Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ringbildung 245 anhänger eingehen. Mitten in der günstigsten Entwicklung wurden wir von dem Beschluß der Zephirah vom 26. Juli überrascht, der die Ringbildung forderte.*) Wie wurden Fragen von dieser Tragweite, die, wie auch den Urhebern des Beschlusses kiar sein mußte und wie ja auch aus der Art ihrer Aktionen hervorgeht, das Gebäude des Kartells schwer erschütterten, früher behandelt? Man pflegte seine Meinung im J. St. darzulegen und so eine Diskussion, an der sich alle Teile des Kartells ungehemmt beteiligen konnten, in die Wege zu leiten. Die Bundesbrüder, die ihr Programm-mit den Worten: Disziplin, Bundesbrüderlichkeit, harmloser * Frohsinn, Befreiung von der Politik, Betonung der Formen bezeichnen, hielten das nicht für nötig. Auf dem Schlußkonvent des Sommersemesters der Zephirah wurde plötzlich der bekannte Beschluß gefaßt.**) Er wurde den Verbindungen mitgeteilt, überallhin wurde also Unruhe getragen. Fast in allen Verbindungen aber verhinderten die Ferien eine ernsthafte Diskussion — auch die Zephirah berief sich bald auf die Ferien. Diese Unmöglichkeit, in den nächsten Monaten eine Erledigung oder Klärung dieser wichtigen Angelegenheit herbeizuführen, bekümmerte die Bundesbrüder von der Zephirah nicht. Sie hielten es für richtig, in einem Augenblick, wo eine schnelle und gründliche Auseinandersetzung nicht möglich war, die positive Arbeit des Kartells durch ihre mit größter Intensität erhobene Forderung zu belasten. An eine größere Anzahl von Bundesbrüdern, die im Sinne der Ringanhänger als zuverlässig galten, wurden gedruckte Rundschreiben mit der Bitte um weitere Verbreitung versandt. Folgenden Brief richtete der Erstchargierte der Zephirah an einen Bundesbruder.***) Breslau, den 20. August Lieber Bundesbruderi Der Zweck meines heutigen Schreibens ist rein persönlicher Natur, Wie Du weißt, haben wir hier in Breslau beschlossen, auf dem nächsten Kartelltag. für Ringbildung einzutreten. Nach unseren Informationen, insbesondere durch Bbr. P., scheint ja auch in Göttingen eine größere Anzahl von Bundesbrüdern für Ringbildung zu sein. P. selbst verwies mich an Dich, der Du in unserem Sinn für Ringbildung eintrittst. Ich sende Dir heute einige Rundschreiben, mit denen wir unseren Entschluß zur Ringbildung begründen. Da es für uns natürlich darauf ankommt, für unsere Idee zu werben und die Ringanhänger selbst einander näher zu Bringen, bitte ich Dich um Beantwortung folgender Fragen: 1. Können wir auf Dich als Ringanhänger unbedingt rechnen? 2. Wieviel Bundesbrüder und welche sind zurzeit in Göttingen für Ringbildung? 3. Würdest Du es übernehmen, unter Deinen Freunden für Verbreitung unserer Flugblätter zu sorgen? 4. Wenn ja, wieviel Rundschreiben benötigst Du? Solltest Du persönlich nicht für Ringbildung sein, so wären die anderen Fragen natürlich hinfällig. Ich hoffe bei der Wichtigkeit der Angelegenheit auf baldige Antwort Deinerseits und bin .... gez. Ernst Petzall. \ *) Die Geschichte dieses Beschlusses werden wir veröffentlichen, sobald die Anwesenheit einiger Mitglieder des Präsidiums in Breslau eine unanfechtbare Darstellung der Tatsachen möglich gemacht haben wird. **) Wir teilen jetzt nur sicher feststehende Tatsachen mit und verweisen im übrigen auf die vorhergehende Anmerkung. ***) Man vergleiche diese Art der Propaganda mit dem in dem Rundschreiben der Zephirah vom 9. August erhobenen Vorwurf, daß "das Präsidium in einer Weise kämpfe, wie sie im politischen Kampf leider an der Tagesordnung, in der Geschichte des Kartells aber ohne Vorgang sei.