Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Kirschner, Finanzreform Forderung nach praktischer Betätigungsmöglichkeit ernsthaft gemeint ist, oder ob es nur eine Phrase war, mit der sie ihre eigene- Energielosigkeit und Schlappheit bemänteln und vertuschen wollten- * __Ml » * Finanzrefform Vorschlag des Vorstandes des Alt-Herren-Bundes Dargelegt von Bruno Kirschner Die Finanzverhältnisse des Präsidiums sind so traurig, daß die- Kartellarbeit dadurch allmählich auf das Bedenklichste gefährdet werden muß, und dies in" einem Augenblick, wo wir mit der Aussicht auf gute Erfolge eine umfassende Tätigkeit, namentlich auch in der Werbung, einleiten müssen und zum Teil auch bereits aufgenommen haben. Die gesamte Finanzierung des Kartells mußte sogar jüngst als vor ihrem völligen Zusammenbruch stehend bezeichnet werden. Zahlen sagen mehr als,Worte: Die bei der derzeitigen Belastung der Bundesbrüder (20 Mark Präsidialbeitrag, 12 Mark Jüdischer Wille) im Jahr zu erzielenden Höchsteinnahmen belaufen sich auf etwa 32 000 Mark. Ein Anfang Mai nach den damaligen Erfahrungen aufgestellter Voranschlag für das Sommersemester (April—Oktober) 1919 beziffert in vorsichtiger Schätzung die Ausgaben des Präsidiums für diese Zeit auf annähernd IS 000 Mark; hierin steckt allerdings eine außerordentliche Schuldentilgung mit über 17 000 Mark, so daß wir nach diesem Anschlag einen ordentlichen Jahr es-Ausgabenetat von etwa U0 000 Mark, d. h. monatlich 5000 Mark, gehabt hätten. Die neuesten Erfahrungen ergeben sogar einen jährlichen Etat von etwa 75 000 bis- 80 000 Mark, d. h. monatlich etwa 6500 Mark. Die Gegenüberstellung ergibt ein rundes jährliches Defizit von 40000 Mar k.. , Aus diesem Jammerzustand, den wir nun lange genug mit uns herumschleppen, müssen wir endlich einmal heraus! Wie wir in Hingeraten sind, ist leicht zu sagen: Mit innerer Notwendigkeit wachsen. Vmit unseren Aufgaben auch unsere Ausgaben, während seit Jahren nichts geschehen ist, die Präsidialeinnahmen zu heben. Zu der natürlichen Steigerung der Präsidialausgaben ist dann in den letzten Jahren einerseits noch die allgemeine Unkostensteigerung, auf der anderen Seite aber unglücklicherweise als Folge des Krieges und', der durch ihn geschaffenen Lage der Ausfall einer Reihe von Außenständen getreten. Es ist sicherlich finanzpolitisch richtig, daß sich im allgemeinen die Ausgaben nach den Einnahmen richten müssen, und es sind letzthin in diesem Sinne Bestimmungen getroffen worden, wia überhaupt eine durchgreifende Sanierung der Finanzgebahi ung des Präsidiums, die dringend notwendig war, nunmehr auch in die Wege geleitet ist. Bei den Präsidialbeschlüssen, deren Ausführung öeld kostet, kann die Frage der finanziellen Deckung nicht mehr als cura posterior behandelt werden; alle Ausgaben müssen etatsmäßg ge-