Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Aus den Verbindungen anderen Orlen, in denen außerhalb der Korporation ein starkes jüdisches Leben pulsiert, das auch bis in den Kreis der Korporation hinein seine Wirkung ausübt, mag man auf innere Reibungsflächen verzichten können, weil Brennstoff von außen her in genügendem Maße hineingetragen wird, um das Feuer der Lebendigkeit zu unterhalten. Wesentlich anders liegen die Dinge in der Provinz, wo der Pulsschlag jüdischen Lebens im großen Ganzen von der^fQoitporation ausgeht. Hier herrscht weitgehend das Prinzip der Autarkie, der seelischen und auch der geistigen, da von außen nichts Belebendes in die Gemeinschaft dringt. Diese Autarkie nun zu schaffen, ist Gemeinschaft hineingetragen wird. Diese Autarkie nun zu schaffen, ist •eine äußerst schwierige Aufgabe, und sie muß geschaffen werden, um die Schäden zu vereiteln, die aus dem „Liegen und Besitzen" sich ergeben. Diese Erkenntnis kam in Frankfurt spät, und so schwur man auf die allein belebende Wirkung der menschlichen Homogenität. Man glaub+e. ohne weiteres die Sehnsucht nach Intensivierung des Einzelnen mit der sich daraus ergebenden stärkeren Tatmöglichkeit summieren zu dürfen, um das Kollektivindividuum, das heißt die Verbindung, in einen Zustand gesteigerter Tatkraft versetzen zu können. Hüben sowohl wie drüben. Dies, wie gesagt, war ein Fehler, den prinzipiell als solchen festgestellt zu haben, das Verdienst der Einigungskonvente war. Nicht die Regungslosigkeit schafft die Basis, auf der man ein tätiges Verbindungsleben aufbauen kann, sondern die Reibung der Gegensätze bringt die Atmosphäre, in der sich der Tatwille zur Tat entzündet. Der sogenannte Stunk, sit venia verbo, ist das „Stahlbad", aus dem tatenfrohe Bundesbrüder ihre Kraft schöpfen. Die reibungslose Einmütigkeit hingegen ist einer langsam sich einschleichenden Narkose zu vergleichen, die allmählich lähmt und zur Asociaütät hintreibt. Dies waren ungefähr die Erwägungen die um die Zeit des Beginns des Sömmersemesters einige Bundesbrüder, nämlich solche, die genügend abseits standen, den Weg und das Ziel, zu dem man hintrieb, erkennen ließen. Sowohl in der Saronia als auch in der Achduth. Und mit dirser Erkenntnis mußten dann auch die Gegenmaßregeln kräftiger werden. Merkwürdiger-, jedoch bezeichnenderweise hatten instinktmäßig schon lange vorher, ehe man des Wesens Kern erfaßte, solche Gegenmaßregeln gegen die Vereinsamung der Einzelkorporationen eingesetzt. Man kam überein, gewisse Kurse gemeinsam zu veranstalten, gemeinsam zu keilen nach festgesetzten Richtlinien, kurzum, man heilte schon, ohne sich dessen bewußt zu werden, daß man es tat. So fielen denn gelegentliche Anfragen privatester Natur, wie man über ein eventuelles Zusammengehen dächte, auf: fruchtbaren Boden. Schon längst hatte sich im Unterbewußtsein die Klärung der innerpolitischen Situation vollzogen. Und darin lag das Gute der Trennung. Sie klärte den Blick und. ließ ihn an dem Persönlichen,. Kleinlichen vorbei das Wesentliche schauen beurteilen und sich zu eigen» machen. Es vollzog sich noch lange bevor die Einigung zustande kam, die Synthese beider Kartellanschauungen im Einzelnen nicht etwa in einem; Sinne, der die eine Anschauung wählte, indem er die andere verdrängte, sondern es vollzog sieh eine Synthese im Sinne des Uebergreifens beider Kartellpolaritäten. Die neue Idee, die man vom Gemeinschaftsleben hatte, faßte beide Polaritäten in sich, um über sie hinauszuwachsen. So wan wie?