Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Verbindungen Kartells. Die, Minorität in. der Saxonia, die, dem linken Flügel angehörte* war jedoch zu groß, um eine Gruppenbüdung zu ermöglichen, und die inneren Gegensätze waren zu weitgehend geworden, um einer Gruppe inneriiab der Korporation ein reibungsloses Arbeiten zu ermöglichen. Man trennte sich deshalb in völligem gegenseitigem Einverständnis. Mit dieser Trennung war ein bemerkenswerter Fastor aus dem Verbindungsleben ausgeschieden, der die klare Beurteilung der Sachlage trübte, nämlich die persönlichen Reibereien. In beiden Verbindungen konnte jetzt uneingeschränkt xlie Idee, die man dem Gemeinschaftsleben zugrunde legte, zur Herrschaft gelangen. Man ging auch in der Tat durchaus seine eigenen Wege und mied jede Fühlungnahme mit der anderen Verbindung bewußt, soweit dies natürlich in einer Stadt wie Frankfurt möglich war, wo Personen und Sachen sich immer wieder hart im Räume stießen. Der Prüfstein für die Existenzberechtigung zweier Verbindungen sollten die Keilerfolge sein. Diese erkannte man mit Recht als den Ausdruck der Kartellfreudigkeit an. Diese wurden jedoch nicht besser, eher noch schlechter. Das lag an de» verschiedensten Gründen. Einmal, und das dürfte wohl der Hauptgrund sein, mußte die .Keiltaktik notwendigerweise unsicher werden, da man Stets darauf gefaßt sein mußte, von außen auf die innere Krise aufmerksam gemacht zu werden. Der Außenstehende sah naturgemäß m allem nur das Nein und konnte schwer, ja meistens gar nicht, von den wesentlichen Ideen, die zur Trennung geführt hatten, überzeugt werden. Die Folge davon war, daß die innere Zerrissenheit — denn man sah auch nach det Trennung die beiden Korporationen als eine an, die in sich uneinig war, sah also nur das Negative der Entwicklung — die Keilfüxe abhielt, zu uns zu kommen, sowohl den typischen Provinzkeilfux mit seiner Völligen jüdischen Indolenz, als auch, von einigen wenigen Blauweißen abgesehen, die jüdisch und menschlich Entwickelteren, die infolge des Weiterbestehens der alten Saronia nicht recht an den inneren Umschwung glaubten. So kam es, daß der eine Schluß, den man aus der Trennung zog, daß nämlich die Arbeit nach außen hin sich intensiver gestalten könnte, weil ja die inneren Widerstände gegen eine gedeihliche Außenarbeit fortgefallen seien, sich als Trugschluß erwies. Damic war, rückblickend betrachtet, der Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn wie die innere Situation in beiden Korporationen, besonders aber in der Achduth, auch sein mochte, das Kartell und die Kartellnotwendigkeiten erkannte jeder, auch der Radikalste, als verpflichtend an. Ja« man glaubte eben dieser wesentlichsten Verpflichtung, der Keiltätigkeit, um so leichter nachkommen zu können, weil man nun ans einem Milien heraus keilte, das den Einzelnen vollauf befriedigte, ihn mit Tatenergieen sättigte, nachdem im Milieu und den Menschen, die es schufen, eine weitgehende Homogenität der einzelnen Teile geschaffen war. So komme ich denn zwanglos zu dem zweiten Problem, das durch die Trennung einer Lösung entgegengeführt werden sollte, dem der Gemeinschaft. Um es gleich vorwegzunehmen: die reibungslose Gemeinschaft absolut Gleichgesinnter ist zu verwerfen, es muß vielmehr für die Einzelnen die Möglichkeit bestehen; an Gegensätzlichkeiten, woher sie auch immer kommen mögen, sich selbst and damit auch die Gemeinschaft lebendig zu halten. In .Berlin oder an