Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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230 3% Unsere Aufgaben im Kampf um die Gemeinden 1. Politik, d. h. rdie Gemeinde soll, als öffentlich-rechtlich anerkannte Organisation der Juden diese nach außen gegenüber Behörden und Privatpersonen, gegenüber Artgriffen und bei Kundgebungen vertreten, sie soll die Arbeit der jüdisch-politischen Privatvereine (Zentralvereine, Hilfsvereine, Verband der deutschen Juden), soweit sie nicht nur Zwecke der -inneren jüdischen Politik verfolgen und nicht nur innerhalb der einzelnen Gemeinde oder der deutschen Judenschaft tätig sind1, übernehmen, um diese Arbeit mit mehr Wucht und Autorität, aber ohne die mehrfachen Apparate und die dadurch erhöhten Kosten ausführen m können. — Die einzelnen Gemeinden von Provinz und Land und -schließlich alle Gemeinden des Reiches sind in dem gleichen Sinne zu Provinzialverbänden und zu einem Reichsverband zusammen- . zufassen. Dessen Aufgabe wäre es u. a. auch, die Beziehungen zu -den Judenschaften der anderen Länder und insbesondere zu Pa- Jästina aufrecht zu erhalten und zu pflegen. 2. Kultus, d. h. die Gemeinde hat für die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen, unter Wahrung der religiösen Anschauung der einzelnen Richtungen dadurch, daß diese sich zu Kultusverbänden innerhalb der Gemeinden zusammenschließen und •daß diese Verbände ihre religiösen Angelegenheiten soweit möglich selbständig regeln. 3. S o z i a 1 e s, d. h. die Gemeinde hat (in großzügigerem Maße und jüdischerem Sinne als bisher) die wirtschaftlich und sozial schwachen Mitglieder zu stützen und zu fördern und die Arbeit .aller sozial tätigen jüdischen Privatorganisationen zu übernehmen, in denen mit viel Aufwand an Geld und mit wenig Erfolge so viele Juden ihr Bedürfnis na^h jüdischer Betätigung befriedigen. 4. Erziehung, d. h. die Gemeinde hat Religions- und Profanschulen aller Art je nach Bedarf auf jüdischer Grundlage und mit der hebräischen Sprache als — mindestens — wichtigem Lehrfach zu errichten und für die noch nicht schulpflichtige und die schulentlassene Jugend sowie für die Erwachsenen beiderlei Geschlechts die Einrichtungen zu schaffen, durch die eine geistige und körperliche Ausbildung und Entwicklung auf jüdischer Grundlage möglich ist '(Kindergärten, Fortbildungsschulen, Akademien und Hochschulen, Sport- und Turnplätze, Lesehallen, Volksheime, Vereinsräume, Kunst- -sammlungen usw.). Das Programm für die neue jüdische Gemeinde, deren organu satorische Grundlage selbstverständlich das Wahlrecht der Nationalversammlung und insbesondere die Beseitigung des Zensus sein anüß, ist gut und aussichtsreich, und in negativer Beziehung sind die -Mängel der bisherigen Gemeinde so offensichtlich und erschreckend, daß es ein Leichtes sein muß, für den, der wirklich arbeiten will, iuch Erfolgreiches zu leisten. Die Alten Herren haben in dem bevorstehenden Berliner Wahlkampfe, dem zweifellos solche in ganz Deutschland bald folgen werden, Gelegenheit, zu zeigen, ob ihre