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Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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260 Die Ringbildung Anlage B. , Berlin und Breslau, im September 1919. Es liegt nicht in unserer Absicht, den auch uns unerfreulichen Papierkrieg über die Frage der Ringbildung fortzusetzen. Im Interesse einer sachlichen Diskussion der Frage glauben wir jedoch, uns noch einmal mit einem Rundschreiben an Euch wenden zu müssen. Die unleugbare Krisis des Kartells zeigt, daß eine wahre Einheit des K. J. V. nicht mehr vorhanden ist. Die rein organisatorische Zusammenfassung der Bundesbrüder kann die Einheit der Gesinnung und Stimmung nicht ersetzen und ist von sekundärer Bedeutung. Einheit eines Bundes besteht in der Gemeinsamkeit des Willens/mit den gleichen Mitteln das gleiche Ziel zu erreichen. Wenn auch die Einheit des Endzieles bei allen K. J. V.- ern (wie für Zionisten selbstverständlich) vorhanden ist, so ist doch die Gemeinsamkeit des Willens, mit den gleichen Methoder das Ziel zu erreichen, keineswegs gegeben. Die Methoden und Mittel des Blau-Weiß, Hechawer, Hacheruth usw. sind so grundverschieden von den unsrigen, daß eine Ueberbrückung der Gegensätze, durch die erst eine wahre Einheit entstehen könnte, undenkbar ist. Wirklich einheitliche Gemeinschaften werden erst entstehen können, wenn im Rahmen des Kartells die Korporationen und Bundesbrüder enger zusammengeschlossen werden, die außer dem Ziel die Arbeitsmethoden gemeinsam haben, wenn demnach innerhalb des K. J. V. Ringe sich bilden. Die so sich bildenden neuen, innerlich geschlossenen Gemeinschaften werden zugleich auch dem bisher durch innere Kämpfe zerrissenen Kartell eine erhöhte Stoßkraft verleihen. In den neuen Gruppen oder Ringen wird endlich wieder jene Bundesbrüderlichkeit aufleben, die nicht dort aufhört, wo der Zionismus anfängt. Denn die gemeinsame zionistische Arbeit, das gemeinsame zionistische Ziel sind nicht allein der Inhalt der Bundesbrüderlichkeit, sondern ihre erste Voraussetzung. Erst in diesen Ringen werden Menschen gleicher politischer Willensrichtung auf Grund gleicher zionistischer Arbeitsmethoden und in menschlicher Verbundenheit „Bundesbrüder" werden. Erst in diesen Ringen wird wieder die Freude an gemeinsamer Arbeit erwachen, die wir infolge des bisherigen Zwanges, mit Menschen zusammen leben und arbeiten zu müssen, mit denen wir in den entscheidenden Fragen keine Gemeinsamkeit finden konnten, so lange entbehrt haben. Wenn wir Euch nun den Entwurf eines Programms unseres Ringes unterbreiten, dann sind wir uns bewußt, daß hiermit nicht das letzte Wort gesprochen sein wird, daß wir vielmehr erst die Grundlagen für eine fruchtbare Diskussion schaffen und damit den Kartelltag vorbereiten können. Vielleicht werden manche von Euch beim Durchlesen dieses Programms kopfschüttelnd nach dem Neuen fragen; ihnen sei schon jetzt versichert, daß es uns weniger darauf ankommt, neue Theorien zu schaffen als alte Grundsätze wieder zur Geltung zu bringen und sie gegenüber neuen, traditionslosen, jeder Mode unterworfenen Bestrebungen durchzusetzen. Erstes Erfordernis jeder fruchtbaren Arbeit einer Gemeinschaft ist uns straffste Disziplin. Es ist hier nicht der Ort, uns mit den Anhängern des Hechawer, Hacheruth, Achduth usw. über den Begriff der Disziplin auseinanderzusetzen. Wir unsererseits lehnen es jedenfalls ab, in ihr lediglich ein aus innen heraus sieh bildendes Pflichtbewußtsein und Verantwortlichkeitsgefühl zu erblicken, vielmehr verstehen wir darunter die unter Umständen mit Zwangsmitteln durchzusetzende Unterordnung des Einzelnen unter den Willen der Gesamtheit unter Zurücksetzung persönlicher Sonderwünsche. Freilich soll es das Ziel dieser Zwangsmittel sein, sich selbst überflüssig zu machen, indem allmählich als Ergebnis der Erziehung anstelle des äußeren Zwangs inneres Pflicht- und Verantwortungsgefühl treten soll.

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