Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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232 Kirschner, Finanzreform deckt sein. Verträge jeder Art müssen vor ihrem Abschluß von «einem kaufmännisch und juristisch erfahrenen Bundesbruder gründlich durchgeprüft werden; für diese Tätigkeit hat sich Siegfried Moses dem Präsidium als Syndikus zur Verfügung gestellt. Die Finanzen der einzelnen Kartellverbindungen usw. sind der Kontrolle durch die Finanzkommission des Präsidiums unterworfen. Schließlich können vielleicht auch in gewissem Umfang vom Präsidialbüro, das übrigens zwecks straffer Organisierung und dauernder Leitung und Ueberwachung einem hauptberuflich verpflichteten jüngeren Bundesbruder unterstellt worden .'st, bei einigen technischen Ausgaben, insbesondere für Porti, einige Ersparnisse erzielt werden. Es soll auch gar nicht geleugnet werden, daß in der Zeit nach dem letzten Kartelltag, bevor die jetzige Finanzkommission mit der nötigen Vollmacht ausgestattet war, finanzielle Mißgriffe getan worden sind, so namentlich hinsichtlich der Finanzierung unserer verschiedenen Veröffentlichungen und in der Wohnungsangelegenheit Diese Tatsachen sind da und werden überwunden werden, und ich glaube sagen zu können, daß wir vor Wiederholungen geschützt sind. Aber die Beschränkungen der Ausgaben und die Möglichkeit von Ersparnissen haben ihre Grenze in der unbedingten und wohl von keinem, er mag zu diesem Präsidium stehen wie er will, angezweifelten Notwendigkeit, dem Kartell seine Leistungsfähigkeit und Stoßraft zu erhalten und zu erhöhen. Schon die vielen neu gegründeten Kartellverbindungen z. B. bedürfen dringend weitestgehender Oeldunterstützung, wofür ein besonderer „Verbindungsunterstützungsfonds" eingerichtet werden mußte. So bleibt uns nichts übrig, als unsere Einnahmen den als erforderlich erkannten Ausgaben anzupassen. Um aus dem Schlimmsten herauszukommen, ist zunächst einmal mit einer energischen Eintreibung der Schulden und fälligen Beiträge, insbesondere auch der gezeichneten Friedensspenden, begonnen worden. Aber das ist keine grundstürzende Neuerung. Ich sagte oben schon, daß nichts geschehen ist, um die finanziellen Kräfte der Bundesbrüder nach Maßgabe ihres Könnens zu nutzen. Wenn ich darauf hinweise, daß bei uns sämtliche Alten Herren, die ältesten wie die jüngsten, die wohlhabenden wie die, die noch nichts verdienen, den gleichen Präsidialbeitrag von 32 M. im Jahre zahlen, so ist zugleich klar, worauf ich hinaus will und wohin wir tatsächlich gelangen müssen: zu einer sta ffelweisenßesteuerungder Alten Herren. Acht Mark kann wirklich, bis auf wenige Ausnahmen, jeder im Vierteljahr für das Kartell aufbringen, auch wer „nichts'' verdient; aber es ist einfach lächerlich, daß z. B. Bundesbrüder mit 20 000 Mark jährlichem Einkommen gleichfalls im Monat nur 2,65 M. für unsere .allgemeinen Aufgaben übrig zu haben brauchen. Ich denke, über «die Zweckmäßigkeit und vor allem über die Gerechtigkeit einer nach