Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Die Ringbildung Gemeindepolitik und der Kampf um die jüdische Schule usw. Voraussetzungen für die Nationalisierung des Galuth und darum selbstverständliche Pflicht eines jeden Nationaljuden. Schließlich wollen wir uns noch bewußt bleiben, welches bedeutsame Moment für die Gemeinschaftsbildung in der Tradition liegt- Wir wollen dementsprechend die wertvollen Momente der B. J. Cbezw. K. J. V.- Tradition uns zu eigen und vor allem den gewiß nicht unfruchtbaren Versuch machen, die unermeßlichen Schätze des alten Judentums, uns nutzbar zu machen. Welche Forderungen sich aus dem bisher Gesagten für die äußere organisatorische Gestaltung der Ringe und ihres Verhältnisses; zueinander ergeben werden, das im einzelnen festzustellen, wird Aufgabe der nun einsetzenden Diskussion und des ersten Ringkartelltages sein. Unsere persönliche Meinung geht, um es in Kürze zu sagen, dahin, daß selbstverständlich Ueberweisungen nur innerhalb der Ringe stattfinden werden, daß das Stimmrecht in jeglicher Form nur Angehörigen der Ringverbindungen innerhalb ihres Ringes zusteht und daß schließlich die Ringe selbst durch besondere Präsidien als Zentralinstanz für innere Ringangelegenheiten, insbesondere die Aufstellung und Durchführung ihrest Erziehungsprogramms, nebeneinander verselbständigt werden. Die Teilarbeit wird an den verschiedenen Orten durch Uebereinkunft der verschiedenen Verbindungen zu regeln sein. Im übrigen ist es nur unser Wunsch,, und wird es auch ferner unser Bestreben sein, den Zusammenhang auch unter den Bundesbrüdern der verschiedenen Ringe nach Möglichkeit zu fördern und zu stärken. Als geeignete Mittel hierzu gedenken wir uns ein gemeinsames Kartellpräsidium ,etwaige gemeinsame literarische Publikationen und überhaupt gemeinsame Institutionen für alle Angelegenheiten, die gemeinsame akademische jüdische Aufgaben sind. Letzten Endes glauben wir jedoch, daß ein stärkeres Bindemittel als gemeinsame Organisationsformen darin liegen wird, daß wir uns nicht mehr über den Erisapfel des besseren Zionismus streiten, sondern auf Grund von Arbeit und Leistung gegenseitig schätzen lernen und anerkennen werden. Bisher mußten beide Gruppen ihre besten Kräfte im Kampfe gegeneinander verzetteln. In Zukunft werden sie Zeit und Möglichkeit haben, ihre Tendenz auszuwirken und zu zeigen, was sie können. Wir wissen, daß wir zur Zeit, da dieses Rundschreiben herausgeht,, bereits auf der Proskriptionsliste des Präsidiums stehen. Wir fürchten uns davor nicht, weil wir glauben, daß die Mehrheit des Kartells eine Einheits-Politik, die nur durch Intoleranz und Herauswurf sich halten, kann, nicht billigen wird. Weitere etwa 120 Bundesbrüder haben sich bereits für Ringbildung erklärt. Wir bitten Euch, uns mitzuteilen, wann Ihr auf Konventen über die Frage der Ringbildung beraten wollt. Wenn es uns möglich ist, wird Euch dann zu weiterer mündlicher Information ein Bundesbruder, der den Gedanken der Ringbildung vertritt, besuchen. Mit bundesbrüderlichem Gruß Fritz Glaser. Fritz Gutmann. L Rudolf Erhard X. L Max Polke. E Georg Herlitz. J, Gustav Wermuth. A Lothar Markiewitz. Leo Schweitzer XX. Elias' Fischer. James Ludw. Krebs XXX. Arno Wagner. Ernst Petzall X. Martin Ascher. Max Freundlich. Georg Loewenberg.