Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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226 * Unsere Aufgaben im Kampfe um die Gemeinden r. ausgleichenden Tendenz- und Stimmungsverschiedentleiten bedayf, sondern einfach nur der Anerkennung einer Tatsache und der B'e~ tätigung^ einer jüdisch-politischen Pflicht. Denn darauf stützt sich im Grunde die Beziehung, die unsere Alten Herren zur Gemeindearbeit haben: jeder ist Mitglied der jüdischen Gemeinde, in der er wohnt — das ist eine nicht abzuleugnende! und — wenigstens für uns K. J. V.-er, die wir an einen Austritt aus der staatlich anerkannten und gesetzlich vorgesehenen Organisation der Juden nicht denken — nicht zu ändernde Tatsache --und da infolge ihrer staatlichen Anerkennung und ihres of-' fiziellen Charakters die jüdischen Gemeinden im Stande sind, auf ihre Mitglieder, d. h. auf die Judenheit ihres Bezirkes, einen je nach der Intensität von Willen und Arbeit stärkeren oder schwächeren Emfluß gerade in jüdischer Beziehung auszuüben, so ergibt sich daraus für die zionistischen Mitglieder der Gemeinde, also in erster Reihe für alle K.J.V.-er, die selbstverständliche jüdisch-politische Pflicht, zu versuchen, auf die Organisation und Verwaltung dieser Gemeinde einen Einfluß zu gewinnen. Gerade die Alten Herren kommen für diese Arbeit in erster Reihe in Frage, weil sie, ihr jüdisches Leben, die Jüdischkeit ihrer Familie und die Erziehung ihrer Kinder durch die Richtung, die Arbeit, den Einfluß der Gemeinde bezw. ihrer Organe berührt und in Mitleidenschaft gezogen werden. Oder ist es wirklich gleichgültig, ob wir die Möglichkeit haben, unsere jüdischen Feste in der traditionellen, national-erfüllten und -geheiligten Form zu feiern, unsere religiösen Formen, Gebräuche und Vorschriften einzuhalten und zu pflegen, unsere Gebete in unserer hebräischen Sprache und in unverstümmelter Form zu verrichten, unsere Kinder in jüdischen Ideen und jüdischer Geistesrichtung und auf der Basis der hebräischen Sprache unterrichten zu lassen? Jeder wird mir zugeben und jeder, der an die eigene Zukunft denkt oder auch nur die Wirkung der Assimilatiönsbestrebungen der letzten Generationen sieht, wird es sich selbst sagen, daß unsere jüdische Arbeit an uns und an unserem Nachwuchs durch die bisherigen Verhältnisse eirie unsagbare Hemmung -erlitten hat und durch eine Neugestaltung der jüdischen Gemeinden eine vielleicht ebenfalls noch <gar nicht abzuschätzende Förderung erhalten wird. In wenigen Monaten, vielleicht iioch vor den hohen Feiertagen^ finden in Berlin die Wahlen zur Repräsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde statt. Diese Wahlen werden sich von den bisherigen Wahlen erheblieh unterscheiden — nicht, weil die Ziönistäte sich daran beteiligen werden —, unterscheiden wird sich diese Wahl von den früheren deshalb, weil sie zum ersten Male auf einer neuen Wahlordnung beruht, mit der nach jahrelangem Widerstände und nicht minder langen Ausflüchten die liberale (lies; reaktionäre — das soll manchmal dasselbe sein) Gemeindeverwaltung endlich dem' Druck der orthodoxen und nationalen (lies: demokratischen — äa,. solche Verschiebungen kommen in den jüdischen Gemeinden vor) Minderheiten und der Revolution nachgegeben hat. Da ich weiß, daß