Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ringbildung 253 V. J. St. Berlin, daß der V. J. St. Göttingen ein Beweis sei für die Notwendigkeit der Ringbildung, löste eine spontane Heiterkeit aus. gez. Robert Katz. j.-Nr. 2302. Bonn, den 3. September 1919. Wir gelangen soeben in den Besitz des Rundschreibens vom 31. August 1919. — In den nächsten Tagen wird Euch Paul Lion X. a. i. aufsuchen und ausführlichen Bericht erstatten. Hier sei nur soviel gesagt, daß das Bild, das Ihr von der V. J. St. Bonn habt, durchaus der Wirklichkeit entspricht, wie dies ja auch aus unserem Bericht über das Sommersemester hervorgeht. Daß wir — neben dem zahlenmäßigen Erfolg — auch mit der Qualität unserer erstsemestrigen Füxe vollauf zufrieden sein können, beweist das Ergebnis der am Schluß des Semesters stattgefundenen Fuxenprüfung. V.J. St. Kadimah, Bonn. Diese Briefe sind einerseits für die Behauptungen der Ringanhänger, andererseits für die Entwicklung der Verbindungen typisch. Insbesondere ist überall, wo Mißstände auftraten, festzustellen, daß diese nicht etwa auf Anschauungsdifferenzen beruhten, die sich einheitlich gegenüber gestanden hätten und nicht auszugleichen gewesen wären, vielmehr beruhten die Reibungen fast überall auf persönlichen Unzulänglichkeiten und den verschiedensten Ursachen, zum Teil lokaler Natur. Die Krisenstimmungen haben sich in keiner Verbindung durchsetzen können; in der Mehrzahl der Verbindungen, wo anfangs Zweifel am Kartell bestanden, ist seit der Mitte des Semesters befriedigend gearbeitet worden. Es wird nun aber von den Anhängern der Ringbildung doch behauptet, daß solche Anschauungsdifferenzen beständen und die Ringbildung notwendig machten. Man weist auf menschliche Gegensätze hin, behauptet, daß Bundesbrüder mit einer Einstellung für Lebensfreude anderen gegenüber ständen, deren Mentalität durch hemmungslose Freude am Problem und Grübelei charakterisiert sei. Zwirn erklärte auf dem Konvent des V. J. St. Berlin, daß auch in diesem Meinungsstreit, Avie in allen vorhergehenden innerhalb des Kartells, sich Charaktere gegenüberständen, die auf der einen Seite durch ihn, auf der anderen Seite durch Blumenf eld vertreten würden. Man braucht nicht darauf hinzuweisen, wie unrichtig diese Darstellungen sind, daß die charaktermäßige Scheidung keineswegs so verläuft wie von den Ringanhängern behauptet wird. Jeder, der unsere Menschen kennt, weiß, daß, soweit diese schematische Teilung überhaupt paßt, in beiden Lagern Vertreter der verschiedenen Charakterrichtungen stehen. Es ist nicht zu übersehen, daß unsere Sportleute geschlossen gegen die Ringbildung sind; man wird ihnen nicht gerade vorwerfen könnenx daß sie zu den blassen Grüblern gehören, während wir unter den Ringanhängern manchen sehen, der sich als Bejaher der Lebensfreude nicht recht wohl auf _ seinem Platze fühlen kann. Wer Fühlung mit jüngeren Bundesbrüdern hat, weiß, daß nichts verkehrter wäre, als derartige Differenzen zwischen ihnen festzustellen und sie je nach dem Schema, in welches nach Meinung der Ringanhänger ihre Verbindung hineinpaßt, in ein derartiges, sie von anderen unterscheidendes Charakterbild hineinzuzwängen. Wenn man insbesondere den Gegensatz Zwirn und Blumenfeld als Erklärung auch für diese Differenzen heranzieht, so wird sicher kein großer Teil der Aktivitas damit einverstanden sein, daß die Entwicklung des Kartells ausschließlich oder auch nur in erheblichem Maße unter diesen Gegensätzen betrachtet wird und von ihnen aus Forderungen -aufgestellt werden. Besonders entschieden lehnen die Ringanhänger eine Eigenschaft ab: >die Neigung zum übertriebenen Intellektualismus, der sie ihre Neigung zu harmloser Lebensfreude entgegensetzen. Soll dieses Charakteristikum Monopol ihres Ringes sein, so müßte also den harmlosen Genießern auf