Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere Aufgaben im Kampfe um die Gemeinden 229 bezahlt haben, zu den diesjährigen Repräsentantenwahlen in Berlin* wahlberechtigt sein. Und es ist zweifellos, daß davon eine nicht unerhebliche Zahl von Bundesbrüdern und von Zionisten betroffen werden wird. Aber: bleibt nicht jeder deshalb doch daran interessiert, daß diese Zustände unmöglich wiederkehren können und daß die Gemeinde jüdischer und aufrichtig demokratischer wird? Hat nicht jeder ßundesbruder Bekannte und Angehörige, die er über diese Verhältnisse aufklären kann und die durch das Wahlrecht, das sie besitzen und das sie in diesem Sinne ausüben können, auf eine Aenderungr dieser Zustände hinwirken können? Aendert das Fehlen des Wahlrechts etwas daran, daß jeder durch, die Kenntnis der Dinge, durch, die Beachtung alier Vorgänge in der Gemeindepolitik sich bereit halten muß, um im Falle des Auftretens, des Protestes, des aktiven Wirkens mitarbeiten und mithelfen zu können? Utid zweifellos gibt: es viele Bundesbrüder, die aus Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit oder gar aus Gegnerschaft gegen die Gemeinde es verabsäumen oder gar nicht für nötig halten, die Steuer zur jüdischen Gemeinde zu zahlen, und die nicht daran denken, daß sie dadurch nicht nur sich des Wahlrechts berauben, sondern der Sache, die sie selbst für notwendig und gut halten, daß sie in dem Kampf um die Gemeindeihrer Partei ihre Stimme entziehen! Diese unsere Partei hat ein Programm für diesen Kampf um; die jüdischen Gemeinden, im den Aufbau der neuen jüdischen Gemeinden, die uns und unsere jüdischen Bedürfnisse in Deutschland* befriedigen soll, aufgestellt. Dieses Programm ist in seinen wesentlichen Umrissen enthalten in der Simonsohn'schen Broschüre über „Die jüdische Volksgemeinde" (erschienen im Jüdischen Verlag, dort zu haben für 60 Pfg.). Jeder Bundesbruder, nicht nur jeder Alte Herr, sollte diese Broschüre lesen, wie jeder Anfänger im Zionismus den Ruppin oder den Lichtheim liest (denn Anfänger in der jüdischen Gemeindepolitik sind wir doch fast alle); trotzdem seiendie Häuptpunkte unseres Programms hier aufgeführt. Der Name „Jüdische Volksgemeinde4* hat viel Anstoß erregt, weil der Ausdruck „Volk" darin zu sehr auf das nationale Moment hinweist, alsob dieses das besondere und wesentlichste Merkmal der neuen jüdischen Gemeinde sein müsse und als ob das religiöse oder soziale* Moment zurücktreten solle. Die Urheber des Wortes haben sicherlich nicht an diese Interpretation gedacht, sondern wollten offenbar damit zum Ausdruck bringen, daß die jüdische Gemeinde, wie wir ^eerstreben, die Gemeinde aller Juden für alle Juden und für alles Jüdische sein soll (es kommt auf den Namen für diese Gemeinde nicht an — wäre die „Jüdische Gemeinde" nicht so mit Unjüdischkeit behaftet, so gäbe es zweifellos keinen besseren, allseitigeren und einfacheren Namen als diesen!). Diese Rein- und Volljüdischkeit in der Idee unserer Gemeinde kommt auch zum Ausdruck in dem Aufgabenkomplex, der am besten zeigt, wie groß das Arbeitsfeld der Gemeinde sein muß und wie wenig sie bisher leistet. Vierfach soll das* Arbeitsgebiet der neuen Gemeinde sein;