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Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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254 Die Ringbildung der einen Seite geistige Akrobaten auf der andern Seite gegenüberstehen?; — gewiß ein Zustand, der in jedem, im zionistischen wie im allgemeint menschlichen Sinne überaus erfreulich wäre. Wir meinen freilich, daß« unsere Erziehung keine Duckmäuser hervorbringen soll (und es scheint uns sehr zweifelhaft, ob diese Gattung unter den Gegnern der Ringanhänger besonders zahlreich vertreten ist). Aber mit allem Nachdruck müssen wir betonen, daß eine intensive Beschäftigung mit unserengeistigen Angelegenheiten, das Bestreben, sich ernsthaft mit allen ernsthaften Gegenständen auseinanderzusetzen, jeden K. J. V.- er kennzeichnen soll. Wer das ablehnt, verstößt gegen die Grundlagen der K. J. V. Erziehung, und wir werden mit Entschiedenheit dagegen kämpfen, daß' etwa eine derartige Stellung gegen den Geist das Kennzeichen einer Gruppe im K. J. V. werden darf. Lehnen die Ringanhänger diese Auslegung des Begriffes „übertriebene Intellektualismus" ab, erkennen auch, sie die hier erhobenen Forderungen, so wissen wir wieder nicht, wo der Unterschied der Gruppen liegen soll. Denn dann wird offenbar die Verpflichtung dem Geist gegenüber — in der Art, wie sie hier erwähnt ist — von allen Gruppen gebilligt. Aber selbst, wenn man die Scheidung nach menschlichen Verschiedenheiten zugeben würde, würde gerade ein derartiger Zustand verpflichten, gegen die Ringbildung und für die Einheit des Kartells zu: arbeiten. Denn der ganze Sinn unserer Erziehung muß sein, unsere Leute zu einer gemeinschaftlichen, sie einordnenden Arbeit fähig zu machen. Rücksicht auf bequemes, dem Charakter möglichst entsprechendes Ausleben entspräche jenem stimmungsmäßigen Ideal, das gerade von den- Anhängern der Ringbildung früher immer bekämpft worden ist. Wir brauchen Leute, die es gelernt haben, gemeinsame Arbeit auch mit Menschen zu verrichten, die ihrem Wesen nicht vollkommen entsprechen- Wenn wir der Ansicht sind, daß unsere Erziehungsarbeit für den Aufbaue des jüdischen Volkes besonders in Betracht kommen soll, wird dies vor allen Dingen die Probe sein müssen, ob unsere Leute gelernt haben,, an einer Gemeinschaft des für notwendig erkannten Zieles wegen, festzuhalten, auch wenn sie härter ist und weniger allen Stimmungen Rechnung frägt, als jene Gemeinschaft voll engelhafter, rücksichtsvoller Harmonie, die jetzt offenbar die Ringanhänger verlangen. Wie wenig innerlich begründet diese Erklärung der Ringforderung mit menschlichen Gegensätzen sein kann, zeigt sich ja schon in der unlösbaren, bisher noch "unbeantworteten Frage, wie bei neuaufgenommenen sowohl wie bei den älteren Bundesbrüdern die Scheidung nach Charakteren' organisatorisch zum Ausdruck gebracht werden soll. Welche Gruppen^ will man bilden, welche Uebergangsmöglichkeiten will man schaffen, wiesoll Rücksicht auf menschliche Entwicklungen genommen werden? Was; soll mit den Angehörigen des Ringes A geschehen, die an einen Ort gehen müssen, wo nur der Ring B existiert? Was mit den Keilfüxen der Gharäkteranlage B an einem Ort, wo nur der Ring A vertreten ist? (Daß wir in den nächsten Jahren an einer erheblichen Anzahl von Orten für jeden Ring eine besondere Verbindung gründen können, ist aus arithmethischen Gründen unwahrscheinlich). Verlangt man, daß ein neuer Fux; mit seinem Eintritt in einen bestimmten Ring sein Charakterbild unabänderlich festlegt? Wohin will man die Majorität der Bundesbrüder (und Alten Herren!) stecken, die in keinen Ring gehen will? Der ganze Widersinn dieser Scheidung muß jedem sofort klar werden, der sich nur mit etwas Ernst über die praktische Durchführung Gedanken macht. Neben den menschlichen Gegensätzen werden Differenzen der zionistischen Anschauungen zur Begründung der Ringbildung herangezogen. Man behauptet, auf der einen Seite ständen die Galuthverneiner,, auf der anderen die Galuthbejaher, oder die Anhänger einer Propagandatätigkeit könnten sich nicht mehr mit Leuten vertragen, die Werbearbeit ablehnten. Wir bestreiten entschieden, daß derartige Gegensätze in der Arbeit des Kartells Geltung erlangt haben oder für die Organisierung einer

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