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Der jüdische Student · 1919-10-01 · Heft 6 (Oktober 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 6 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Die Ringbildung 251 Zerstörung des Kartells und der kurzen Zeit seit der Rückkehr zu halbwegs geordneten Zuständen ein stetiger Fortschritt fast überall zu verspüren ist. Das Präsidium glaubt, über die einzelnen Verbindungen sehr gut informiert zu sein. Noch niemals war der Reiseverkehr so rege wie in den letzten Monaten. Außer den offiziellen Nachrichten und der Privatkorrespondenz zwischen Mitgliedern des Präsidiums und den Angehörigen der Provinzverbindungen verfügt das Präsidium über vielfache Berichte von älteren Bundesbrüdern, die auf Reisen unsere Verbindungen aufsuchten. Ein Hauptargument der Anhänger der Ringbildung in ihrem Kampf gegen die Einheit des Kartells besteht nun darin, daß diese Bundesbrüder behaupten, die Berichte, die das Präsidium erhalte, seien gefärbt und unwahr. Wir geben daher im Folgenden — gleichzeitig zur allgemeinen Orientierung — eine Uebersicht darüber, welches Bild das Präsidium von den einzelnen Verbindungen hat. Wir bitten, diese Uebersicht zu prüfen und erwarten im Interesse der Kartellarbeit, daß alle Bundesbrüder, die in einer Verbindung Erfahrungen gemacht haben, welche sich mit der unten gegebenen Charakteristik dieser Verbindungen decken, sich bei uns melden und ihre Erlebnisse mitteilen. Wir bitten die Chargierten, uns zu berichten, ob das Bild, das wir von ihrer Verbindung haben, stimmt, eventuell eingehend darzulegen, warum es nicht richtig ist; jedoch sollen diese Berichte möglichst nach Besprechung mit anderen Bundesbrüdern gegeben werden, da die Ringanhänger gerade argumentieren, daß die Chargierten gefärbte Berichte gäben, eine Behauptung, zu der nach Ansicht des Präsidiums umso weniger Veranlassung vorliegt, als diese Berichte mit den persönlichen Beobachtungen der Präsidiumsmitglieder und anderer Bundesbrüder übereinstimmen. Es haben ein zufriedenstellendes Semester gehabt: Bonn, Leipzig, Halle, Hamburg. Ferner nach anfänglichen Reibungen, die gut überwunden wurden, Königsberg, Göttingen, Frankfurt, Hacheruth-Bresl.au, ebenso München, wo kleine Streitigkeiten das Semester-Ergebnis letzten Endes nicht ungünstig beeinflußt haben. Es waren in den ersten Monaten (trotz starker jüdischer Betätigung) sehr schiecht Heidelberg, wo jedoch der letzte Monat zufriedenstellend verlief. Durchweg schlecht war das V erbindungsleben in Freibürg, (von dort berichten jedoch merkwürdigerweise Aktive, daß sie sich durchaus wohl gefühlt haben), sowie in der Zephirah-Bres- 1 a u, (insbesondere nach dem Rundschreiben der Zephirah und dem Bericht ihres zum Berliner V. J. St. entsandten Delegierten). Einige Stammtische (Greifswald, Marburg, Münster) haben infolge der geringen Zahl der Bundesbrüder kein eigentliches Verbindungsleben gehabt. Der Tübinger Stammtisch hat sich rege betätigt. In Rostock wurde bei unzureichender jüdischer Betätigung ein halbwegs befriedigender Stammtischbetrieb durchgeführt. In Würzburg war das Verbindungsleben zu Anfang gut, zuletzt aber sehr schlecht. Die erwähnten Berichte auswärtiger Bundesbrüder betonen regelmäßig, daß in den schlechten Korporationen (außer Freiburg) nur ein zur Leitung geeigneter Bundesbruder gefehlt habe. Die Reibungen seien überall persönlicher Natur gewesen. Da die Berliner Verbindungen außer dem Hechawer ein intensives und günstig verlaufenes Semester hinter sich haben, überwiegt die Zahl der zufriedenen (immer mit der selbstverständlichen Einschränkung, daß viel mehr geleistet werden kann und soll) Verbindungen bei weitem, so daß das Präsidium seine Ansicht gerechtfertigt glaubt. Diese Ansicht wird auch gerechtfertigt durch die Zahl und Bedeutung der nach anfänglichen Reibungen zu fruchtbarer Arbeit gelangten Ver-

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