Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Markiewitz, Die Ringbildung und ihre Gegner 267 Keilfux, .gleichgültig in welchem Ringe er aktiv wird, dem Kartell nicht verloren gdht. Schließlich sehe iah 'keinen Unterschied zwischen dem 'erstrebten und dem jetzigen Zustande, da ja auch jetzt schon die verschiedenen Verbindungen am selben Orte gesondert keilen, und ich 'hoffe .zuversichtlich, daß es möglich sein wird, etwa bestehende Reibungsflächen durch Kelkonventionen zu beseitigen. Andererseits wird aber die Keilarbeit insofern gefördert werden, als wir die Zeit, die wir jetzt zuweilen mit Diskussionen über die Notwendigkeit der Keikrbeit zubrachten, für diese selbst werden nutzen können, und als auch die anderen, die jetzt in ihrem Intensivierungsdrange über jedes extensive Streben sich erhaben dünken, aus Selbsterhaltungstrieb zur Keilarbeit gezwungen sein werden. Die statistischen Erhebungen des Präsidiums über die Keilerfolge mögen für manchen erhebend sein, beweisen aber gegen die Ringbildung nicht das geringste;* denn sie lassen immer noch .die Frage offen, ob nicht das Ergebnis nach vollzogener Ringbildung nocih günstiger wäre, wie wir aus den oben angeführten Gründen erwarten. Wenn aber schon das Präsidium die Köiierfolge als Aktivposten seiner Einheitspolitik buchen will, dann sollte es nicht verfehlen, auch die Opfer eben diese* Politik in Abzug zu bringen, und es wird einem bei der Lektüre des letzten J. St. zweifelhaft gewesen sein, ob die Freude über die Keiilerfolge überwog cder die Trauer über den Austritt von Bundesbrüdern, der in der „Krisenverbindumg" Heidelberg z. B. geradezu epidemisch zu sein scheint. Wenn man die Haltlosigkeit aller dieser Einwände, die gegen die Ringbildung erhoben werden, erkannt (hat, so wird auch der letzte Einwand entfallen, daß die Einheit des Kartells im Interesse des Zionismus geboten ist. Denn einmal muß immer wieder betont werden, daß die Alternative nicht Einheit oder Trennung heißt, sondern wahre oder gekünstelte Einheit; sodann aber kenne ich keinen Unterschied zwischen den Interessen des Kartells und denen des Zionismus, bin vielmehr der Meinung, daß, wenn wir durch die Ringbiidung das Kartell fördern, dies letzten Endes auch dem Zionismus zugute kommen muß* Breslau im September 1919 Lothar Markiewitz Nachbemerkung Wir haben uns in der Ringfrage von Anfang an bemüht, unsere Handlungen den Wirkungen jener Atmosphäre «der Gehässigkeit zu entziehen, die uns sogleiah entgegentrat -und in der sich »manche Bundesbrüder doch wohl zu fühlen -scheinen. Die von Bbr. Markiewitz beliebte Art der Polemik macht es uns wieder einmal recht schwer,' unsere Haltung so einzurichten, daß »si'e nur die Interessen des Kartells zum Ausdruck bringt und darauf verzichtet, die Kampfmethoden1 mancher Ringanhänger persönlich zu Qualifizieren. Wir begnügen uns trotzdem mit der notwendigen Feststellung, daß die von Markiewitz zu Beginn seines Aufsatzes gegen das Präsidium erhobenen Vorwürfe eine grobe Unwahrheit darstellen. Es ist einfach nicht richtig, daß wir den persönlichen Ton in die Diskussion getragen haben. Wir haben uns sofort um sachliche Klärung bemüht, und die Zephirah ist es gewesen, di'e zuerst in ihrem Rundschreiben vom 9. August 1919 das Geschrei über Unbundesbrüderlichkeit, politische Vergiftung u. dgL erhoben hat und bis heute fortsetzt. Zu unserm Bedauern müssen wir darauf näher eingehen, um beim Kartell auch in dieser Beziehung keine Unklarheit bestehen zu lassen. Am .28. Juli wurde den Verbindungen der Beschluß der Zephirah (ohne .sachliche Begründung) bekanntgegeben. Wir »erkannten, daß ^es unsere Pflicht sei, sofort gegen diese Gefährdung des Kartells. aufzutreten. (Uebar die besondere Bedeutung des für die Breisliäuer Aktion gewähltem Zeitpunktes s.' umsere umfassende Darstellung in diesem Heft.) Der bisherige Erstchargierte der Zephirah focht im Auftrage einer großen Zahl von Bun-