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Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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266 Markiewitz, Die Ringbildung und ihre Gegner mur dann berechtigt ist, wenn sie aus den gegebenen Verhältnissen sich entwickelt und wenn sie für die Gesamtheit sowohl des Kartells wie des Zionismus zweckdienlich ist. Damit komme ich auf die Zweckmäßigjkeitsgründe zu sprechen, die gleichfalls von den Gegnern immer wieder ins Treffen geführt werden. Es ist zuzugeben, daß es noch andere Wege gibt, der Gegensätze im Kartell Herr zu werden. Von ihnen allen seiheint mir der Weg, den das Präsidium vorschlägt und zum Teil schon beschritten! hat, nämlich jede Opposition, sei -es von rechts oder links, hinauszudrängen, der allerunglücklichste. Denn wohin soll das führen? Das Rumpf kar teil wird einheitlich sein, aber .der Zerfall in zwei Kartelle wird jnicht verhindert. Nur daß die beiden Kartelle jeden Zusammenhang verlieren, ja mehr noch, infolge der vorausgegangenen persönlichen Kränkungen und Differenzen sich gegenseitig bekämpfen werden, während jetzt noch durchaus die Möglichkeit besteht und .unser eifrigstes Bestreben sein soll, über der Ringbildung die höhere Einheit des Kartells nicht zu vergessen iund jede Konkurrenz, soweit sie schädlich ist, auszuschalten* Ebensowenig gangbar scheint mir der Ausweg zu sein, den Siegfried Rosenbaum auf einem Breslauer Konvent vorgeschlagen hat. Er forderte dort von uns, daß wir, wenn sachliche Differenzen beständen, den Mut haben müßten, mit den anderen zu kämpfen, und darauf vertrauen müßten, die anderen zu uns hinüberzuziehen. Hier trennen sich allerdings unsere Wege. Gerade das, was Rosenbaum vorschlägt, wollen wir vermeiden. Wir sind es satt,, unsere beste Kraft in unfruchtbarem Kampfe gegen Bu'ndesbrüder zu vergeuden; wir sind nicht intolerant genug, Bundesforüdern mit ariderer menschlicher Einstellung .unsere Eigenart aufzuzwingen, und wir sind schließlich der Meinung, daß gerade durch den Rosenbaumschen Vorschlag die innere Einheit des Kartells erheblich gefährdet würde. Auf der anderen Seite haben wir das Vertrauen, .durch die Ringbildung unsere Kräfte für positive Arbeit frei zu bekommen und statt des Kampfes Achtung vor unseren gegenseitigen Leistungen und damit wahres bundesbrüderliches Gefühl wieder zu erwecken. Dieses Vertrauen wird auch durch den Hinweis auf das unerquickliche Verhältnis zwischen B. J. C. und K. Z. V« nicht erschüttert. Soweit darunter jene kleinen Sticheleien verstanden werden, die im Grunde niemand ernst genommen hat, bestehen sie, nach den Breslauer Verhältnissen zu urteilen, zwischen den verschiedenen Verbindungen auch jetzt schon. Im übrigen ist aber die Parallele vollkommen abwegig. Es ist falsch, wie Deutschmann die Fusion lediglich auf die beiden Kartellen übergeordnete Idee des Zionismus zurückzuführen; denn dann müßten eines Tages auch Herzl-Bund und K. J. V. zu einer Fusion kommen. Nicht mur die Idee war einheitlich, sondern, namentlich nach dem Königsberger Kartelltag, auch die Erziehung in und zu dieser Idee sowie ihre konkreten Ausdrucksmittel, und der Kampf zwischen K Z. V. und B. J.G. war vielleicht gerade deshalb so unerquicklich, weil er in Ermangelung sachlicher Differenzen einen rein persönlichen Charakter angenommen Chatte. Dagegen müssen wir heute, wie wiederholt ausgeführt, eine tiefgehende sachliche Gegensätzlidhkeit konstatieren, die darum so unerquicklich wirkt, weil sichdie verschiedenen Richtungen nicht frei entwickeln und ausleben können, mit anderen Worten, wir hatten früher eine gekünstelte Zweiheit, die zur' Fusion drängte, während wir heute eine gekünstelte Einheit haben, die zur Ringbildimg drängt, Diesen Unterschied muß man besonders bei der Beurteilung der Keilarbeit sich vor Augen halten. Ich will dahin gestellt bleiben lassen, ob diese früher durch die Konkurrenz zwischen B. J. C. und IvZ. V. mehr gefördert oder gefährdet wurde. SoMte das letztere der Fall gewesen sein, so wäre es dadurch genügend erklärt, daß es eine Hetzjagd um das gleiche Wild war, während heute die Keilfüxe der Hadheruth z. B. für die Zephirafa nur sehr bedingt in Frage kommen und umgekehrt- Von deinem gegenseitigen Abkeiien droht jedenfalls keine Gefahr, da ja der

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