Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Markiewitz, Die Ringbildung und ihre Gegner 263 Die Ringbildung und ihre Gegner Die Lage des Kartells erscheint vielen von uns traurig, aber wer sich ehrlich bemüht, sie zu bessern, läuft Gefahr, wenn sein Streben der Präsidiumspolitik nicht genehm ist, ausgeschlossen zu werden; und das;st das Allertraurigste dabei. Weil wir in bester Ue'berzeugung für den Beschluß der V. J. St. Zephira uns eingesetzt haben, dieser Beschluß aber den Diktatoren in Berlin gegen den Strich ging, mußten wir es uns gefallen lassen, als unbundesbrüderiiche, unanständige, Verantwortung«- und gewissenlose Störenfriede an den Pranger gestellt zu werden, ohne daß man es für nötig gefunden hätte, uns vorher Gelegenheit zur Aeußerung zu geben. Was Wunder, wenn dadurch eine Atmosphäre der Gehässigkeit geschaffen wurde, die eine ruhige Erörterung und vielleicht auch Verständigung außerordentlich ersahwerte- Um so mehr ist es zu begrüßen, daß sich endlich Leute gefunden haben, die über den Kampf der Personen den um die Sache nicht vergessen haben und uns nicht lediglich wegen angeblicher Formalverstöße befehden, sondern eine sachliche Auseinandersetzung anstreben. Der wichtigste Einwand, den man gegen die Ringbildung ins Feld führt, geht dahin, daß durch sie die mühsam erkämpfte Einheit des Kartells wie- 'der in die Brüche gehen müßte. Ist nun diese Einheit effektiv vorhanden, und wenn ja, ist sie ein so unumstößliches Dogma, daß jeder Versuch, sie zu zerstören, schon um dieser Wirkung willen als unzweckmäßig gelten muß? Ich mlöchte, um es vorweg zu nehmen,, beide Fragen verneinen. Man muß, wenn man von der Kartelleinheit redet, die formal-organisatori-sche und die ideelle ^Einheit, will sagen, die Einheit der Ideen, des Willens und der Zielstrebigkeit, scharf auseinanderhalten. Die organisa* torisohe Einheit ist zweifellos nicht mehr vorhanden. Sie ist in der Theorie aufgegeben worden in dem Augenblick, wo der Kartelitag entschieden hat, daß den Einzelkorporationen in der Gestaltung ihrer Verbindungsformen der weiteste Spielraum (gewährt wird, und sie ist in der Praxis aufgegeben worden, indem die Verbindungen von dieser Ermächtigung Gebrauch machten und Korporationen — doch nein, schon der gleiche Name ist falsch — Vereinigungen von Menschen entstanden, die sich voneinander unterscheiden, wie etwa Hacheruth und Zephirah, von denen ich beinahe überzeugt bin, daß kein Cheruthianer sich in der Zephira recht heimisch fühlen könnte- Warum aber diese notorische Zweiheit am gleichen Orte soll bestehen können, warum es dagegen verboten sein soll, die entsprechenden Verbindungen innerhalb des Reiches zusammenzufassen, darauf ist bisher noch jeder die Antwort schuldig geblieben. Und die ideelle Einheit? Ist es nicht bezeichnend, daß schon über den Begriff dieser Einheit keine Einheit erzielt werden kann? Freilich, wenn man die Einheit nur so auffaßt wie Deutschmann in seinem letzten J. St.-Artikel, nämlich als die dem Kartell übergeordnete Idee des Zionismus, als ein gemeinsames Kämpfen und Ringen für das zionistische Ideal, kurz, als eine Art (Kampfgenossenschaft, dann wäre es töricht, zu leugnen, daß die Einheit des Kartells noch besteht. Aber ist es dann nicht genau so töricht, zu behaupten, .daß diese so verstandene Einheit durch