »Gemeinschaft" draußen recht gebe, so beachtenswert mir seine Kritik einer verschwommenen Terminologie erscheint» 'die, in der Tat, um die Dinge nicht beim rechten Namen zu nennen, oft merkwürdige Verrenkungen an sich hat, so muß ich doch zu erwägen geben, ob denn in der Tat ,die Beseitigung des wieder hervorbrechenden Individualismus" die Aufgabe sein kann* Weiter darauf einzugehen* müßte hier zu weit führen. — Wenn ich nun zu einer allgemeinen Beurteilung dieser ganzen, ja nur als Symptome herausgegriffenen Sätze komme, so halte ich mich für verpflichtet, deutlichst zu erklären, daß meiner Ansicht nach hier eine solche von oben betriebene Hetze (ich kann keinen milderen Ausdruck hier mehr gebrauchen) unpolitisch, unwirksam und unmoralisch ist. Gerade im Interesse der „Einheit des Kartells als der Organisation der national-jüdischen Akademikerschaft" muß das gesagt werden. Unpolitisch: denn ich weiß nicht, wie sich die Leiter dieser Politik, die ja doch gleichzeitig Vertreter eben dieser Einheit des Kartells sind, zu der Möglichkeit stellen, daß eines Tages (plötzlich einmal sich die Mehrheit als zu den „Jungen" gehörig herausstellt, eine Möglichkeit, die ja übrigens bereits heute durch Zufall oder planmäßigen Besuch etwa einer Universität durch einen Kreis solcher „Jungen" jeden Augenblick in einer Verbindung sich ergeben könnte. Was aber soll dann sein? Schließlich kann man doch nicht je nach der jeweiligen Stärke der Parteien eine Verbindung .raushängen und wieder aufmachen! Unwirksam: denn — den ja allerdings möglichem Fall ausgeschlossen, daß das Kartell bei diesem krampfhaften Versuch, eine Einheit, geistige Uniformiertheit, herzustellen, zerbricht — so wird doch im Ernst keiner glauben, eine Bewegung (nicht die .„verdächtige" Jugendbewegung), eine Richtung, die immerhin trotz aller UnvoHkommenheiten doch irgendwie auf eine gute Zukunft gerichtet ist,, durch Verbieten, durch Unterwerfung, durch solche offiziellen Angriffe vom Präsidium aus totmachen zu können. Dazu ist nun einmal -schon viel zu viel Bewegung da und mir scheinen, wenn man Erich Cohns Definition? des Kartells als Organisation der nationaljüdischen Jugend annmimt (eine Anschauung, auf deren Aeußerung hin m i r allerdings vom Präsidium ider Vorwurf mangelnden Interesses am Kartell gemacht wurde), die Schwierigkeiten eines1 Zusammenhaltens bedeutend gemildert zu sein. — Unmoralisch: Denn mir scheint, die ganz einseitige Parteinahme dieses Präsidiums der Sammlung, der Einheit des Kartells, die noch dazu wahrscheinlich öfters auf einseitigen — weil -parteimäßigen — Informationen •beruht, nicht geeignet, eine so reinliche Atmosphäre zu schaffen, wie sie zum Anstrag des Kampfes, zur klärenden Auseiinan!dersetzuni& nun einmal notwendig ist. / Ich muß nun aber weitergehen und Einiges .sagen, was vielleicht doc& manchem die Augen öffnet und für die Frage, von woher dem Kartell und dem Zionismus Schaden und Gefahr droht, bedeutungsvoM ist. Es scheint mir nämlich, als ob das Präsidium" sich über die Folgen und Gefahren des Ausscheidens aller nicht dem augenblicklichen Durch-