Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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<r Die Ringbildung 255 zionistischen Gemeinschaft verbindlich sein dürfen. Daß die Arbeit im «Gallith untrennbar mit der Entwicklung Palästinas verbunden und von ihr abhängig ist, ist oft genug gesagt worden. Wer diese Arbeitsgebiete ^voneinander trennen will, ist für jedes von beiden unbrauchbar, weil der notwendige zionistische Sinn .beider Tätigkeiten in ihrer Verbindung .und Wechselwirkung besteht. Es wäre eine zionistisch unmögliche Vorstellung, etwa einen Ring zuzulassen, der junge Menschen zur Galutharbeit, aber unter sekundärer Betonung des Palästinazieles erziehen will, rund diejenigen, welche die Galutharbeit besonders für sich in Anspruch nehmen, betonen ja auch immer wieder, daß ihre Stellung zu Palästina nicht anders sei, als die ihrer angeblichen Gegner. Man kann die notwendige Verbindung von Galutharbeit und Betonung des Palästinazieles nicht besser darlegen, als durch diesen immer wiederholten Hinweis. Und ^ebenso wenig verbindlich dürften Meinungsverschiedenheiten über die "Werbearbeit sein. Wie kann man als Zionist und K. J. V. -er die Verantwortung dafür aufbringen, daß sich eine Gruppe bildet, welche diese für unsere Existenz absolut notwendige Arbeit ablehnt und deren Programm gerade in dieser verhängnisvollen Negative bestehen soll? Wenn man, wie die Anhänger der Ringbildung es für sich in Anspruch nehmen, »den Kampf um die Menschen, die noch Zionisten werden können, als wichtigste Aufgabe ansieht, ist es unverständlich, wie man bei der Bildung •einer zionistischen Gruppe mithelfen will, deren Charakteristikum darin besteht, daß sie diese Lebensnotwendigkeit ablehnt. Es ist unbegreiflich, daß die Ringanhänger Ansichten dieser Art .als für das Kartell verbindlich hinstellen wollen, obwohl sie genau wissen, daß fast das ganze Kartell die Werbearbeit für eine unbedingte Notwendigkeit hält und daß das Präsidium^ diese Ansicht in wirksamer Weise durchgesetzt hat und weiter — auch gegenüber anders gerichteten Bundesbrüdern — durchsetzen wird. Hier liegt aber der wesentliche Unterschied zwischen den Ringanhängern und uns. Während sie ein von geistigen Kämpfen und neuen Zeitströmungen befreites, behagliches ieben führen wollen *), und so von vornherein auf die Einwirkung auf Andersdenkende verzichten, wollen wir uns mit allen — und gerade mit denen die anders gerichtet sind — auseinandersetzen, um, fern von jeder Schablonisierung, eine auf gemeinsame Grundlagen gestellte Arbeit zu ermöglichen. Besonders merkwürdig berührt diese Berufung auf die Galutharbeit, wenn man die entsprechenden Leistungen nachprüft. Die Alten Herren, "die jetzt die Ringbewegung mitmachen, hätten gewiß Gelegenheit zu fruchtbarster Betätigung. Aber bei der überwiegenden Anzahl stehen ihre Arbeitsbemühungen auf diesem Gebiete in einem auffallenden Mißverhältnis zu der Betonung seiner Wichtigkeit. Wir vermissen selbst genügend Verständnis für großzügige Propaganda-Arbeit. Man müßte wissen, daß ^unsere entscheidenden Erfolge durch die Jugendbewegung kommen werden. Aber wieviele von den Ringanhängern haben sich um den Blau-Weiß oder die Turnerschaft gekümmert? Wer hat versucht, diese Verbände so groß und stark zu machen, auf sie in der Weise einzuwirken, wie es ihre Bedeutung auch für die Galutharbeit verlangt? Wenn *) Die Ringanhänger sollen sich aber in dem Glauben, nur das K. J. V. werde immer von neuen Zeitströmungen geschüttelt, nicht täuschen. Wir verzichten auf viele andere Beispiele und weisen nur auf den K. C. hin. Die Durchsicht der letzten K. C- Blätter könnte unseren Bundesbründern die beruhigende Erkenntnis geben, daß auch „der K. C. sich mit allen — aber auch mit allen! — Problemen neuer Strömungen Herumschlagen muß, nur daß die Auswirkungen des Kampfes ganz oberflächlich liegen (Kouleur, Kneipe, Mensur).. Wir ziehen auch hier den Zustand des K. J. V. dem des K. C. vor ,aber die Bundesbrüder sollten erkennen ,daß auch der Ring der Ringanhänger sich auf die Dauer nicht * -vor geistigen Kämpfen wird schützen können. Uebrigens ist auch bei den paritätischen Couleur-Verbindungen dieser Zustand deutlich zu merken.