Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ringbildung 261 Selbstverständlich ist es ferner, daß uns im Gegensatz zu der -Anschauung vieler jüngerer Bundesbrüder nach wie vor als wichtigste -Aufgabe der Verbindung erscheint, die Gedanken des K. J. V. in weiteste •Kreise des Judentums hineinzutragen. Die Keilarbeit muß wieder wie früher ihre Front wesentlich gegen K. C. und Assimilation richten, und -aus dieser ihrer Richtung werden sich ebenso selbstverständlich Folgerungen ergeben für die Formen unseres Verbindungslebens, „umso mehr" (d. h. je ernster es uns um unsere jüdischen Dinge ist) „werden wir auch bereit sein, Nebensächlichkeiten, auch wenn sie unserem Empfinden nicht ^entsprechen, mitzumachen, wenn sie als Produkte des Galuth hinzunehmen .und für die Stellung des K. J. V. in Deutschland zweckmäßig sind". (S. Rosenbaum im Juniheft 1918 des J. St. S. 21.) Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß diese Zweckmäßigkeitserwägungen uns niemals dazu verleiten dürfen, in jüdischen Gesinntmgs- und Anschauungsfragen Konzessionen zu machen, in formeller Beziehung aber müssen wir das Leben in unseren Verbindungen so gestalten, daß die, die wir für uns, gewinnen wollen, sich in ihnen heimisch fühlen. Im Zusammenhang damit gedenken wir die A k t i v z e i t unserer Bundesbrüder mit Arbeit in n e r h a 1 b und für die Verbindung zu erfüllen, •so daß ihnen in dieser Zeit, da -jüdischer Wille und jüdische Inhalte in ahnen sich erst entwickeln sollen, zum Führerspielen in anderen Organisationen keine Zeit bleibt. Insbesondere soll dadurch verhindert werden^ daß Bundesbrüder sich überall heimischer fühlen als in unseren Verbindungen, und auch der Krebsschaden des K. J. V., das Führerseinwollen allzu vieler, beseitigt werden. Erst wenn in solchen Semestern voll erfüllter Aktivität der Geist der Bundesbrüderlichkeit und jener oft zitierte ^einheitliche K. J. V.- er - Geist unverlierbares Besitztum jedes Bundesbruders geworden ist, soll er das bei uns Erworbene in anderen Organisationen in fruchtbare Arbeit umsetzen. Weiter erheben wir die Forderung nach Befreiung von übertriebenem Intellektualismus. Wir wünschen unsere Zusammenkünfte befreit zu sehen von uferlosen Diskussionen über Probleme, *lie teils mühsam aufgesucht werden müssen, teils aus der Schatzkammer der freideutschen Jugendbewegung (Wyneken, Blüher) stammen, dagegen nicht einem inneren jüdischen Bedürfnis entspringen, es sei denn jener unfruchtbaren Freude am Diskutieren als solchem. Wenn etwas, so hindern diese Diskussionen über formale Prinzipien, wie etwa „Notwendigkeit der Disziplin", „Bedeutung der Konvention" und ähnliche das Aufkommen jener einheitlichen K. J. V.- Stimmung, die den jüngeren Bundesbrüdern zu vermitteln Aufgabe, ja Voraussetzung einer gedeihlichen Arbeit ist. Ueber eines sei endlich jeder Zweifel ausgeschaltet. Es ist nicht wahr, daß wir, indem wir die Notwendigkeit intensivster Galuth- Arbeit betonen, schwächer in unserem P al ä s t i n a-Willen sind als jene, die das Wort der Einstellung auf Palästina immer im Munde führen. Erziehung für Palästina ist uns identisch mit allgemein jüdischer Erziehung; jüdische Erziehung aber bedeutet uns Vertiefung der jüdischen Inhalte, Stärkung des jüdischen Willens sowie körperliche Ertüchtigung. Wir sind hierbei allerdings der Meinung, daß praktische Palästina-Arbeit nicht nur diejenigen leisten, die hinübergehen und am Aufbau des kulturellen Zentrums mitarbeiten, sondern ebenso sehr auch diejenigen, die das Galuthjudentum aufnahmefähig für die Ausstrahlungen Palästinas machen, indem sie an seiner Nationalisierung mitarbeiten. Diese Ausführungen sollen keine Apologie derer sein, die aus wie immer gearteten Gründen nicht hinübergehen, denn wir halten dafür, daß jeder, der tiefinnerlich jüdisch empfindet und einen freien, d. h. durch keine Opportunitätsgründe beeinflußtenehrlichen Willen hat, mit zwingender Notwendigkeit hinübergehen muß. Die Erlernung der hebräischen Sprache und Beschäftigung mit Palästinakunde sind uns aber keine spezifischen Vorbereitungsaufgaben für Palästina, sondern ebenso wie etwa