Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Kirschner, Finanzreform 233 dem Einkommen gestaffelten Kartellabgabe der Alten Herren kanrr gar nicht weiter gestritten werden (man kann über d^e Grundsätze, der sachdienlichsten Disposition der Staffelung selbst gewiß verschiedener Ansicht sein), und ich wende mich daher nur noch einem prinzipiellen ^Einwand und Bedenken zu, dem der von mir aufge-r stellte und vom Vorstand des Alten-Herren-Verbandes einstimmig angenommenen Entwurf für eine Neuordnung der Präsidialbeiträge der Alten Herren, den ich am Schluß dieser Zeilen der Altherrenschaft, des Katells vorlege, verschiedentlich begegnet ist. ,Wie ihr seht, liebe Bundesbrüder, sieht der Entwurf die eh r e nwörtliche Selbsteinschätzung der Alten Herren vor- Das bedeutet gegenüber denjenigen Bundesbrüdern, die die Finanzen des Präsidiums bezw. die Altherren-Finanzen zn leiten haben werden, zweifellos eine bisher nicht gekannte Decouvrierung der Einkommenshöhe. Nun könnte ich mir zwar denken, daß Alte Herren mit einem geringen Einkommen aus m. E. falschem Ehrgefühl heraus die Selbsteinschätzung peinlich empfänden: daß aber wohlhabende Bundesbrüder darin einen Stein des Anstoßes erblickenkönnten das hätte ich mir wirklich nicht träumen lassen! Und gerade aus den Kreisen der begüterten und gut verdienenden Alten Herren habe ich lebhafte Proteste, ja sogar eine strikte Ablehnung meines Vorschlages bereits erfahren. Was mich betrifft, so würde ich glücklich sein, dem Kartellfinanzminister verraten zu dürfen, daß1 ich ein Jahreseinkommen von 25 000 M. oder mehr habe, wie ich mich, re vera, nicht im mindesten geniert fühlen, werde, ihm mitzuteilen, daß ich leider ein bißchen weniger verdiene. Im Ernst aber muß ich sagen, daß ich eine solche Geheimtuerei und die sogar nicht ausgebliebene Ankündigung des Austritts aus. dem Kartell, wenn mein Entwurf Gesetz würde, für absolut unbundesbrüderlich (um einen stärkeren Ausdruck zu vermeiden) halte. Auch ich weiß, wie jeder, der mir dies entgegenhalten will, daß das Gesamtkärtell heute nicht mehr ein einziger inniger Freundeskreis ist; aber wie es eine Erziehungs- und Willens-, eine Gefühls-, Tat- und Lebensgemeinschaft ist und sein soll, so auch eine solche des Vertrauens! Und wenn wir ein starkes Kartell ,und ein arbeitsfähiges Präsidium haben wollen — und wer will das nicht! — und wenn wir es leistungsfähig machen können — ich schätze gegenüber den jetzigen Alten-Herren-Beiträgen von 600X32 etwa 19 000 M. das Ergebnis der Selbstbesteuerung auf 50 000 M., mindestens aber auf 40 000 M. — dann müssen kleine und kleinliche Bedenken zurückstehen! Denke auch jeder an das Wort der Thora: isch kemattnas jodau — jeder nach seinem Vermögen! Eine lange Diskussion des Vorschlags ist nicht nötig und bei der - Finanzlage des Kartells auch nicht mehr angängig. Wir wollen handeln! Der Vorstand des Altherrenbundes hat daher einstimmig beschlossen, meinen Entwurf sämtlichen Alten Herren des Kartells vorzulegen und zugleich zur Abstimmung zu bringen. Von jede m* Alten Herrn, der sich nicht bis zum 15. September: