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Der jüdische Student · 1919-08-01 · Heft 5 (August 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 5 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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218 Aus den* Verbindungen/ J Die V J. St Saxonia seit dem Kartelltag . Um die innere Situation der V.J. St. Saronia im vergangenen. Semester?ganz zu begreifen, ist es erforderlich, ganz 'kurz auf die Vorgeschichte ein? OTgehen, Denn erst mit dieser zusammen bildet das vergangene Semester ein geschlossenes Ganzes, dessen Beginn wir in die Tage der Tendenzkämpfe vor dem Kartelltag zu setzen haben und dessen Schluß ungefähr mm Mitte Mai lag. Was später wurde, gehört schon in die neue Aera der Saronia. Für die Zuspitzung der Tendenzfragen bot Frankfurt durch seine besondere Zusammensetzung ein ganz besonders günstiges Feld, weil die Schroffheit, mit der sich im allgemeinen in Frankfurt die einzelnen jüdischen Gruppen, Orthodoxie-contra, Liberalismus, und bis zu einem gewissen örade auch Zionismus gegenüber standen, sich auch etwas im Verbindungsleben widerspiegelte. So wurde denn die Kritik am Bestehenden ganz -unabhängig von den Argumenten, die sich im Reich und in Berlin im Ber sonderen herausbildeten, von Bundesbrüdern geübt, die aus dem Lager der Orthodoxie kamen und an sich an den gojischen Formen des Gemeinschaftslebens Anstoß nahmen. An sich bedeutete diese Kritik, die noch weit davon entfernt war, revolutionär zu sein, nicht viel, weil auch das alte Lager Bundesbrüder orthodoxer Observanz beherbergte und sie auch durch -all die Kämpfe hindurch sich: erhielt. Die wesentlichen Gegner gingen an das Problem Saronia von einer anderen Seite heran, eben der, die ja auch im Gesamtkartell ausschlaggebend wurde für die Klärung der Begriffe, nach denen man die neue Richtung des Kartells gestalten wollte. Zunächst spielten diese Fragen nur eine untergeordnete Rolle, man diskutierte sie zwar leidenschaftlich, ohne ihnen jedoch mehr Bedeutung als die einer interessanten Beleuchtung möglicher Probleme beizumessen. Eine Wand- -hing schuf die Eröffnung des -Friedensbetriebes. Die Rückkehr von Bundesbrüdern, die bei einer großen Anhänglichkeit an die Korporation doch nicht mehr organisch mit ihr verwachsen waren und vor allen Dingen die :sich vollziehende Entwicklung nicht mitmachen zu können glaubten, ver-. .schärfte die Gegensätze erheblich, so sehr, daß sich aus der anfänglich •noch undifferenziert einheitlichen Verbindung, in der einzelne hier und da :moderne Gemeinschaftsideale vertraten, plötzlich, man kann fast sagen, über Nacht, zwei schroff gegenüberstehende Gruppen herauskristallisierten, von denen die eine das Prinzip der alten Korporation vertrat, während •die andere, zahlenmäßig geringere, dem Hechawerstandpunkte zuneigte, ilch bin mir bei dieser schlagwortartigen Charakterisierung natürlich wohl bewußt, die innere Situation in diesen Gruppen nicht völlig erfaßt zu haben, Jedoch verbinden sich mit diesen Begriffen schon so fest umrissene Vorstellungen, daß sich an da« Schlagwort ganze Associationsreihen von Problemlösungen anknüpfen werden. Zwischen den Parteien standen zwar immer noch Bundesbrüder, die von beiden Anschauungen zu viel hatten, als daß sie sich bedingungslos zu einer Partei hätten entschließen können, jedoch stürmten die Extremisten beider Parteien über diese „Lauen" hinweg. So lag die Situation während der Kartelltagskonvente. Und der Kar- -telitag war eigentlich nur ein Hinausschieben von Entschlüssen, die gebieterisch auf Erledigung drängten. Der Kartelltag kam, brachte die Steint sehen Thesen und brachte auch die Forderung nach Einheitlichkeit des

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