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Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Markiewitz, Die Ringbildung und ihre Gegner 269 .Wir halfen uns für verpflichtet, in dieser Ausführlichkeit auch auf diesen Punkt einzugehen. Das Kartell wird darnachrichtig würdigen können,, wieweit Markiewitz für die Ankläjgerroile legitimiert ist, in der ersieh gefällt. Etwa auf derselben Hohe -steht der Vorwurf, .daß wir Buhdesbrüderanderer sachlicher Meinungen halber auszuschließen beabsichtigten. Schon in dem gemeinsamen Rundschreiben des V. J. St. Berlin und der Zephirah haben sich die Ringarihänger als verfolgte Märtyrer hingestellt und von einer Proskriptionsliste erzählt. Auch hier wieder wird uns nachgesagt, wrir regierten mit Feuer und Schwert. Der kränkende Vorwurf, daß wir die Vertrejiung sachlicher Meinungen mit Ausschluß bestrafen wollten, wirkt sonderbar, wenn man sich überlegt, daß wir es gewesen sind, die immer für freieste Meinungsäußerung eingetreten sind. W i r vertreten doch nicht jene merkwürdige Art von Toleranz, die erklärt, mit anderen nicht-leben/' zu können, und daher Ringe fordert. Wir verlangen zionistische Pflichterfüllung und Beachtung der Grundlagen und Gesetze unseres Bundes. Diese Forderungen; mit Energie zu vertreten, halten wir für unsere Pflicht. Jede Meinung, die mit ihnen vereinbar ist, hat im Kartell, solange wir e$:~ leiten, vollste Freiheit. Im einzelnen ist die Zahl der Austritte im Verhältnis zu früheren Zeiten bedeutend zurückgegangen. (Man denke daran, daß früher im K. J. V. fast jedes Jahr am Ende einer der üblichen Differenzen eine ganze Anzahl von Bundesibrüdern ausschied.) Mit den Austritten hat das Präsidium (außer in Heidelberg) nicht das Geringste zu tun, sondern nur die Verbindungen. Die Ringanhänger, die für korporative Geschlossenheit sind, werden doch den» Verbindungen uicht verbieten wollen, Leute 'hinauszusetzen, die zionistisch nichts leisten, Veranstaltungen nicht besuchen sich der Disziplin nicht einfügen oder sieh sonst mit der Verbindung nicht vertragen können. (Den Austritten steht übrigens eine hohe Zahl von Wiedereintrittsgesuchen 'gegenüber, die deutlich zeigen, daß die Geltung des Kartells steigt.- Sollen wir etwa den Undisziplinierten und Azionistera auch noch je einen Ring einräumen? Der Austritt einiger Bundesbrüder in Heidelberg, der freiwillig nach freier Aussprache auf dem Konvent erfolgt ist, hatte zur Folge, daß das Semester gut zu Ende geführt werden konnte; er war also wohl nicht unangebracht. Wir glauben, daß wir die geringe Zahl notwendiger Verluste nicht allzu sehr beklagen dürfen, wenn wir sie natürlich a/uch nach Möglichkeit einzuschränken habea Zu den sachlichen Ausführungen des Artikels können wir im Allgemeinen auf unsere Darstellung in diesem Heft verweisen. Einige Ergänzungen sind notwendig. Markiewitz behauptet, die Einheit des Karteils sei schon vom Kartelltag theoretisch aufgegeben worden. Wir haben hier wieder einmal ein Beispiel dafür, wie die Tatsachen zurecht gebogen* werden, um unrichtige Behauptungen zu stützen. Die Beschlüsse des Kartelltags «eben den Verbindungen eine Anzahl einheitlicher Richtlinien. Eine Spezialisierung wurde nur für besondere Arbeitsgebiete zugelassen.*) Abschließunrgen nach Anschauungen u. dgl. wurden nicht 'gestattet.. Auch bei der — an sich selbstverständlichen — theoretischen Zulassung von Arbeitsgruppen in den Korporationen wurde die Aufreohterhaltung der Einheit betont. Die grundlegende Entscheidung fällt bei Markiewitz ganz unter den? Tisch: nämlich die Wahl des Präsidiums, dessen Programm und Aufgabe die Einheit des Kartells bildete und sdas im Kampf gegen die Dezentralisation stendenzen gewählt wurde. *) Wir betonen bei dieser Gelegenheit, daß wir eine Differenzierung nach Arbeitsgebieten als Folge einer weiteren Ausbreitung und organisch e n Entwickelung des . Kartells in Zukunft für möglich halten; sie stände nicht in Widerspruch mit der von uns vertretenen Einheit der geistigen Grundlage, sie hätte nichts zu tun mit den heute erhobenen, auf Kampfstimmung, und Ueberdruß aufgebauten Forderungen.

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