Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Markiewitz, Die Ringbildung und ihre Gegner die Ringbildung vernichtet werden könnte? Als ob jene Ringanhänger nach der sogenannten Zertrümmerung des Einheitskartells keine zionistischen Kampfgenossen mehr sein würden, als ob sie nicht mehr im Zionismus die übergeordnete Idee erblickten!, als ob sie . nicht nach wie vor dm Kämpfen und Ringen für das zionistische Ideal ihres Lebens Aufgabe und Ziel fänden! Nein, so einfach liegen die Dinge nicht, und wenn die Deutschmannsche Definition richtig wäre, so wäre die Kartelfeinheit: identisch mit der Einheit der zionistischen Weltorganisation, von der niemand wird behaupten wollen, daß sie durch .die Ringbildung gefährdet wird 'Ebenso ist es mit dem Begriff der Bundesbrülderliöhkeit. Wenn: dieser wirklich mit dem Begriff der Kampfgemeinschaft so untrennbar verknüpft ist, daß wir nur Bundesbrüder sind, weil wir Kampfgenossen sind, dann vermag ich nicht einzusehen, warum ich nicht jeden zionistischen Akademiker oder auch jedes Mitglied des Herzl-Bundes als meinen Bundesbruder betrachten sollte, da er doch mein Kampfgenosse ist. So unlogisch also dieser Einwand ist, so interessant ist er gerade für die Konstatierung der Tatsache, daß die Einheit des Kartells eben mur noe& eine Fiktion ist. Denn für uns ist eben das Kartell nicht nur eine zionistische Kampfgemeinschaft, sondern zugleich eine Lebensgemeinschaft,, deren Einheitlichkeit nicht allein durch das gemeinsame Streben nach dem? letzten Ziele, sondern ebenso sehr durch den gemeinsamen Weg: zu diesem Ziele und ihre Ausdrueksmittel und Formen verbürgt wird; und für uns ist eben auch die Bundesbrüderlichkeit nicht nur eine zionistische- 'Kampfgenossenschaft, sondern darüber hinaus eine enge persönliche Verbundenheit oder wenigstens ein Gefühl, das des Wohlwollens, Vertrauens und der Herzlichkeit nicht entraten kann und das im anderen niemals* einen Widersacher «und Gegner sieht, den er mit Ironie und Hohn und anderen Mitteln des politischen Kampfes und der Dialektik bekämpfen und erledigen und verunglimpfen kann.*) Im übrigen läßt sich ein solches- Imponderabile wie die Bundesbrüderlichkeit nicht rein logisch erfassen; gefühlsmäßig aber empfinden wir, daß bei dem Kampfe ßregen die (Ringanhänger die Bundesbrüderlichkeit jedenfalls nicht Pate gestanden hat. Von mancher Seite ist versucht worden, die Ringbildung lediglich als; ein Ergebnis des Zwirn-B'umenfeld'sdhen Streits hinzustellen und ihr von-' vornherein den Boden dadurch zu entziehen, daß man ausstreute, es handele sich gar nicht so sehr um sachliche als um persönliche Gegensätze.. Dagegen spricht aber schon die Tatsache, daß der Gedanke der Ringbildung fast gleichzeitig im ganzen Reiche auftauchte und der erste Anstoß von Bundesbrüdern ausging, die Zwirn nicht persönlich und schon? gar nicht in seiner Stellung im Kartell kannten, Ueber das, was uns sachlich von einander trennt, werden die Verbindungen unterdessen durch unseren Programmentwurf unterrichtet sein. Da Aeußerungen hierzu noch5 nicht vorliegen, soll auch die Antikritik noch schweigen. Nur eine .seltsame Erscheinung aus dem Breslauer Verbindungsieben soll hier erwähnt werden: als wir unser Programm auf einem Altherren-Konvent vertraten,,, sind wir am meisten von der Seite angegriffen worden, von der wir es am' wenigsten erwartet hätten, nämlich von den Bundesbrüdern der Hacheruth. die jede sachliche Differenz leugneten und erklärten, unser Programm voll: und ganz 'unterschreiben) zu können. Nun, das einfache Leugnen war schon immer die bequemste Verteidigung, und im Zivilprozeß mag es dienlich sein. Aber hier, wo es sich darum handelt, den besten^ Ausweg für uns alle zu finden, kommen wir keinen Schritt weiter, wenn man Tatsachen vertuschen will oder gleich dem Präsidium gefärbte Berichte herausgibt, bei' deren Lektüre selbst der Ringfbildung Fernstehende uns erklärten: Man' merkt die Absicht, unid es ist vorbei. Wie merkwürdig! Gerade diejenigen, die den Keil in das Kartell hineingetragen und als erste in besonderen Verbindungen sich abgespalten haben, machen jenen einen Vorwurf daraus, die diese Tatsachen konstatieren und die Konsequenzen aus ihnen «ziehen- *) Vergl. Herlitz im 14. Kriegsheft des J. St.